Ein ritualartiger Ablauf des Heiligen Abends in der Familie hat seit Generationen seine Gültigkeit bewahrt. Und natürlich gehören zum Weihnachtsfest auch immer starke Emotionen. <BR /><BR />MONIKA NIEDERSTÄTTER<BR /><BR />An eines der Weihnachtsgeschenke, die sie als Kind erhalten hat, erinnert sich Monika Niederstätter (49) besonders gerne zurück. „Ich war noch im Kindergartenalter, als ich meine erste eigene Puppe auspacken durfte“, schildert sie die Begebenheit und erklärt, dass sie damit eine riesengroße Freude hatte, weil sie bis dahin meistens etwas von ihrer um 4 Jahre älteren Schwester „vererbt“ bekommen hatte. <BR /><BR />Nützliche Sachen zum Anziehen, ganz gewiss, aber eben meistens nichts Neues. Auch beim Weihnachtsschmaus setzte man jahrelang auf Bewährtes: Fondue. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="976966_image" /></div> <BR />Grundsätzlich wurde dem Fest im Hause Niederstätter in Lana allemal entgegengefiebert: Vor der Bescherung wurde gemeinsam gesungen und die Kerzen am Baum entzündet. Die Schwester spielte am Klavier. Und dann war da aber auch noch das um 8 Jahre jüngere Brüderlein, gewissermaßen ein Nachzügler. „Bei unserem Weihnachtsfest waren sozusagen immer Kinder dabei, denn als mein kleiner Bruder etwas älter war, wurde meine Schwester Mama, etwas später dann ich“, muss die ehemalige Spitzen-Leichtathletin schmunzeln. <BR /><BR />Seit mehreren Jahren ist sie als Sportpsychologin und Mentaltrainerin tätig und selbst Mutter von 3 Kindern im Alter von 12 bis 17 Jahren. „Ganz klar, Weihnachten mit Kindern hat ein besonderes Flair, ich mag diese Zeit auch sehr gerne“, sagt Niederstätter, die früher ihrer Mama liebend gerne beim Keksebacken geholfen hat und sich heute in der Rolle der „Gehilfin“ des Christkindls sieht. <BR /><BR />„Auch bei uns gibt es am 24. Dezember die üblichen Rituale, so wird vor dem Baum gesungen, dazu die Kerzen angezündet und dann geht es ans Auspacken der Geschenke“, sagt sie. Zum Festtag wird das Raclette herausgeholt. Zur schönen weihnachtlichen Stimmung trage ein gemeinsames Spiel oder das besinnliche Miteinander in der Familie bei. Turbulenter geht es in der Regel am Christtag zu, wenn man im Kreise der Großfamilie Engele-Bengele spielt und eine Vielzahl an Geschenken auszutauschen hat.<BR /><BR /><BR />SEPP MESSNER WINDSCHNUR<BR /><BR />Bescheiden und einfach, aber zugleich voller Zauber war das Weihnachtsfest in den 1950er-Jahren im Bauernhof in Gufidaun, wo Sepp Messner Windschnur (77) zusammen mit 6 Geschwistern aufwuchs. „Es war sicherlich eine beschwerliche Zeit, auch wenn wir nicht weißgott welche Geschenke zu erwarten hatten, so haben wir schon ans Christkind geglaubt“, wirft der heute 77-jährige Musiker einen Blick zurück. <BR /><BR />Gebracht hat das Christkindl in schöner Regelmäßigkeit Socken und Kappen, diese waren von der Mutter eigenhändig gestrickt worden. Auf dem Gabentisch fanden sich auch Zelten und Gebäck sowie Orangen – derartige Südfrüchte waren in jenen Tagen eine echte Rarität. Zu den „Pappelen“ gab es heißen Tee, aber erst als das Glöckele läutete, durfte man die Stube mit dem hell erleuchteten Christbaum betreten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="976969_image" /></div> <BR /><BR /> Das seien auf jeden Fall Momente des Glücks gewesen. In den Feiertagen taten die Kinder kaum etwas lieber als im Schnee herumtoben. „Eine Rodel oder sogar Skier hat es nun mal nicht getragen“, sagt Sepp Messner Windschnur, „deshalb haben wir uns später Rodeln geliehen oder die sogenannten Raffelen selbst zusammengebastelt“. Das Raffele ist ein flottes Gefährt mit Kufen. <BR /><BR />Der Liedermacher wuchs in einer musikalischen Familie auf, natürlich wurde zu Weihnachten viel musiziert. Die Kinder waren beim Kirchenchor, einer der Brüder spielte bei jeder Gelegenheit gerne mit der Ziehorgel auf. „Es sind schöne Erinnerungen, auch wenn diese schon 70 Jahre her sind“, gibt er zu bedenken. <BR /><BR />Wenn er die Festtage von damals mit jenen von heute vergleiche, so habe sich so gut wie alles geändert, etwa die Geschenke, das Festmahl oder die Art des Miteinanders. „Aber geblieben ist das gemeinsame Singen und Musizieren und die schöne Stimmung“, meint der Eisacktaler. Sein Sohn spielt die Gitarre oder die Ziehorgel, im Kreise der engsten Verwandtschaft werden dann die klassischen Melodien angestimmt. „Nein, Weihnachtslied habe ich nie keines geschrieben, davor habe ich zu viel Respekt“, meint er auf die Frage, ob es unter all seinen Liedern womöglich einen Weihnachtssong gebe. <BR /><BR /><BR />CHRISTINE LASTA<BR /><BR /><BR />Feste Rituale bestimmten den 24. Dezember im Elternhaus von Christine Lasta (45). „Als wir Geschwister noch klein waren, durften wir untertags Märchen wie beispielsweise Aschenputtel im Fernsehen anschauen“, weiß sie zu berichten und präzisiert: „Das galt nur für Weihnachten und war eine Ausnahme.“ <BR /><BR />Aufgewachsen ist Christine Lasta in Bruneck, folglich gehörte auch Skifahren am Kronplatz zur Einstimmung in den Weihnachtstag unweigerlich dazu. Ein absolutes Muss war außerdem der Besuch der Kindermette um 16 Uhr. „Auch der Christbaum wurde bei uns immer am 24. Dezember geschmückt, die Vorfreude auf diesen ganz besonderen Tag war tatsächlich riesengroß“, erzählt Lasta. <BR /><BR />Natürlich spielten dabei die Geschenke eine bedeutende Rolle. Unterm Weihnachtsbaum konnte schon mal ein Skianzug, neue Skier oder auch mal ein Fahrrad liegen. Aufgetischt wurde neben einer kalten Platte und italienischem Salat auch Tortellini-Suppe. „Tortellini-Suppe war immer ein fester Bestandteil des Weihnachtsmenüs und ist es bei meiner Mama noch heute“, muss Lasta selbst ein wenig schmunzeln.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="976972_image" /></div> <BR /><BR /> Etwas fehlt aber noch für ein stimmiges Weihnachtsbild: das gemeinsame Musizieren. Christine Lasta beschreibt das heimische Weihnachts-Ensemble: „Mein Vater zückte entweder das Saxophon oder die Klarinette, meine Schwester Ursula die Querflöte, ich saß am Klavier, während meine Mama und Uli gesungen haben.“ „Stille Nacht“ und „Ihr Kinderlein kommet“ waren immer dabei“.<BR /><BR />Heute ist Christine Lasta, Leiterin des Stadttheaters Bruneck und Gastgeberin im Restaurant „Alpin“ am Kronplatz, selbst bemüht, mit ihrem Mann Norbert Niederkofler und den beiden Kindern ein stimmiges Weihnachtsfest auf die Beine zu stellen. Das ist angesichts der Erfordernisse im Gastgewerbe alles andere als einfach, aber für heuer sollte es klappen: „Norbert hat sich den Heiligabend für die Familie reserviert.“ <BR /><BR /><BR />JUDITH GÖGELE<BR /><BR />Zusammen mit 4 jüngeren Geschwistern ist Judith Gögele (49) auf dem abgelegenen „Winnebachhof“ im Passeiertal aufgewachsen. „Für uns Kinder war der 24. Dezember ein Herumpassen, denn es hieß immer Warten, bis unser Tata die Stallarbeit gemacht hatte“, blickt Gögele, seit Juni 2022 Präsidentin der Vereinigten Bühnen Bozen (VBB), zurück. Als der Tata kam, gab es zur Stärkung meistens eine Suppe und Passeirer Krapfen. <BR /><BR />Zum Bergbauernhof gehörte auch eine schöne Kapelle, dort betete man gemeinsam Rosenkranz. Und dann, tada, läutete plötzlich das Glöckele, ein sicheres Zeichen dafür, dass einen das Christkindl nicht vergessen hatte. „Wir sind in die warme Stube gestürmt, der Stubentisch war mit Geschenken und schönen Körben voller Nüsse und Kekse geschmückt“ beschreibt Gögele die Bescherung in jenen Tagen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="976975_image" /></div> <BR /><BR />Sie weiß noch genau, dass es nicht nur ein praktisches Geschenk gab, sondern auch immer etwas Überraschendes, etwa ein Spiel oder eine Besonderheit. Kein Wunder, dass man es mit dem Auspacken kaum erwarten konnte und die Vorfreude auf diesen Moment die Kinder beinahe platzen ließ. Allerdings wurden zuvor noch Weihnachtslieder gesungen – der Allzeitklassiker „Stille Nacht, Heilige Nacht“ durfte dabei natürlich nicht fehlen. <BR /><BR />In späteren Jahren gab es öfter mal ein Buchgeschenk, was für allem die Mädchen sehr zu schätzen wussten. „Schön war außerdem, dass wir für einen Tag einfach mal nur Spielen, Lesen und Herumfaulenzen durften – ohne irgendein Pflichtprogramm“, lässt Judith Gögele wissen. Nach der Bescherung stand der Besuch der Christmette an, was mit einem Fußmarsch von einer Stunde im Schnee verbunden war. <BR /><BR />„Heute ist mir wichtig, gemeinsam eine feine Zeit zu verbringen“, meint Judith Gögele, die zusammen mit ihrem Mann Florian Schmid den historischen Weinhof Schmid Oberrautner in Gries führt. Dabei wird auch musiziert, zum Festmahl wird es eine Weihnachtsgans geben.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />