Für ihre Verdienste im Sozialwesen und besonders im Bereich der Senioren, ist die langjährige Vorsitzende des Seniorengemeinderats Bruneck am Hochunserfrauentag mit dem Verdienstkreuz des Landes Tirol geehrt worden. <BR /><BR /><b>Was ging in Ihnen vor, als Sie erfuhren, dass Ihnen das Verdienstkreuz verliehen wird?</b><BR />Cristina Gianotti: Ich habe mich gefreut, dass der Einsatz für Senioren damit als wichtig gewertet wird, aber noch mehr hätte mich gefreut, wenn uns die Politik all die Jahre herauf in unseren Anliegen für Senioren großzügiger unterstützt hätte und künftig großzügiger unterstützen würde. <BR /><BR /><b>Wo fehlte und fehlt es Ihrer Meinung nach an politischer Unterstützung?</b><BR />Gianotti: Wir haben in Südtirol Geld für so Vieles, für große Sportanlagen usw. Das ist alles gut und recht. Aber wenn es um die Senioren geht, dann ist oft nur noch von Kosten die Rede, von der Pflege, die Geld kostet, von den Altersheimen die Geld kosten usw. Da mangelt es oft schon an Wertschätzung für Menschen, die ihr ganzes Leben gearbeitet und gespart haben und ganz wesentlich Anteil am Wohlstand in unserem Lande haben. Und denken wir an die vielen Familien,die ohne die Hilfe der Großeltern oft ganz schön verzagt werden, an verschiedene ehrenamtliche Arbeiten, die sie für die Gemeinschaft übernehmen. Senioren haben verdient, dass ihre Anliegen gehört werden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-55669455_quote" /><BR /><b><BR />Als Vorsitzende des Seniorengemeinderates waren Sie über 20 Jahre lang eine unerschrockene Kämpferin für die Anliegen der Senioren. Wie kam es, dass Sie sich so beherzt in der Arbeit für die älteren Mitmenschen engagiert haben?</b><BR />Gianotti: Es begann 1999, als die Gemeinde Bruneck ein Seniorenleitbild ausarbeiten ließ. Dazu wurden Arbeitsgruppen gebildet. Ich machte dort mit und war in der Gruppe mit dem ehemaligen Schuldirektor David Kofler. „Und was passiert jetzt?“, fragte Kofler. Damit das Leitbild nicht nur ein Papier für die Schublade bleibt, sondern die Punkte daraus auch umgesetzt werden, müsse man eine Gruppe bilden, ein Statut ausarbeiten usw. vertrat er. Das haben wir dann gemacht. Und so kam es zu den Wahlen zum ersten Seniorengemeinderat. David Kofler hat dabei die meisten Stimmen erhalten, aber er sagte, er könne zwar manches, aber so ein Gremium leiten, das könne er nicht, das müsse schon ich tun. Und so wurde ich Vorsitzende des Seniorengemeinderates. <BR /><BR /><b>… und wurden als solche von Wahl zu Wahl bestätigt, bis Sie im vergangenen Jahr dann sagten, es sei an der Zeit, dass andere das Ruder übernehmen.</b><BR />Gianotti: Ja, als ich 1999 den Vorsitz übernommen habe, habe ich gedacht, das kann ich tun, das ist ein Auftrag für ein eine begrenzte Zeit, für ein paar Jahre. Daraus geworden sind gute 22 Jahre.<BR /><BR /><embed id="dtext86-55669456_quote" /><BR /><BR /><b>Es waren 22 Jahre, in denen auf Initiative des Seniorengemeinderates oder mit seiner Hilfe einiges erreicht wurde.</b><BR />Gianotti: Ja, es hat sich schon einiges getan. Wir haben erreicht, dass eine Seniorenmensa eingerichtet wurde, die heute gar nicht mehr wegzudenken wäre, es wurde unserer Bitte zur Errichtung einer Seniorenecke und einer Kneippanlage im Kapuzinergarten nachgekommen, auf mehrmaliges Nachfragen wurde ein Gräberplan für den Brunecker Friedhof ausgearbeitet wurde. Dazu kommen die wöchentlichen Sprechstunden, die der Seniorengemeinderat im Rathaus anbietet, die kostenlose Rechtsberatung,die psychologische Beratung und die Beratung und Hilfe beider Erstellung der Patientenverfügung, die regelmäßige Herausgabe des Informationsblattes Info Seniores usw.<BR /><BR /><b>Mit zu den Initiativen des Seniorengemeinderates gehören der Tag der Senioren und das Fest der Großeltern, die seit Jahren nun alljährlich gefeiert werden, und die Seniorenmesse, bei der Aussteller u. a. zeigen, welche Gerätschaften, Apparate und Hilfsmittel es bei verschiedenen Gebrechen gibt.</b><BR />Gianotti: Alle 3 Veranstaltungen finden sehr großen Anklang. Wenn ich beispielsweise an die letzte Seniorenmesse denke, da waren Leute aus dem ganzen Land hier. Ich bin sehr froh, dass sie im kommenden Jahre wieder organisiert werden soll, denn es kann sehr von Nutzen sein, wenn man sich frühzeitig interessiert, welche Hilfsangebote oder -mittel es gibt, wenn ich einst an diesem oder jenen Gebrechen leiden sollte. <BR /><BR /><b>Eine eindringliche Bitte, die Sie über all die Jahre herauf immer wieder vorgebracht haben, war jene nach Angeboten für betreutes Wohnen.</b><BR />„Gianotti: Die brauchen wir dringend. Aber da bewegt sich viel zu wenig. Was habe ich da schon bei Baufirmen angeklopft und bei der Gemeinden gedrängt, dass wir etwas für Menschen brauchen, die noch sehr aktiv sind und selbständig leben können, aber eben für einige Stunden am Tag oder in der Woche eine Hilfe brauchen. Dies ist ein Thema, das immer drängender wird und das mit großem Einsatz angegangen werden muss.<BR /><BR /><b>Bei ihrem Abschied als Vorsitzende des Seniorengemeinderates im vergangenen Jahr haben Sie gesagt: „Einsatz für die Senioren ist ein Einsatz für die gesamte Gemeinschaft“.</b><BR />Gianotti: So ist es, und ich denke, so sollte es jeder und jede sehen. <BR />