Mittwoch, 20. März 2019

Weltglückstag: „Pures Glück ohne Tiefpunkte wäre langweilig“

Seit 2013 wird am 20. März der Weltglückstag gefeiert. Jeder empfindet Glück auf eine andere Weise, für jeden bedeutet Glück etwas anderes. Ernst Fritz-Schubert, Pädagoge in Deutschland, ist überzeugt: „Glück kann man lernen“.

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Foto: © shutterstock

Kinder und Jugendliche müssen nach Ansicht des Pädagogen Ernst Fritz-Schubert in der Schule mehr lernen als den üblichen Fachkanon. Das Fach Glück soll ihnen die Grundlagen für ein gelungenes Leben vermitteln. Die Lehrer für dieses Fach bildet Fritz-Schubert aus. 

Die Deutsche Presse-Agentur hat den 70-Jährigen zum Interview geladen.

Gibt es einen einheitlichen Glücksbegriff?

Nein. Der Glücksbegriff ist je nach gesellschaftlichem oder religiösem Hintergrund unterschiedlich geprägt. Im Buddhismus gilt die Bedürfnislosigkeit als erstrebenswert, in westlichen Gesellschaften steht das Individuum mit seinen zahlreichen materiellen Bedürfnissen im Mittelpunkt. In afrikanischen Ländern etwa ist die Geborgenheit in der Dorfgemeinschaft das höchste Gut.

Was ist für Sie Glück?

Glück heißt für mich, zu erkennen, wofür ich geboren wurde, meine Stärken und Talente, die ich als Geschenk mitbekommen habe, zu fördern und in die Welt hinaus zu tragen, um einen Platz in ihr zu finden. Glück ist weit mehr als ein emotionales Hochgefühl etwa nach dem Sieg in einem Wettkampf, sondern längerfristige Zufriedenheit. Dabei sind negative Emotionen nicht ausgeschlossen, sondern sogar wichtig. Wir können die Glücksmomente nur genießen, wenn es auch Tiefpunkte gibt, sonst wäre Glück ein langweiliges Gefühl.

Macht Reichtum glücklich?

Das kann, muss aber nicht sein. Es hängt erstens von der Höhe ab, denn Reichtum birgt auch die Gefahr negativer Gefühle wie Verlustangst, Neid, Geiz oder Verschwendungssucht. Zweitens hängt es davon ab, ob der Erwerb und die Ausgaben im Einklang mit meinen Werten stehen. Ein großer Fehler ist, sich und sein Glück über den Reichtum zu definieren. Auch ein armer Mensch kann glücklich sein, selbst wenn die objektiven Lebensbedingungen scheinbar nicht günstig sind, er aber subjektiv zufrieden ist.

Finnland ist zum zweiten Mal in Folge zum glücklichsten Land der Welt gekürt worden. Laut „World-Happiness-Report (Weltglücksreport), der am Mittwoch bei den Vereinten Nationen in New York vorgestellt wurde, geht es Menschen in nordeuropäischen Ländern am besten. Dänemark rangiert auf Platz 2, gefolgt von Norwegen und Island. Am unglücklichsten sind Menschen im Südsudan, in der Zentralafrikanischen Republik und in Afghanistan.

Glück in der Gemeinschaft im Bericht ausgewertet 

Der Report basiert auf Gallup-Umfragen, die im Laufe von 3 Jahren erstellt wurden, und vergleicht 156 Länder. Die Bürger wurden gefragt, wie glücklich sie sich selbst fühlen. Außerdem wurden Faktoren wie Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf, Lebenserwartung und Korruption in Regierung und Wirtschaft berücksichtigt.

Der diesjährige Bericht konzentrierte sich auf das „Glück in der Gemeinschaft“ – und wie soziale Medien und Technologie, soziale Normen, Konflikte und die Regierungspolitik das Glück des einzelnen beeinflussen. „Wie Gemeinschaften in Schulen, am Arbeitsplatz, in Stadtteilen oder in sozialen Medien miteinander interagieren, hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Glück der Welt“, sagte John Helliwell, Professor an der University of British Columbia und Mitherausgeber des Berichts.

apa/dpa

stol