Samstag, 16. Mai 2015

Wenn China Hunger auf Inseln hat

China beansprucht fast das gesamte Südchinesische Meer als sein Territorium. Mit vielen Nachbarländern in der Region liegt Peking seit Jahren im Streit. Und dieser spitzt sich zu.

Fischerboot vor der Insel Da Tay: Hanoi und Peking machen sich außer den Paracel- auch die Spratly-Inseln streitig.
Fischerboot vor der Insel Da Tay: Hanoi und Peking machen sich außer den Paracel- auch die Spratly-Inseln streitig. - Foto: © APA/Reuters

Der Konflikt um das Südchinesische Meer spitzt sich zu. „Wir verfolgen mit Sorge, mit welcher Geschwindigkeit China im Südchinesischen Meer Land gewinnt“, sagte US-Außenminister John Kerry am Samstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Yi in Peking.

Wang Yi konterte: „Die Entschlossenheit von China zur Verteidigung unserer Souveränität und territorialen Integrität ist so hart wie ein Fels.“

Das US-Verteidigungsministerium hatte einen Bericht veröffentlicht, nach dem China unter anderem bei den Spratly-Inseln Riffe künstlich mit Sand und Schutt aus der Tiefe ausweitet und etwa Landebahnen für Flugzeuge oder Schiffsanlegestellen errichtet.

Alleine im vergangenen Jahr soll China an fünf Riffen insgesamt 200 Hektar Land für sich beansprucht haben.

 

Chinas Hunger nach Inseln. 

 

PARACEL-INSELN: Nach der Entdeckung von Ölvorkommen in diesem Gebiet schuf Peking 1974 vollendete Tatsachen und besetzte den südöstlich von Hainan gelegenen Archipel. Vietnamesen wurden von den etwa 130 Koralleninseln vertrieben. China hält das Gebiet bis heute besetzt.

SPRATLY-INSELN: Der Archipel im Südchinesischen Meer ist vor allem zwischen China und Vietnam sowie den Philippinen umstritten. Auch Taiwan, Malaysia und Brunei beanspruchen zumindest Teile der 200 Korallenriffe, Sandbänke und Atolle. Die Volksrepublik und Taiwan führen Belege an, dass die mehr als 1000 Kilometer vor Chinas Küste gelegenen Inseln schon vor 2000 Jahren von Chinesen besiedelt waren.

In dem strategisch bedeutenden Gebiet an dem wichtigen Schifffahrtsweg zwischen Südostasien und Japan werden große Öl- und Erdgasvorkommen vermutet. 1988 waren dort bei Gefechten zwischen China und Vietnam mehr als 70 vietnamesische Seeleute getötet worden. Es gilt als sicher, dass beide Staaten seit Jahren Riffe zu Inseln aufschütten, um ihre Ansprüche zu untermauern.

DIAOYU-INSELN: Die japanisch Senkaku genannten Inseln 200 Kilometer nordöstlich von Taiwan im Ostchinesischen Meer sind nur unbewohnte Felsen. Angesichts großer Fischbestände und vermuteter Gas- und Ölvorkommen sind sie aber von strategischer Bedeutung. Da China alte Ansprüche auf das von Japan verwaltete Territorium geltend macht, kommt es immer wieder zum Konflikt.

dpa/stol

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