„War das wirklich richtig?“ Und ehe wir uns versehen, beginnen wir, unseren Entschluss wieder infrage zu stellen.<BR /><BR /><b>Von Doris Ebner</b><BR /><BR />Eine gefühlte Ewigkeit lang haben wir uns nichts sehnlicher gewünscht als Klarheit. Zu wissen, was Sache ist und in welche Richtung es gehen soll. Und jetzt, da sie endlich da ist, beginnen wir zu zweifeln. Eigentlich absurd – und im selben Moment zutiefst menschlich. Denn eine Entscheidung beendet zwar das Abwägen, nicht aber automatisch die Unsicherheit. <BR /><BR />Im Gegenteil: Sobald wir uns festgelegt haben, werden die Konsequenzen sichtbar. Vielleicht ist der neue Weg anstrengender als gedacht, vielleicht vermissen wir etwas, das wir zurückgelassen haben. Oder das erwartete Hochgefühl bleibt aus und macht stattdessen Platz für eine ganz bestimmte Frage: Was wäre gewesen, wenn alles anders gelaufen wäre?<BR /><BR />Unser Gehirn liebt derartige Gedankenspiele, geben sie uns doch die Möglichkeit, eine Situation auch im Nachhinein bis zu einem gewissen Punkt zu kontrollieren. Glauben wir zumindest. Die Wahrheit jedoch sieht weit ernüchternder aus: Wenn wir uns einmal für einen Weg entschieden haben, werden wir nie erfahren, was hinter der anderen Tür gewartet hätte. <BR /><BR />Wir können uns mögliche Szenarien ausmalen, Spekulationen anstellen und aus einem Wunsch heraus motivierte Halbschlüsse ziehen. Doch mit der Wirklichkeit haben diese erstaunlich wenig zu tun. Sobald wir uns damit beschäftigen, sind wir nämlich schon lange nicht mehr auf dem Stand, auf dem wir waren, als die Entscheidung getroffen wurde.<BR /><BR /> In der Zwischenzeit haben wir uns weiterentwickelt, Informationen gesammelt und Dinge erfahren, die wir vorher gar nicht wissen konnten. Auch bedingt durch unser Handeln sehen wir die Welt mittlerweile etwas anders. Ein Vergleich der aktuellen mit der Situation von damals wäre also vermessen. <BR />Genauso wenig ist es daher sinnvoll, den gefassten Beschluss aus der neu gewonnenen Perspektive zu verurteilen. Dass wir jetzt möglicherweise tatsächlich anders wählen würden, bedeutet nicht automatisch, dass die damalige Entscheidung falsch war. Sie war schlicht und einfach das Ergebnis unseres Wissens, unserer Erfahrungen und unserer Möglichkeiten, die wir zu diesem Zeitpunkt hatten.<BR /><BR /> Und sie hat uns Erkenntnisse geliefert, die wir sonst so nie erlangt hätten – selbst dann, wenn sie sich im Nachhinein als Fehler entpuppt. Eine falsche Abzweigung ist nämlich in den allerwenigsten Fällen ein komplettes Desaster. Vielmehr bringt auch sie uns an neue Orte oder zeigt uns in aller Deutlichkeit, was wir künftig nicht mehr möchten. Manche Wege können uns aber auch dazu zwingen, erneut zu entscheiden. <BR /><BR />Fakt ist: Ein Beschluss ist nur selten ein unumkehrbares Urteil über unser gesamtes Leben. Wir dürfen nachjustieren, korrigieren oder wieder umkehren. Das Allerwichtigste ist und bleibt jedoch: Wir müssen Verantwortung übernehmen, denn nur dann bleiben wir handlungsfähig. Und am Ende ist das wohl die größte Freiheit. <h3> Zur Person</h3><div class="img-embed"><embed id="1172901_image" /></div> <BR />Doris Ebner ist diplomierte Neuromentaltrainerin. Im Rahmen ihrer Ausbildung hat sie ihre Faszination für die Gehirnforschung und die Kraft der Gedanken entdeckt und erfahren, welche Möglichkeiten darin verborgen liegen. Ihre besondere Begeisterung gilt dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, weshalb sie mit Leidenschaft ihr Wissen an andere Menschen weitergibt und sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben unterstützt. Zudem hat Doris Ebner Germanistik und Musik studiert und arbeitet als Redakteurin.