Mittwoch, 26. August 2015

Wenn die Diebe übers Gerüst kommen….

Eine Baufirma führte Renovierungsarbeiten an einem Kondominium durch. Das Gerüst umfasste die gesamte Außenfassade des Gebäudes.

Bild: Shutterstock
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Eines Nachts drangen Diebe in einige Wohnungen ein und entwendeten Bargeld sowie Gegenstände. Die betroffenen Miteigentümer des Kondominiums verklagten daraufhin sowohl die Kondominiumsverwaltung als auch die Baufirma auf Schadenersatz.

Wie die Gerichte entschieden haben:

Der Fall wurde unlängst vor dem Obersten Gerichtshof in Rom verhandelt. Der Kassationsgerichtshof legte mit Urteil Nr. 26900 vom 19.12.2014 diverse Kriterien fest, wer bei derart gelagerten Fällen haftet und unter welchen Umständen eine Haftung eintritt.

Für die Höchstrichter besteht kein Zweifel, dass in der Regel das Handwerkers unternehmen haftet, sofern nachgewiesen wird, dass elementare Sicherheitsvorkehrungen nicht getroffen worden sind, um Einbrecher an ihrer Tat zu hindern.

Im Anlassfall hatte es die Baufirma verabsäumt, die Immobilie nachts zu beleuchten, Alarmanlagen aufzubauen und auch ansonsten konkrete Vorkehrmaßnahmen zu treffen. So wurde es den Einbrechern leicht gemacht, auf das Gerüst zu steigen und in die Wohnungen einzudringen.

Das Höchstgericht befasste sich zudem mit der Frage, ob in solchen Fällen auch das Kondominium für die Schäden haften muss.

Allerdings kam es zum Schluss, dass eine Haftung nur dann in Betracht gezogen werden kann, wenn das Kondominium ein von Anfang an offensichtlich nicht geeignetes Unternehmen mit den Arbeiten beauftragt, oder wenn das Kondominium die sichtliche Missachtung von notwendigen Sicherheitsvorkehrungen nicht beanstandet. Es genügt dabei nicht, die Baufirma vertraglich zu den Sicherheitsmaßnahmen zu verpflichten. Das Kondominium muss deren Einhaltung auch überprüfen.

Was den Verwalter des Kondominiums betrifft, erkannte das Höchstgericht in diesem Fall zwar keine direkte Haftung gegenüber den Wohnungseigentümern. Sollte das Kondominium allerdings Regressansprüche stellen, könnte der Verwalter belangt werden, sofern er seiner Aufsichtspflicht nicht nachgekommen ist. 

Rechtsanwaltskanzlei Dr. Markus Wenter

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stol