Samstag, 22. Dezember 2018

„Wer Musik macht, lernt fürs Leben “

Der 23-jährige Algunder Hannes Schrötter studiert am Mozarteum in Salzburg Posaune und ist in Südtiroler Blasmusik-Kreisen bestens bekannt. Im folgenden Interview erzählt er, wie er zur Musik kam, was das Lernen eines Instrumentes mit Kindern und Jugendlichen macht und welcher Herausforderung er sich demnächst stellen wird.

Beim Dreikönigskonzert wird Hannes Schrötter sein Solo-Stück gemeinsam mit der Algunder Musikkapelle spielen.
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Beim Dreikönigskonzert wird Hannes Schrötter sein Solo-Stück gemeinsam mit der Algunder Musikkapelle spielen.

Hannes, zuallererst eine Frage, die sicher viele Musikschüler interessiert: Wie viel muss man pro Tag üben, damit man so Posaune spielen kann wie du?

Das ist eine schwierige Frage … (schmunzelt). Ich sag‘s mal so: Ich versuche pro Tag auf drei bis vier Stunden zu kommen – das ist denk ich für einen Musikstudenten ein guter Durchschnitt. Ob jemand mehr oder weniger braucht, muss jeder selbst entscheiden – es sollte auf jeden Fall immer noch Spaß machen …

Du spielst seit zehn Jahren bei der Algunder Musikkapelle mit, seit vier Jahren bist du im Verein zudem für die Jugendarbeit verantwortlich. Warum würdest du einem Kind heute empfehlen, ein Instrument zu lernen?

Nun, meistens sind es ja die Eltern, die man davon überzeugen muss. Ich würde jedenfalls jedem Kind, das Interesse hat und Freude an der Sache zeigt, empfehlen, ein Instrument zu lernen. Und ich würde allen Eltern sagen, dass es auf jeden Fall eine gute Entscheidung ist. Musik zu machen ist eine absolut sinnvolle Freizeitbeschäftigung, es fördert die Persönlichkeit und man lernt dadurch vieles, was einem später das Leben erleichtert: Teamgeist, Konzentration, Durchhaltevermögen sind nur einige Eigenschaften, die einem die Musik gibt. Ich bin überzeugt: Wer kein Instrument lernt, verpasst in seinem Leben eine ganze Welt – und das wäre doch schade …

Wie bist du dazu gekommen, dass du als Kind Posaune gelernt hast?

Meine Mutter hat sich sehr darum bemüht, dass ich ein Instrument lerne. Ich hatte dann die Wahl zwischen Klarinette und Posaune – und habe mich dann für jenes Instrument entschieden, das weniger Klappen hatte und bei dem ich nur den Arm bewegen musste … (lacht)

Du stammst aus der „ersten Generation“ der Algunder Jugendkapelle, die 2004 gegründet wurde. Welche Rolle spielen Gruppen wie eine Jugendkapelle bei der Entwicklung von musizierenden Kindern und Jugendlichen?

Sie spielen eine ganz entscheidende Rolle – schließlich sind sie meist die erste Gelegenheit, in einer größeren Gruppe miteinander zu musizieren. Die Kinder können viel voneinander lernen und viel Spaß miteinander haben. Und wenn es dann Aufführungen gibt, bei denen die stolzen Eltern und Freunde kräftig applaudieren, dann ist das ein wunderschönes Gefühl und der Lohn für das viele fleißige Üben. Davon abgesehen sind die Jugendkapellen natürlich auch die Basis dafür, dass wir auch in Zukunft noch so viele Musikkapellen in unserem Land haben. 

Du hast vor einigen Monaten am Konservatorium in Bozen dein Bachelorstudium im Konzertfach Posaune mit der Höchstpunktezahl von 110/110 abgeschlossen und studierst jetzt am Mozarteum in Salzburg. Wie sehen deine weiteren musikalischen Ziele aus?

Ich möchte natürlich in erster Linie mein Master-Studium in Salzburg so gut wie möglich abschließen. Daneben möchte ich aber natürlich auch diese Weltstadt der Musik besser kennenlernen und mich dort einleben. Ich möchte dann auch bei verschiedenen Probespielen und anderen Gelegenheiten möglichst viele Erfahrungen sammeln. Langfristig kann ich mir aber auch gut vorstellen, dass ich wieder nach Südtirol zurückkehre und hier meine Zelte aufschlage. 

Gibt es ein Werk, mit dem du dich zurzeit besonders intensiv beschäftigst?

Ja, ich beschäftige mich gerade sehr intensiv mit dem Concertino für Posaune und Orchester von Ferdinand David. Es ist sicherlich eines der bekanntesten Solo-Werke für Posaune und bietet dem Solisten alle Möglichkeiten, sein Können unter Beweis zu stellen. Bei meiner Abschlussprüfung am Konservatorium in Bozen habe ich es mit Klavierbegleitung gespielt.

Gibt es denn eine Chance, dieses Werk einmal von dir zu hören?

Ja, sehr bald sogar: Ich habe die Ehre, das Concertino von David am kommenden 6. Jänner mit meinen Musikkolleginnen und -kollegen von der Algunder Musikkapelle beim Dreikönigskonzert im Kursaal von Meran zu spielen. Es ist sicherlich eine ganz besondere Herausforderung, das Werk mit einem Blasorchester als Begleitung zu spielen, weil es vom Klangkörper sehr viel Einfühlungsvermögen und Flexibilität verlangt. Aber ich habe vollstes Vertrauen zu unserem Kapellmeister Christian Laimer und zu meinen Musikkollegen – die werden das sicher hervorragend machen … (schmunzelt)

Zum Abschluss noch eine Frage zu deiner Familie: Du stammst aus einer sehr traditionsreichen Algunder Musikerfamilie. Dein Urgroßvater Anton und dein Großvater Josef Schrötter waren nacheinander von 1900 bis 1968 Kapellmeister der Algunder Musikkapelle und haben den Verein nachhaltig geprägt. Sind so bekannte Vorfahren für einen jungen Musiker wie dich eine Belastung – oder machen sie dich stolz?

Als Instrumentalist empfinde ich eigentlich keinen Druck deswegen – ich bin stolz und schaue voller Respekt auf die gewaltige Leistung, die sie über die vielen Jahre für unseren Verein und für das Musikwesen in Südtirol erbracht haben. Druck habe ich nie verspürt wegen der Tatsache, dass ich der Enkel bzw. Urenkel von zwei Algunder Langzeitkapellmeistern bin. Ich denke, sie würden sich aber sicher freuen, wenn sie wüssten, dass ihr Nachfahre jetzt ein Solo-Konzert mit „ihrer“ Musikkapelle spielt.

Interview: Bernhard Christanell

Mehr Informationen zur Algunder Musikkapelle und zum Dreikönigskonzert gibt es online unter www.diealgunder.com

Algunder Musikkapelle, Algund

stol