Warum Bewegung so wichtig ist und warum es Dr. Astrid Marsoner nicht nur bei Worten belässt, das erzählt sie an einem Freitag Morgen auf dem Fußmarsch entlang der Rienz. Zu Besuch bei Südtirols außergewöhnlichster Wandergruppe. <BR /><BR />Vom Bett aufstehen, Treppen steigen, einkaufen gehen – für jede dieser Alltagstätigkeiten sind Kraft und Beweglichkeit notwendig. „Kraft- und Beweglichkeitsverlust gehören nicht zwangsläufig zum Altern, sind also keineswegs Schicksal“: Das wird Dr. Astrid Marsoner nicht müde, ihren Patientinnen und Patienten zu sagen. <BR /><BR />Allerdings müssen beide Fähigkeiten trainiert werden, um sie zu erhalten. „Tut man das nicht, verliert man ein Prozent seiner Muskelmasse – pro Jahr“, sagt die Hausärztin. Und das erhöhe das Sturzrisiko mit schweren Verletzungen und oft bleibender Mobilitätseinschränkungen erheblich. <BR /><BR /><embed id="dtext86-66128729_quote" /><BR /><BR />„Damit ist man selbst für Alltagsdinge auf fremde Hilfe angewiesen, man verliert seine Selbständigkeit und zieht sich aus dem sozialen Leben zurück“, erklärt Dr. Marsoner, die seit 10 Jahren in Niederdorf im Dienst ist. „Regelmäßiges Training ist deshalb die beste Medizin, um Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit zu erhalten. Damit kann man einem Muskelabbau entgegenwirken und die Lebensqualität erhalten“, sagt sie. <h3> Niederdorf setzt sich in Bewegung</h3>Die Allgemeinmedizinerin belässt es aber nicht nur bei den Worten: Im Herbst des Vorjahres hat sie das Motto „Niederdorf bewegt sich“ ausgegeben und einen wöchentlichen Spaziergang in Niederdorf ins Leben gerufen. Seither setzt sich jeden Freitag um 8 Uhr vor ihrer Praxis eine mehr oder weniger große Gruppe in Bewegung, die gemeinsam der Rienz entlang Richtung Toblach wandert – jeder in seinem Tempo und nach seinen Möglichkeiten. Und die Hausärztin wandert mit. <BR /><BR />20 Niederdorfer sind es diesmal, an einem sonnigen Freitag Anfang August. Auch Rosmarie ist mit dabei. „Ich freue mich immer darauf, weil es mir nicht nur körperlich gut tut, sondern weil man auch unter Leute kommt und es immer ,hetzig‘ ist“, erzählt sie. Man wisse ja, dass Bewegung wichtig sei und dürfe es nicht immer nur auf später verschieben. Sie weiß, dass sich viele sorgen, dass sie zu langsam seien und nicht mithalten könnten. <BR /><BR />„Jeder geht in seiner Geschwindigkeit, da finden sich immer ein paar auf demselben Niveau“, sagt sie. Außerdem motiviere der gemeinsame Spaziergang und baue auf. „Das kann man der Frau Doktor nicht hoch genug anrechnen, weil sie auch immer mitgeht“, sagt die Niederdorferin. <BR /><BR />Auch Annelies und Magda sind wieder mit dabei – wie bei jedem Wetter. „Da kennt die Frau Doktor nix“, sagen sie und erinnern sich, wie sie im Winter mit Spikes an den Füßen unterwegs waren.<BR /><BR />Karl ist einer von 4 Männern, die an diesem Freitag der Rienz entlang marschieren. „Das ist eine schöne Abwechslung, und man rafft sich leichter auf, wenn man weiß, dass man nicht alleine unterwegs ist“, sagt er. Und außerdem erfahre man bei dieser Gelegenheit immer allerhand Interessantes. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1061007_image" /></div> Der soziale Aspekt des wöchentlichen Spazierganges sei mindestens genauso wichtig wie die körperlichen Vorteile. „Soziale Kontakte sind erwiesenermaßen die beste Vorsorge für eine Abnahme der geistigen Fähigkeiten und das Fortschreiten von Demenz“, sagt Dr. Marsoner. Auch Bürgermeister Günther Wisthaler ist begeistert von der Initiative. „Gerade für viele alleinstehende Menschen, die sonst niemanden haben, ist das einfach großartig“, sagt er. <h3> Viel mehr als nur Spaziergänge</h3>Mittlerweile hat sich „Niederdorf bewegt sich“ zu einem breiten Gesundheitsprogramm entwickelt. Im Sommer wird der Spaziergang immer wieder mit Dehn- und Beweglichkeitsübungen beendet. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1061010_image" /></div> <BR />„Jeder wie er kann und solange er kann“, sagt Verena Niederkofler und macht die Übungen vor: Nacken dehnen, Schultern und Becken kreisen, auf einem Bein stehen und Muskeln dehnen. „Gerade Schulter- und Beckenbereich werden schnell starr und unbeweglich“, sagt sie. Dabei sei die Beweglichkeit für den Alltag enorm wichtig. „In den Schultern beispielsweise, damit man sich die Frisur selbst machen kann“, erklärt Niederkofler. Ziel sei es, die vorhandene Mobilität und Beweglichkeit zu erhalten, im Idealfall zu verbessern. Die Übungen könne man auch daheim machen. <BR /><BR />Martha tut das bereits – und das sieht man, wenn man ihr beim Recken, Strecken und Dehnen zuschaut. „Ich mache solche Übungen jeden Tag für 15 Minuten“, erzählt die rüstige Seniorin und freut sich über die sicht- und spürbaren Erfolge. „Wenn man regelmäßig etwas tut, dann merkt man das“, sagt sie. Ebenso merke man aber auch, wenn man sich mal einige Tage ausruhe. Neben dem täglichen Trainingsprogramm zu Hause ist Martha auch freitags beim Spaziergang meistens dabei. „Es macht einfach Spaß, in der Gruppe zu wandern und zu turnen“, sagt sie. <BR /><BR />Zusätzlich gibt es im Sommer eine gemeinsame Bergtour, eine Fahrradtour, einen Grillabend, im September eine Flurwanderung mit dem Bürgermeister, immer wieder Wassergymnastik und Vorträge zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Ziel der Initiativen sei es freilich, dass sich Junge und etwas Ältere auch dann bewegen, wenn die „Frau Doktor“ nicht dabei ist. Zumindest bei den morgendlichen Freitags-Wanderern ist das bereits der Fall.