Mittwoch, 09. August 2017

Washington distanziert sich von Trumps „Wutgeschrei“

Der republikanische US-Senator John McCain reagierte irritiert auf Trumps Äußerung. Es sei unwahrscheinlich, dass der Präsident in der Lage sein werde, seinen Worten Taten folgen zu lassen.

John McCain
John McCain - Foto: © APA/EPA

„Die großen Führer, die ich kenne, sprechen keine Drohungen aus, solange sie nicht zum Handeln bereit sind. Und ich bin nicht sicher, dass Präsident Trump zum Handeln bereit ist“, sagte McCain dem US-Radiosender KTAR. Zugleich warnte er davor, die Äußerung des Präsidenten allzu ernst zu nehmen: „Das ist typisch Trump. Er neigt zu Übertreibungen.“

US-Präsident Donald Trump drohte am Dienstag (Ortszeit), den Provokationen aus Pjöngjang „mit Feuer, Wut und Macht“ zu begegnen, „wie die Welt es so noch nicht gesehen hat“ (STOL hat berichtet)

"Hart und mit Bedacht vorgehen"

Auf der Seite der oppositionellen Demokraten gab es weniger Verständnis für Trumps Art der Kommunikation. „Gegenüber Nordkorea müssen wir hart und mit Bedacht vorgehen“, sagte Senator Chuck Schumer in einer Stellungnahme. „Unbesonnene Rhetorik ist keine gute Strategie, um die Sicherheit Amerikas zu gewährleisten.“ Ähnlich kommentierte laut CNN auch Senatorin Dianne Feinstein die Lage. „Präsident Trump trägt mit seinen bombastischen Äußerungen nicht zur Entspannung der Lage bei“, sagte die Senatorin demnach in einer Stellungnahme.

Trump verspiele die Glaubwürdigkeit der USA

Der Demokrat Eliot Engel, Mitglied im Außenausschuss des Repräsentantenhauses, sagte laut CNN, Trump verspiele die Glaubwürdigkeit der USA mit seiner unangemessenen Reaktion. „Machen wir uns nichts vor: Nordkorea ist eine reale Bedrohung. Aber die gestörte Reaktion des Präsidenten deutet an, dass er in Erwägung zieht, als Antwort auf die böse Bemerkung eines nordkoreanischen Despoten amerikanische Atomwaffen einzusetzen.“
Der ranghöchste Demokrat im Außenausschuss des Senats, Ben Cardin, verglich Trumps Worte gar mit der Rhetorik aus Pjöngjang: „Wir sollten nicht in dasselbe Wutgeschrei und dieselben Provokationen über einen Atomkrieg einstimmen wie Nordkorea.“

Gelassenheit: Insel sei gewappnet

Guams Gouverneur Eddie Calvo reagierte unterdessen gelassen auf die Warnung Nordkoreas vor einem Raketenangriff auf den US-Außenposten im Pazifik. Guam sei „auf alle Eventualitäten vorbereitet“, sagte Calvo am Mittwoch in einer Fernsehansprache.
Die Pazifikinsel arbeite eng mit der Regierung in Washington zusammen, „um unsere Sicherheit zu gewährleisten“. Zum Schutz der Insel seien dort „mehrere Verteidigungsebenen“ installiert.

Mit Atomeinsatz gedroht

Die USA und Nordkorea hatten ihren Konfrontationskurs zuvor mit gegenseitigen Drohungen weiter verschärft. US-Präsident Donald Trump drohte Pjöngjang indirekt einen Atomwaffeneinsatz an. Nordkorea drohte daraufhin mit einem Angriff auf Guam. Auf der Insel im Westpazifik sind rund 6000 US-Soldaten stationiert. Neben dem strategisch wichtigen Luftwaffenstützpunkt Andersen gibt es auf Guam auch eine US-Marinebasis.

Gouverneur Calvo sagte, aktuell bestehe keine konkrete Bedrohung für die Insel oder die benachbarten Nördlichen Marianen. Dies habe ihm die für die Region zuständige US-Befehlshaberin, Kponteradmiral Shoshana Chatfield bestätigt. Das Weiße Haus habe versichert, dass ein Raketenangriff auf Guam als Angriff auf die Vereinigten Staaten gewertet werde. Guam sei „amerikanischer Boden“ und „nicht nur eine Militäreinrichtung“, sagte Calvo.

dpa

stol