Freitag, 22. September 2017

Wenn Tiere sprechen können

Wie oft schaut man als Herrchen sein Haustier an und fragt sich, was es einem wohl sagen würde, könnte es nur sprechen. Anja Schwienbacher hat eine Methode gefunden, genau das tun zu können.

Tierkommunikatorin Anja Schwienbacher mit ihrer Hündin Tenya. Foto: Privat
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Tierkommunikatorin Anja Schwienbacher mit ihrer Hündin Tenya. Foto: Privat

Anja Schwienbacher ist ausgebildete Tierkommunikatorin und hat es geschafft, Tieren über Telepathie eine Sprache zu geben. Südtirol Online hat mit der Karneiderin über die besondere Art der Kommunikation, ihre Vorteile und Tücken gesprochen.

Südtirol Online: Bei sprechenden Tieren denken viele zunächst an Dr. Dolittle. Kann man sich das so vorstellen?

Schwienbacher: (Lacht) Mit diesem Vergleich haben Sie nicht ganz unrecht. Wie der Name meiner Homepage bereits verrät, findet die Kommunikation „without words“, also ohne Worte statt. Tiere „sprechen“ mit mir so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, jedoch liegt der Unterschied darin, dass bei der telepathischen Tierkommunikation die Gespräche auf mentaler Ebene, also in meinem Kopf, stattfinden und nicht so wie bei Dr. Dolittle über eine verbale Konversation. Bei dieser Art der Kommunikation kann ich den Tieren über Intensionen, Gefühle und Bilder, die sie mir senden und die ich empfinde und wahrnehme oder auch über Sinneseindrücke wie Hören, Riechen und Schmecken eine Sprache geben.

STOL: Wie sind Sie zur Kommunikation mit Tieren gekommen?

Schwienbacher: Ich bin mit Haustieren groß geworden und es war schon immer mein Wunsch, zu erfahren, was sie so denken und fühlen. Vor ca. 10 Jahren hat mir dann meine Mama drei Bücher über telepathische Tierkommunikation geschenkt, da es mich sehr interessiert hat. Anhand der Bücher habe ich probiert, mit Tieren zu sprechen, doch nicht den Erfolg erzielt, den ich mir erhofft hatte.

Das Thema Tierkommunikation hat mich aber nie losgelassen und so habe ich mich vor zwei Jahren entschlossen, eine Komplettausbildung zur Tierkommunikatorin bei Beate Seebauer in Deutschland zu absolvieren. Die Ausbildung dauert ca. neun Monate und beinhaltet nicht nur die Tierkommunikation an sich, sondern auch noch viele andere Bereiche wie Strebebegleitung, die Anwendung von Bachblüten bei Tieren und noch vieles mehr. Um Tierkommunikation zu betreiben, ist es aber wichtig, es zu praktizieren und zu üben, man lernt ständig dazu. Mein Mann steht voll und ganz hinter mir und hat mir das trotz meines „Vollzeitjobs“ als Mama eines kleinen Sohnes ermöglicht und dafür bin ich ihm sehr dankbar.

STOL: Wie kann man das was Sie machen erlernen?

Schwienbacher: Mir ist wichtig zu sagen, dass ich weder außergewöhnliche Fähigkeiten besitze noch eine Hellseherin bin. Ein Blick auf die Urvölker zeigt uns, dass diese Form der Kommunikation völlig normal und auch alltäglich ist. Jeder von uns hat diese „Fähigkeit“ mit in die Wiege gelegt bekommen. Auch Babys kommunizieren auf diese Art und Weise. Nur ist uns das nicht so bewusst oder wir haben es verlernt. Deshalb mag ich auch nicht von „erlernen“ sprechen, mehr ist es ein „sich wieder bewusst werden“ dieser Art der Kommunikation.

STOL: In Südtirol ist diese Tierkommunikation noch nicht sehr verbreitet.

Schwienbacher: Das stimmt! Aber die Menschen hier in Südtirol werden zunehmend offener für das Thema Tierkommunikation. Sogar Tierärzte fangen an, sich für das Thema zu interessieren, was mich sehr glücklich macht. Denn eine Zusammenarbeit mit einem Tierarzt ist bei Situationen wie Krankheit und Tod sehr wichtig.

STOL: Welche Voraussetzungen braucht es, damit ein Gespräch gelingen kann?

Schwienbacher: Grundsätzlich gelten die gleichen Konversationsregeln wie bei einem Gespräch unter Menschen. Das Einverständnis und die Bereitschaft für ein Tiergespräch sowohl vom Tierhalter als auch vom Tier selbst sind Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Kommunikation. Man kann also keinem Tier ein Gespräch aufdrängen. Zudem ist es für den Tierhalter wichtig, an diese Art der Kommunikation zu glauben. Für mich als Tierkommunikatorin ist mein inneres Gleichgewicht und meine innere Ruhe eine absolute Voraussetzung, da sich die Tierkommunikation auf einer mentalen Ebene abspielt und natürlich auch das Vertrauen in mich selbst. Auch muss jedem Tier mit einer entsprechenden Achtung begegnet werden.

Viele Menschen, mit denen ich über die Tierkommunikation spreche, meinen, dass so ein Tiergespräch ja einfach „so nebenher“ geführt werden kann. Was die täglichen Gespräche mit meinen Haustieren betrifft, um mal schnell etwas zu erfragen, ist das korrekt. Doch wenn ich für jemand ein Tiergespräch führe, dann dauert das schon mal 2-3 Stunden. Und das kostet natürlich Energie.

Kater Tommy und Hündin Tenya unterstützen Anja Schwienbacher bei den Gesprächen. Foto: Privat

STOL: Wie kann man sich so ein Gespräch dann vorstellen?

Schwienbacher: In der Regel führe ich ein Tiergespräch in Abwesenheit des Tieres durch. Das mag auf den ersten Blick verwunderlich klingen, aber es funktioniert. Anhand eines Bildes vom jeweiligen Tier verbinde ich mich mit ihm, setze mich an den PC und schreibe die Antworten auf die Fragen des Tierhalters eins zu eins nieder.

Natürlich ist eine Tierkommunikation auch in Anwesenheit des Tieres möglich. In diesem Fall teile ich dem Besitzer die Antworten in der Regel mündlich mit.

STOL: Was haben die Tiere zu erzählen?

Schwienbacher: Oh, sehr viel (grinst). Tiere sind sehr direkt und wissen ganz genau, was sie möchten. Mich erstaunt es immer wieder, wie direkt Tiere sind. Da sie uns die Dinge aus ihrer Sicht mitteilen, ist es für mich manchmal nicht so einfach das zu beschreiben und die Botschaften richtig zu „übersetzen“. Auch für die Tierhalter ist es oft nicht einfach auf den ersten Blick zu erkennen, was das Tier genau meint und was es ihnen sagen möchte. Wichtig ist es, die Aussagen nicht wörtlich zu nehmen, sondern vielmehr im Kontext zu sehen.

Dazu möchte ich Ihnen ein Beispiel machen: ein Hund hat mir auf die Frage, was denn sein Lieblingsspielzeug sei, ein Bild von einem Auto gezeigt. Naja, dachte ich mir, das wird wohl nicht zutreffen, doch habe ich das natürlich der Tierhalterin so weitergegeben. Als ich dann das Feedback erhalten habe, musste ich lachen, denn sie hat erzählt, dass ihr Hund nichts lieber macht als Autofahren.

Was ich damit sagen möchte: Man muss die Aussagen manchmal hinterfragen und versuchen die Dinge aus der Sicht der Tiere zu sehen. Und manchmal muss man auch zu sich selbst ehrlich sein, wenn sie einem Dinge mitteilen, die man vielleicht nicht wirklich hören möchte.

STOL: Sie bieten sich als Vermittlerin besonders in schwierigen Situationen wie Krankheit oder Tod an. Warum kann das hilfreich für den Besitzer sein?

Schwienbacher: Genau, wenn wir das Thema Sterbebegleitung anschauen, kann es für den Tierhalter wichtig sein zu wissen, wie es dem Tier gerade geht, was man ihm Gutes tun oder wie man es unterstützen kann. Zudem lässt sich erfahren, was sich Tiere für die letzte Zeit bis zum Tod und auch darüber hinaus wünschen. Da haben die Tiere ganz konkrete Vorstellungen.

Ist ein Tier krank, dann hat es durch die Tierkommunikation die Möglichkeit seine Empfindungen mitzuteilen. Manche Tiere geben auch Vorschläge zur Behandlung.

Hier ist mir eine enge Zusammenarbeit mit dem Tierarzt sehr wichtig. Denn die Tiere teilen mir zwar mit, wie es ihnen geht, und ich habe die Möglichkeit mich in das Tier mittels Körperscan einzufühlen um Schmerzregionen und Unwohlsein zu erspüren, jedoch stellt dieser Scan lediglich eine Momentaufnahme dar und daher spreche ich niemals von Krankheit. Die Abklärung und die Diagnosestellung obliegt allein dem Tierarzt.

Wenn ich mit einem verstorbenen Tier sprechen darf, dann ist der Grund dafür meist ein ungeklärtes Thema zwischen Tier und Tierhalter. Manchmal möchten Tierhalter dem verstorbenen Tier noch etwas mitteilen oder einfach nur wissen, wie es ihm geht. Manche Tierhalter machen sich zum Beispiel Vorwürfe, dass sie das Tier einschläfern mussten oder dass sie nicht dabei sein konnten, als es gestorben ist. Durch die Tierkommunikation ergibt sich die Möglichkeit, dass der Tierhalter nochmals mit seinem verstorbenen Liebling sprechen kann. Ein Gespräch mit einem verstorbenen Tier hat schon vielen Menschen geholfen.  

Interview: Lisa Comploi

stol