Es liegt auf der Hand, dass eine antike römische Münze oder ein Exemplar aus einer mittelalterlichen Prägewerkstatt wertvoll ist. Das macht schon allein das Alter. Aber warum können Euro-Münzen, die gerade mal 20 Jahre jung sind, bei Sammlern schon für glänzende Augen und stolze Preise sorgen?<BR /><BR />Für diese enorme Wertsteigerung gibt es zumindest zwei gute Gründe. Einmal ist sind bestimmte Münzen – obwohl in hoher Stückzahl ausgegeben – schlicht und einfach nicht mehr im Umlauf, weil sie irgendwo herumliegen oder bereits gehortet werden. Das treibt den Wert für Liebhaber solcher Stücke in die Höhe, denn: je seltener, desto teurer. Ein Beispiel dafür sind 50-Cent-Münzen aus dem Jahr 2007 oder eine Reihe von 2-Euro-Münzen, die zu besonderen Anlässen gestaltet wurden. <BR /><BR /> Der zweite Grund für die Preissteigerung einiger Münzen ist ein Klassiker: Fehler bei der Prägung. Das ist dann echt peinlich für die Hersteller der Münzen, aber ein echtes Freudenfest für Numismatiker. Prägungen mit einem Patzer sind meist schon auf Anhieb sehr wertvoll. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="802859_image" /></div> <BR />Der absolute Star in der Kategorie „Patzer-Preis“ ist ausgerechnet die Kleinste unter den Euro-Münzen, und zwar eine <b>1-Cent-Münze aus dem Jahr 2002</b>. Sie wurde von Italien ausgegeben, daher sollte auf der Rückseite das von Kaiser Friedrich II. erbaute Castel del Monte in Apulien zu sehen sein. Tatsächlich ist auf dem guten Stück die Mole Antonelliana abgebildet, also das Wahrzeichen der Stadt Turin. Dieses Motiv ist aber für die 2-Cent-Münzen vorgesehen. <BR /><BR />Als etwa 7000 Münzen geprägt waren, wurde der Fehler entdeckt und die Produktion sofort gestoppt. Mindestens 100 dieser „falschen“ 1-Cent-Münzen sind aber in Umlauf und der Traum eines Euro-Münzen-Sammlers. Das Fachportal „Moneterare“ schätzt den Wert einer Münze auf 2500 bis 3000 Euro. Bei einer Versteigerung des Sammlerexperten Bolaffi im Mai 2013 erzielte das winzige Stahlblech mit Kupferüberzug sogar 6600 Euro. <BR /><BR />Hoch im Kurs ist eine weitere 1-Cent-Münze, die ebenfalls durch einen Fehler bei der Prägung zum Wunschobjekt vieler Sammler wurde. Dieses teure Stück ist in der Brieftasche auf den ersten Blick zu erkennen, denn die Vorderseite ist schlicht und einfach leer, zudem fehlt auf der Rückseite das Jahr der Prägung. Liebhaber blättern für das kupferrote Blechstück mindestens 500 Euro hin.<BR /><BR />Immerhin auf 10 Euro bringt es eine 1-Cent-Münze, die von der Republik San Marino im Jahr 2003 ausgegeben wurde. Gegen eine 1-Euro-Münze tauschen Sammler schließlich ein 1-Cent-Stück der Niederlande aus der Geburtsstunde des Euro im Jahr 1999 ein. <h3> Ein extragroße 1-Cent-Münze</h3>Auch bei den <b>2-Cent-Münzen</b> gibt es eine „glückliche“ Fehlprägung, die bis zu 2500 Euro einbringen kann. Hier rutschten der italienischen Prägeanstalt einige Exemplare durch, die den Durchmesser eines 2-Cent-Stücks (18,75 mm) haben, aber als 1-Cent-Münzen gestaltet sind. Wenn Sie also ein auffallend großes 2-Cent-Stück haben, sollte das genauer unter die Lupe genommen werden, denn vielleicht ist es ein kleines Goldstück!<BR /><BR />Bis zu 110 Euro kann auch die 2-Cent-Münze einbringen, die der Vatikanstaat im Jahr 2002 ausgab. Die insgesamt 67.000 Stück sind bei Sammlern sehr begehrt. <BR /><BR />Und noch ein Tipp: Für die EU sind die kaum noch verwendeten 1- und 2-Cent-Münzen unpraktisch und daher Auslaufmodelle. Wenn keine neuen mehr ausgegeben werden, dürfte der Wert dieses kleinsten Kleingeldes mit der Zeit steigen. Wer also eine größere Menge daheim hat, sollte sich einen spontanen Verkauf gut überlegen. <BR /><BR />Die <b>5-Cent-Münzen</b> können dagegen gerne weg. Wer einen Käufer findet, kann für einige Exemplare immerhin bis zu 40 Euro erhalten. Das gilt zum Beispiel für die Vatikan-Münze aus dem Jahr 2002 . Bis zu 15 Euro gibt es für den Jahrgang 2003, der vom italienischen Staat oder von der Republik San Marino ausgegeben wurde. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="802862_image" /></div> <BR />Im Reich der <b>10-Cent-Münzen</b> ist die Schatzsuche äußerst schwierig. Einen größeren Wert hat hier wiederum eine italienische Fehlprägung aus dem Jahr 2002, auf der das Jahr fehlerhaft und daher kaum lesbar ist. Diese Münze könnte gut 240 Euro wert sein. Noch etwas mehr – bis zu 290 Euro – gibt es vielleicht für eine deutsche 10-Cent-Münze aus dem Jahr 2002. <BR /><BR />So gut wie keinen Sammlerwert haben dagegen <b>20-Cent-Münzen</b> – obwohl die Prägeanstalt in Rom im Jahr 2002 einen horrenden Fehler machte und fast 1,2 Millionen Münzen mit dem falschen Datum 1999 auslieferte. Die „falschen Zwanziger“ wurden sofort wieder eingezogen und vernichtet. Trotzdem geht unter Münzsammlern das Gerücht um, dass etliche Stücke durchrutschten... Offiziell darf diese Fehlprägung aber nicht im Umlauf sein. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="802865_image" /></div> <BR />Hatten Sie schon einmal eine <b>50-Cent-Münze</b> aus dem Jahr 2007 in der Hand? Das ist sehr unwahrscheinlich bis ausgeschlossen! Und das, obwohl in diesem Jahr fast 5 Millionen Stück geprägt wurden. Aber sie sind irgendwie weg und äußerst schwierig aufzutreiben. So richtig erklären kann dieses Phänomen niemand. Unter anderem wird vermutet,dass weit weniger Münzen hergestellt wurden als offiziell angegeben, andere wiederum glauben daran, dass sie noch nicht alle im Umlauf sind. <BR /><BR />Wie dem auch sei: Sammler legen für das seltene Stück bis zu 10 Euro hin. Um einiges wertvoller sind 50-Cent-Münzen aus dem Fürstentum Monaco, die bis zu 50 Euro einbringen (Prägungen aus den Jahren 2002 und 2003 sind dagegen keine Sammlerstücke!). <BR /><BR />Auch einige Sondermünzen aus dem Vatikanstaat haben einen deutlich höheren Wert als auf dem Geldstück angegeben. Dazu gehören u.a. die 50-Cent-Stücke mit dem Relief von Papst Johannes Paul II. (2002; ca. 50 Euro), zur Sedisvakanz nach dem Tod des Papstes (2005; ca. 15 Euro), ebenso die Münzen, die seinen Nachfolgern Benedikt XVI. und Papst Franziskus gewidmet sind. Auch der „Fünfziger“ des Jahres 2007 aus Portugal bringt in etwa 50 Euro ein. <BR /><BR />Alle Rekorde bricht dagegen eine italienische <b>1-Euro-Münze</b>, für die ein Sammler auf der Versteigerungsplattform Ebay angeblich 40.000 Euro hinblätterte (bestätigt ist das nicht). Den immensen Wert verdankt das gute Stück gleich mehreren horrenden Fehlern, die sogar für den Laien schnell zu erkennen sind: Es fehlen das „R“ für die Prägeanstalt in Rom und die Jahrzahl, auch der Rand der Münze ist anders gestaltet. Es ist allerdings sehr unwahrscheinlich, dass noch einige Exemplare im Umlauf sind – wer eine entdecken sollte, hat freilich sein Geld gemacht.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="802868_image" /></div> <BR />Bei den <b>2-Euro-Münzen</b> sind meist jene wertvoller, die zu besonderen Anlässen und in geringer Stückzahl ausgegeben wurden. Italien spielt in dieser Liga nicht mit, hier punkten vor allem Kleinstaaten wie Andorra, der Vatikan, Zypern, Litauen, Monaco, Malta und San Marino. <BR /><BR />Glanzstücke kommen aus Monaco, wo die Münze im Gedenken an Prinzessin Grace aus dem Jahr 2007 ungefähr 1000 Euro und jene mit dem Porträt von Fürst Albert aus dem Jahr 2006 gut 300 Euro einbringt; die Münze mit der Darstellung der Felsenfestung (2015) kommt auf etwa 950 Euro, das Geldstück in Erinnerung an Monte Carlo (2016) ist etwa 300 Euro wert. Sehr gefragt sind Münze des Jahres 2017 aus Finnland (30 Euro), Lettland (2016; 40 Euro) und Portugal (2007; 200 Euro).<BR /><BR />In dieser Preisklasse sind auch mehrere Gedenkmünzen aus dem Vatikan unterwegs, darunter jene zum Weltjugendtag 2005, für die Schweizer Garde (2006), zum Jubiläum der Staatsgründung (2004) und zur Sedisvakanz im Jahr 2005. <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />