<BR /><BR />Es war vor 3 Jahren, als Teresa Irsara in den Nachrichten hörte, dass ein Obdachloser in Bozen erfroren ist. „Das hat mich sehr hergenommen“, erzählt sie. „Es hat mir weh getan, dass in einem reichen Land wie dem unseren Menschen erfrieren müssen. Das kann doch nicht sein.“ Die damals 91-Jährige sah sich in der Pflicht. Sie wollte helfen und sprach mit ihren Töchtern darüber. Diese brachten sie auf die Idee, für die Obdachlosen etwas Warmes zu stricken. „Ich habe damals in einer Fernsehsendung gesehen, dass ein Mann Mützen und Schals für die Obdachlosen auf der Straße gestrickt hat“, erzählt ihre Tochter Ruth. <h3> Für Kinder gestrickt, jetzt für Obdachlose</h3>Gesagt, getan. Denn stricken, das konnte die Wengenerin, und sie hat es immer gerne getan. „Früher hat mir mein Mann Sepl oft Wolle gekauft, damit ich für unsere 7 Kinder Pullover und Mützen stricken konnte“, erzählt die 94-Jährige. Doch viel Geld war nicht da, und auch die Auswahl an Wolle war eher spärlich. Außerdem war die Zeit begrenzt. Denn Teresa Irsara arbeitete im Geschäft, das zur Kunstweberei Nagler gehörte, dem Betrieb ihres Mannes. „Ich hatte aber immer tüchtige Dienstmädchen, die mir bei den 4 Buben und 3 Mädchen geholfen haben“, sagt sie. <BR /><BR />Gerne erinnert sie sich zurück an die jungen Jahre. Wie sie, die Tochter von einem Bergbauernhof weit oberhalb von Wengen, mit 20 Jahren zu den Ordensschwestern ins Filipinum nach Meran kam, wo sie ein Jahr lang gearbeitet und kochen gelernt hat, und danach noch für 6 Monate nach Martinsbrunn. „Ich war sehr gerne in Meran“, sagt sie. 1957 hat sie Josef Nagler, einen um ein Jahr älteren Wengener, geheiratet und in den folgenden 12 Jahren ihre 7 Kinder auf die Welt gebracht. „Wir hatten gute Jahre, schöne Jahre“, sagt sie. Es waren Jahre, in denen noch Handarbeit Alltag und Arbeit bestimmte. Im Betrieb wurde damals mit der Hand gewebt, „heute machen alles die Maschinen“, sagt sie. Oft schaut sie deshalb nicht hinein, in die heutige Kunstweberei unten in Pederoa, die ihr Enkel, der neue Bürgermeister von Wengen, Felix Nagler, führt. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1105344_image" /></div> Lieber strickt sie. Auf der Couch in der Stube, an ihrem Fensterplatz in der Küche oder im Sommer draußen vor der Tür. „Wir hatten noch viele Wollreste von früher im Haus, mit denen ich die ersten Schals, Handschuhe und Mützen für die Obdachlosen gestrickt habe“, erzählt sie. Diese Reste sind längst aufgebraucht, mittlerweile bringen ihr ihre Kinder und Enkel die Wolle von überall her. Sie wissen, dass sie der 94-Jährigen damit eine Freude bereiten. Sie holt die Tasche und zieht Knäuel für Knäuel heraus. „Das ist so eine feine Wolle, die hat mir mein Enkel aus Wien mitgebracht“, erzählt sie. Und schön sei sie obendrein. <BR /><BR />Wie viele Mützen, Schals, Handschuhe und Socken sie in den vergangenen 3 Jahren gestrickt hat, weiß sie nicht. 3 große Taschen voller Stricksachen hat sie kürzlich nach Bozen bringen lassen für den Weihnachtsmarkt für das dormizil (siehe eigene Meldung). Ihre Töchter haben ihr diesmal geholfen und fleißig mitgestrickt. <h3> Stricken bereits fürs nächste Jahr</h3>Pause gönnt sich die 94-Jährige keine. Der Schal, den sie gerade im Reismuster strickt, ist schon für nächstes Jahr. Oder für jemanden in der Familie. 13 Enkelkinder und 3 Urenkel hat Irsara mittlerweile. Auch für sie stricke sie gerne, sagt sie. „Ich hatte und habe eine so gute Zeit. Ich danke Gott dafür, dass ich ein bisschen behilflich sein kann für Menschen, denen es nicht so gut geht.“ Ihre Augen seien noch gut und auch die Finger könne sie bewegen, was nicht selbstverständlich, aber eine Voraussetzung fürs Stricken sei. Einzig das Knie mache ihr zu schaffen, weshalb sie sich beim Gehen auf einen Stock stützt. „Und Weihnachtskekse mache ich keine mehr“, sagt sie bestimmt. 2 Sorten Lebkuchen hat sie letzthin gebacken, doch eine Sorte sei ihr gar nicht gelungen, findet die Seniorin. Da nimmt sie lieber die Stricknadeln zur Hand. „Wenn der Herrgott mich noch ein bisschen leben lässt, dann stricke ich gerne weiter für die Obdachlosen“, sagt sie.