Freitag, 05. Oktober 2018

„Wichtiger als warmes Wasser“

Die Energiegenossenschaft Villnöß versorgt das Tal mit sauberer Energie und schnellem Internet. Obmann Josef Fischnaller über die Erfolgsgeschichte der Genossenschaft.

Josef Fischnaller, Obmann der Energiegenossenschaft Villnöß
Josef Fischnaller, Obmann der Energiegenossenschaft Villnöß

Warum wurde vor fast 100 Jahren die Energiegenossenschaft Villnöß gegründet?
In Villnöß waren bereits vor 100 Jahren drei kleine private Energiewerke in Betrieb. Diese hatten Vorbildwirkung für die Bauern und Handwerker im Tal, die dann 1921 das erste Kleinkraftwerk in St. Magdalena gebaut haben.

Wie hat sich die Genossenschaft seither entwickelt?
Es ist sicher eine Erfolgsgeschichte, wie sie auch viele andere Genossenschaften in Südtirol geschrieben haben. Wir konnten in den letzten Jahrzehnten ein weiteres Energiekraftwerk in St. Peter und wenig
später in Meleins realisieren und außerdem zwei Fernheizwerke wiederum in St. Peter und in St. Magdalena in Betrieb nehmen.
Dabei konnten wir auch auf die Unterstützung des Landes zurückgreifen. Eine der größten Errungenschaften der Genossenschaft war die Verlegung von Glasfaserkabeln vom Talanfang bis auf die Schlüterhütte. Damit versorgen wir das Tal mit schnellem Internet. Das ist heute ja für viele wichtiger als warmes Wasser.

Die Energiegenossenschaft versorgt ihre Mitglieder mit sauberer Energie. Was bedeutet das?
Saubere Energie bedeutet Strom aus Wasserkraft und Wärme aus Biomasse. Bei uns kommt für die Energieerzeugung das Holz aus der unmittelbaren Nähe zum Einsatz.
Dafür haben wir einen Vertrag mit der Domänenverwaltung des Landes abgeschlossen, damit wir den Wald in unserem Tal, der in Landesbesitz ist, für unsere Fernheizwerke nutzen können. Früher wurde dieses Holz ins Eggental transportiert, dort aufgearbeitet und weiterverteilt. Heute wird es vor Ort verwertet, sodass lange Transportwege entfallen. Das ist auch im Sinne des Umweltschutzes wichtig.

Wie bindet die Energiegenossenschaft ihre Mitglieder konkret ein?
Wir haben derzeit rund 600 Mitglieder, von Einzelpersonen bis hin zu Unternehmen, die sich im Rahmen ihrer Interessen und Möglichkeiten in die Genossenschaft einbringen.
Unser selbst produzierter Strom steht den Mitgliedern zu einem sehr günstigen Preis zur Verfügung. Aber auch den Fernwärmepreis können wir an unsere Mitglieder günstig weitergeben.

Friedrich Wilhelm Raiffeisens Motto „Was der Einzelne nicht schafft, vermögen viele“ prägt weltweit das Genossenschaftswesen. Was können wir von Raiffeisen heute noch lernen?
Das Motto sagt alles. Nur gemeinsam kann man etwas erreichen. Auch die Gründerväter unserer Genossenschaft haben sich zusammengetan, sind ein Risiko eingegangen, haben Haus und Hof aufs Spiel gesetzt. Aber sie haben etwas auf den Weg gebracht, das man wirklich als nachhaltig bezeichnen kann.
Mit diesem Motto haben viele kleine Genossenschaften auch in Südtirol sehr viel erreicht. Allerdings nimmt der Druck auf die Genossenschaften zu. Wir müssen uns immer öfter mit sehr viel Bürokratie und anderen gesetzlichen Hindernissen herumschlagen.
Der Raiffeisenverband und auch der Südtiroler Energieverband sind uns zwar eine große Stütze, aber es wäre wünschenswert, dass die kleinen Genossenschaften in Zukunft wieder etwas entlastet werden.

stol