Donnerstag, 23. April 2015

Wie Europa weitere Katastrophen verhindern will

Die jüngsten Flüchtlingskatastrophen im Mittelmeer haben die Europäische Union in Erklärungsnot gebracht. Kann der Friedensnobelpreisträger des Jahres 2012 weitere Tragödien mit Hunderten von Toten verhindern?

Foto: © LaPresse

Bei einem Krisengipfel der Staats- und Regierungschefs soll an diesem Donnerstag ein umfangreiches Aktionspaket auf den Weg gebracht werden. Vor- und Nachteile einzelner Maßnahmen im Überblick:

Ausweitung der Seenotrettung im Mittelmeer

Pro: Mit mehr Geld und mehr Schiffen könnten vermutlich deutlich mehr in Seenot geratene Bootsflüchtlinge gerettet werden.

Kontra: Ein vollständige Absicherung der Seewege nach Europa ist so gut wie unmöglich. Kritiker sind darüber hinaus der Ansicht, dass eine Ausweitung der Seenotrettung nur noch mehr Flüchtlinge anlocken würde.

Kampf gegen Schleuserbanden

Pro: Ohne die professionelle Unterstützung von Schleuserbanden würde vermutlich wesentlicher weniger Menschen die Flucht nach Europa gelingen.

Kontra: An der Zahl der Menschen, die nach Europa auswandern wollen, ändert sich nichts. Vermutlich würden viele Migranten versuchen, auf eigene Faust einen Weg nach Europa zu finden – zum Beispiel über die spanische Nordafrika-Exklave Melilla oder indem sie sich selbst eine Überfahrtmöglichkeit suchen.

Gezielte Zerstörung der von Schleppern genutzten Schiffe

Pro: Die Zahl der Bootsflüchtlinge würde sinken und damit auch das Unglücksrisiko.

Kontra: An der Zahl der Menschen, die nach Europa auswandern wollen, ändert sich auch durch diese Maßnahme nichts. Militäreinsätze gegen Schlepperbanden gelten zudem als heikel. Werden voll besetzte Schiffe aufgebracht, droht das Leben der Flüchtlinge in Gefahr zu geraten.

Bekämpfung der Ursachen von Migration

Pro: Armut, Hunger, Unterdrückung, Bürgerkrieg – niemand verlässt grundlos seine Heimat. Der Kampf gegen menschenunwürdige Lebensverhältnisse gilt deswegen als das beste Rezept für eine Lösung der Flüchtlingsprobleme.

Kontra: Gegen eine Bekämpfung der Ursachen von Migration spricht nichts. Entwicklungshilfe gibt es allerdings seit Jahrzehnten und bislang hat sie nicht die erwünschten Erfolge gebracht. Wer keine falschen Hoffnungen wecken will, dämpft deswegen die Erwartungen.

dpa

stol