<b>Von Karl Psenner</b><BR /><BR />Walter Gufler, in seiner aktiven Laufbahn in leitender Funktion in der deutschen Berufsbildung tätig, wurde vor etwa 5 Jahren vom damaligen Zentralratspräsidenten der Vinzenzgemeinschaft, Josef Haspinger, gefragt, ob er nicht bereit wäre, diese heikle Aufgabe zu übernehmen. Seitdem ist Gufler von der Vinzenzkonferenz St. Martin als Verbindungsmann zu den Gefängnis-Insassen tätig. Die „Dolomiten“ haben mit Gufler über seine Tätigkeit gesprochen.<BR /><BR /><b>Herr Gufler, was hat Sie an dieser nicht leichten Aufgabe gereizt?</b><BR />Walter Gufler: Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen, versuche, ihre sozialen Nöte und Sorgen zu verstehen und beschäftige mich konkret darum, den Häftlingen durch Projekte und auch mittels Veranstaltungen eine Perspektive zu geben. Wesentliches Ziel ist dabei deren Resozialisierung in die Gesellschaft. <BR /><BR /><b>Um welche Art von Projekten handelt es sich hierbei?</b><BR />Gufler: Von meiner beruflichen Herkunft her haben wir Ausbildungsangebote verschiedenster Art aufgelegt und auch umgesetzt. Beispielsweise haben wir die Möglichkeit eines Mittelschulabschlusses auf die Beine gestellt oder einen Kochkurs organisiert. Außerdem stehen eine Bibliothek und Musikinstrumente zur Verfügung. Wir arbeiten mit dem 'Teatro stabile' und dem Konzerthaus zusammen, bieten Sprachkurse an, Computer sind ebenfalls vorhanden. Auch bei baulichen Arbeiten innerhalb des Gefängnisses wäre eine Mithilfe angebracht, selbstverständlich unter vorheriger Ausbildung und Anleitung. Es gilt ja, die Arbeitssicherheit und den Arbeitsschutz zu gewährleisten und natürlich die Inhalte genau festzulegen.<BR /><BR /><b>Wie schaut die Zuständigkeit der Gefängnisleitung aus?</b><BR />Gufler: Nun, Bozen ist eine Außenstelle, die vorgesetzte Behörde sitzt in Padua. Der Bozner Direktor hat somit nur beschränkte Handlungsfreiheit. Er ist erst seit rund einem Jahr im Amt, ist aber sehr bemüht um die Insassen. Es gibt auch Renovierungsarbeiten, beispielsweise neue Duschen oder die Fassadenerneuerung. Übrigens, in Bozen sind ausschließlich Häftlinge bis zu einer Höchststrafe von 5 Jahren untergebracht, andernfalls kommen sie nach Verona, Padua oder in eine andere Anstalt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-67235996_quote" /><BR /><BR /><b>Platzt das Gefängnis nicht aus allen Nähten, wie man oft liest?</b><BR />Gufler: Es ist für rund 80 Personen ausgerichtet und der neue Direktor versucht, zumindest die 100-Personen-Grenze nicht zu überschreiten. Das 'Betriebsklima' ist aus meiner Sicht gut, viele der Häftlinge möchten nicht irgendwo anders hin versetzt werden. Im Gegenteil, die Bozner Vollzugsanstalt genießt allgemein einen guten Ruf, trotz mancher Mängel und des nach außen hin desolaten Zustandes. Der Umgang zwischen Wärtern, dem weiteren Personal und den Insassen ist in der Regel gut, lebenswert und menschengerecht. Sie respektieren sich gegenseitig.<BR /><BR /><b>Also insgesamt alles paletti, zufrieden und in Ordnung?</b><BR />Gufler: Nein, es gibt schon einige große Problemfelder. Ich spreche hier die Haftentlassungen an. Was passiert mit diesen Personen, wer kümmert sich um sie? Haben sie eine Unterkunft, eine Wohnmöglichkeit, und bekommen sie einen Arbeitsplatz? Hier bräuchte es unbedingt eine Vorlaufzeit vor Entlassung und eine Art Sozialbetreuer, der für sie da ist. Andernfalls ist und bleibt die Rückfallquote hoch.<BR /><BR /><b>Welche „Anliegen„ werden noch an Sie herangetragen?</b><BR />Gufler: Was oft zu kurz kommt, ist das Zuhören. Viele haben ein Mitteilungsbedürfnis und, ja, sie wollen auch beschäftigt werden.