„Daphnes Garten“ heißt das Stück, und es war eine der besten Inszenierungen, die ich seit Jahren gesehen habe! Als Oper des US-amerikanischen Komponisten Erling Wold, kongenial verschlossen mit Katharina Tiwalds augenöffnendem Libretto über die 2017 ermordete, maltesische Investigativjournalistin und Bloggerin Daphne Caruana Galizia, kommt dieses mutige, erschreckend aktuelle Musiktheater in Regie und nach dem Gesamtkonzept von Peter Wagner beim klagenfurter ensemble daher. <BR /><BR />Ihm zugrunde liegen die berühmt-berüchtigten Panama Papiere. Ein Datenleak, der 2016 ein internationales Korruptionsnetzwerk offenlegte, das weltweit agierte, und in das auf Malta höchste, politische Kreise bis zum damaligen Premierminister Joseph Muscat involviert waren.<BR /><BR /> Daphne Caruana Galizia hat im Dreck der Macht gegraben, die Lügen der Mächtigen öffentlich gemacht und ihren unbeugsamen Mut mit dem Leben bezahlt, das ihr eine Autobombe genommen hat. <BR /><BR />Warum ich das erzähle? Weil die Pressefreiheit in Europa zunehmend unter Druck gerät. Von Herbert Kickls rechten Freiheitlichen in Österreich, die sich unverhohlen damit brüsten, Journalisten wie Islamisten Benehmen zu lernen, bis zu Ungarns EU-erpresserischem Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der schnurgerade in die Autokratie galoppiert und am liebsten alles ausmerzen würde, was anders ist – wie beispielsweise Menschen, die von heterosexuellen Normen abweichen. 2021 wurde das dazugehörige Anti-LGBTIQ-Gesetz verabschiedet, das eine Bestimmung enthält, die Darstellungen von Homosexualität und Geschlechtsumwandlung in Medien- und Bildungsinhalten, die sich an Minderjährige wenden, verbietet oder einschränkt.<BR /><BR /> Wie dieser fragwürdige „Kinderschutz“ in der Praxis aussieht, kann man gerade in Budapest sehen... oder eben nicht. Denn um die renommierte „World Press Photo“-Ausstellung mit den weltweit besten Pressefotos besuchen zu können, darf man nicht unter 18 sein. Ist ja auch nicht zumutbar für den Nachwuchs, der Anblick dieser älteren, philippinischen Männer in Frauenkleidern, die als Gemeinschaft in einem Haus leben und sich gegenseitig im Alter unterstützen. <BR /><BR />Da lobe ich mir die omnipräsenten Gewaltorgien aus TV und Computer, die für die Entwicklung sicher bekömmlicher sind als Menschen, deren einziges „Vergehen“ es ist ein bisschen bunter zu sein. Quo vadis, Europa? Für mich in die völlig falsche Richtung!<BR />