Sonntag, 04. März 2018

Wie verhalte ich mich im Falle eines Unfalles auf der Piste?

Jedem Wintersportler kann es passieren, ganz plötzlich als Unbeteiligter an den Schauplatz eines Unfalls auf der Piste zu gelangen. Doch vielen ist nicht klar, wie sie in solch einem Ernstfall richtig handeln.

Wenige Sekundenbruchteile, und schon ist's passiert: Ersthelfer an einem Unfallort auf der Piste sollten sich an exakte Verhaltensrichtlinien halten.
Wenige Sekundenbruchteile, und schon ist's passiert: Ersthelfer an einem Unfallort auf der Piste sollten sich an exakte Verhaltensrichtlinien halten.

„Zett“: Herr Zorzi, nach 30 Jahren als Flugretter und  zahllosen Stunden als Ausbilder der Südtiroler Skilehrer: Worauf soll ein Skifahrer, der zu einem Unfall kommt, Ihrer  Erfahrung nach  achten?

Oskar Zorzi (im Bild): Zuerst möchte ich betonen, dass jeder Bürger verpflichtet ist, bei einem Unfall Erste Hilfe zu leisten, unabhängig davon, wo der Unfall passiert ist. In jedem Fall ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und folgende Regeln zu beachten:

  • Sich umsehen:  besteht weitere Gefahr, sind  der Verunfallte und ich an  einem gefährlichen Ort (z.B.  unter einem Hügel,  in einer  Engstelle oder an  einer unübersichtliche Stelle)?
  • Bin ich in der Lage, dem Verunfallten zu helfen und ihn  vom Unfallort zu entfernen (immer unter der Voraussetzung, dass es die Verletzungsart zulässt)?
  • Den Unfallort absichern mit Skiern, die ein Kreuz bilden (mit den Kanten talseitig). Diese Kreuze müssen mindestens zehn Meter oberhalb des Verletzten  gut ersichtlich aufgestellt werden.
  • Den Verletzten fragen: Was ist wie passiert? Wo hat er Schmerzen?
  • Den Verletzten in eine für seine Verletzungsart ideale Position (Lagerung) bringen.
  • Die Rettung rufen (neue europäische Notfallnummer 112!)
  • Befinde ich  mich in der Nähe einer Lift-Station? Wenn ja, dann schicke ich einen Wintersportler mit allen wichtigen Informationen zur nächsten  Lift-Station.

Seit Oktober gilt auch in Südtirol die europäische Notrufnummer 112. Ist diese Neuerung bei den Wintersportlern bereits angekommen?

Wir waren in der heurigen Saison bereits in einigen  Skigebieten mit der Sicherheitskampagne zu Gast. Für die Wintersportler aus anderen Nationen ist die 112 die logische Notfallnummer, die einheimischen Sportler müssen sich noch an die neue Nummer gewöhnen. Diese bringt, nicht nur auf den Skipisten, einige Vorteile mit sich.  Die Beschilderung  zur Notfallnummer  wurde jedenfalls in allen Skigebieten  bereits aktualisiert.

Welche  wichtigen Informationen soll der Anrufer bei der Unfallmeldung weitergeben?

Auch in diesem Fall gelten die allgemeinen Regeln der Notfallmeldung – die fünf „W“-Fragen:

• Wo ist der Unfall passiert? Skigebiet, Name der Piste, Abschnitt, Besonderheiten wie Waldwege, Varianten u. Ä.
• Was ist passiert? Unfallart, z.B. Sturz, Zusammenstoß…
• Wie viele Verletzte? 
• Welche Art von Verletzungen? Einfache Beschreibung der Verletzungsmuster.
• Wer ruft an?

Wenn der Einsatz eines Rettungshubschraubers notwendig ist, wird noch das Wetter vor Ort benötigt. Jeder Ersthelfer kann bei Unsicherheiten auch die Bediensteten (Krankenpfleger und Notarzt) des Landesnotrufdienstes um Rat fragen. Wichtig ist, für eventuelle Rückrufe erreichbar zu bleiben. Zudem: Inzwischen den Verunfallten beruhigen und vor weiterem Auskühlen schützen (mit Bekleidung, trockenen Handschuhen und im Idealfall  mit einer  Isofolie). Der Ski-Helm muss nicht entfernt werden. Die Skischuhe niemals entfernen, höchstens die Schnallen öffnen (nur auf Verlangen des Verletzten). Beim Verletzten bleiben und abwarten, bis die Rettungskräfte eintreffen.

„Ich habe Spaß, ganz sicher!“ - die Termine:

11.03.18 Gitschberg-Jochtal (Vals)
18.03.18 Schnals
Infos: www.snowsport.it

stol