Sorgfältige Planung, eine gewissenhafte Bewertung der äußeren Faktoren und eine ehrliche Selbsteinschätzung sollten die Grundlage jeder Tour sein, sagt der Präsident der Berg- und Skiführer.<BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727745_image" /></div> <BR />Völlig unterschiedliche Faktoren sind ausschlaggebend, weshalb sich speziell das Skitourengehen steigender Beliebtheit erfreut: das wildromantische Naturerlebnis, die radikale Abkehr vom hektischen Alltag und nicht zuletzt natürlich auch die sportliche Aktivität. „Dieser Sport hat besonders viele schöne Seiten, und es lässt sich ganz klar beobachten, dass immer mehr Skitourengeher im freien Gelände anzutreffen sind“, sagt Bergführer Kurt Walde. <BR /><BR />Vor allem hat er beobachtet, dass immer mehr Jugendliche mit ihren befellten Tourenskiern die Schneehänge emporsteigen. Gut vorbereitete und kurserprobte Jugendliche, wie Walde präzisiert. Gerade dieser Aspekt ist beim Tourengehen und ähnlichen Aktivitäten wie Schneeschuhwandern oder Variantenfahren von zentraler Bedeutung, denn sorgfältige Planung, eine gewissenhafte Bewertung der äußeren Faktoren und eine ehrliche Selbsteinschätzung sollten die Grundlage jeder Tour sein. <BR /><BR /><b>Wetter, Schneelage und Bedingungen</b><BR /><BR />Einer der wichtigsten Punkte ist für den erfahrenen Bergführer aus Bruneck der ausgewählte Zeitpunkt: „Wetter, Temperaturen und die Schneebedingungen ändern sich fast tagtäglich, gleichzeitig ändern sich auch die Risiken. Deshalb sollte man sich nie auf gut gemeinte Tipps verlassen, sondern ganz konkret die aktuellen Bedingungen für den Tag der Tour zusammentragen.“ <BR /><BR />Allein die Unterlage variiert ständig und birgt somit unterschiedliche Herausforderungen und Gefahren – das Spektrum reicht von Firn, Harsch und Triebschnee über Nassschnee und Pulver bis hin zu Schneeverwehungen. Die Beschaffenheit der Unterlage kann sich beim Hinunterwedeln der Hänge als Traum entpuppen, sehr wohl aber auch als Albtraum. <BR /><BR />Ein Kapitel für sich ist das Gelände bzw. die jeweilige Hangneigung, welche sich mittlerweile dank der digitalen Hilfsmittel (Apps wie alpenvereinaktiv.com) am eigenen Handy errechnen lässt. In Kombination mit dem aktuellen Lawinenwarnbericht können damit die Gefahren gut eingeschätzt werden: So dürfen beispielsweise bei der Lawinenwarnstufe 3 (erhebliche Gefahr) nur Hänge mit einer Neigung von maximal 35 Grad betreten werden. Wie Walde versichert, sind im Lawinenlagebericht alle maßgeblichen Indikatoren und Werte nach geografischen Zonen übersichtlich, verständlich und detailliert aufgeschlüsselt – siehe etwa den Lawinenreport der Euregio-Länder. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="727748_image" /></div> <BR />Natürlich muss in die Routenplanung auch der Wetterbericht einbezogen werden, außerdem die Eignung der einzelnen Teilnehmer. „Die größten Problematiken beim Tourengehen betreffen die Zusammensetzung und das Innenleben der Gruppe, etwa fehlende Kommunikation oder überzogener Ehrgeiz“, weiß Walde. <BR /><BR />Oftmals können Missverständnisse oder pure Gewohnheiten erhebliche Gefahren heraufbeschwören. Ein typischer Fehler besteht darin, dass man dazu tendiert, sich aufeinander zu verlassen. Besser sind klare Absprachen im Vorfeld, etwa was die Führungsrollen oder die Geschwindigkeit betrifft. Bevor man zu einem Abenteuer aufbricht, sollte jeder für sich ermessen, ob die Kraft, Kondition und die technischen Voraussetzungen vorhanden sind. Bereits eingespielte Gruppen können hingegen auf einen Erfahrungsschatz zurückgreifen – man weiß dann Verhalten und Naturell der Beteiligten einzuschätzen.<BR /><BR /><b>Mut zum Umkehren</b><BR /><BR />Auch bei herrlichen Bedingungen sollte man bei Zeitdruck oder sonstigen Problemen den Mut zum Umkehren haben. Beim Aufstieg sollte auch das Abhalten der Abstände bedacht werden, als Richtwert gelten 10 Meter. Das erleichtert nicht nur das Meistern der Spitzkehren, sondern entlastet auch die Schneedecke. <BR /><BR />Um die Abfahrt in vollen Zügen zu genießen, sind neben der Technik auch Konzentration und Kraft gefragt. Steile Rinnen, vereiste Hänge oder anspruchsvolle Schneeverhältnisse können dagegen schlechte Fahrer schnell in Verlegenheit bringen und so die ganze Gruppe gefährden. Stürze bei der Abfahrt gehören zu den häufigsten Unfallursachen. Es gilt also, Kondition und Können aller beteiligten Tourengeher zu berücksichtigen. <BR /><BR />Natürlich machen sich auch viele Skitourengeher allein auf den Weg, dabei ist man unabhängig und kann sich auf sich selbst und die Natur fokussieren. Ihnen rät Walde, die Tour nicht in abgelegenen bzw. wenig befahrenen Gebieten zu machen. „Sollte etwas passieren – und sei es nur ein verdrehter Fuß in einer Mulde ohne Handyempfang – hat man ein großes Problem, weil mit keiner Hilfe zu rechnen ist“, verdeutlicht der Bergführer die Gefahr bei einsamen Touren. Und wenn man tatsächlich von einer Lawine verschüttet wird, sinkt mit jeder Minute die Überlebenschance. <BR /><BR /><b>Die richtige Ausrüstung</b><BR /><BR />Die Ausrüstung sollte den Verhältnissen und dem Tourenziel angepasst sein, zum Standard zählen LVS (Lawinen-Verschütteten-Suchgerät bzw. Piepser), Sonde und Schaufel, Biwaksack, Handy mit Reservebatterie und Erste-Hilfe-Paket inklusive Rettungsdecke. „Wenn ich allein unterwegs bin, dann nehme ich auch den Airbag mit“, sagt Walde, der mit seinen Skiern am liebsten die Seitentäler des Hochpustertals, die Dolomiten und den Alpenhauptkamm erkundet.<BR /><BR />Wie wohl alle erfahrenen und umsichtigen Tourengeher, appelliert auch er an Risikominimierung, realistische Selbsteinschätzung und verantwortungsvolles Handeln. Damit lasse sich die winterliche Bergwelt umso unbeschwerter und intensiver genießen.<BR />