In der ukrainischen Hauptstadt kommt es wieder zu schweren Ausschreitungen zwischen radikalen Regierungsgegnern und der Polizei. Die Konfliktparteien hatten erst am Mittwochabend einen Gewaltverzicht vereinbart.Radikale Demonstranten drangen am Donnerstag ins Regierungsviertel vor und vertrieben die Sicherheitskräfte, wie örtliche Medien berichteten. Das Kabinettsgebäude sowie das Parlament seien von den Sicherheitskräften überstürzt geräumt worden. Die für Donnerstag und Freitag geplanten Parlamentssitzungen wurden abgesagt.In Kiew trafen sich die Außenminister von Deutschland, Polen und Frankreich mit Oppositionsführern.Klitschko sieht Polizei in der SchuldDer Oppositionspolitiker Vitali Klitschko machte die Polizei für den Bruch des vereinbarten Gewaltstopps verantwortlich.„Wir sehen die Situation außer Kontrolle“, sagte Klitschko am Donnerstagmorgen nach einem Treffen mit den westlichen Außenministern, darunter auch dem deutschen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier.Gemeinsam mit zwei anderen Oppositionspolitikern hatte Klitschko sich erst am Vorabend mit Präsident Viktor Janukowitsch auf eine „Waffenruhe“ geeinigt.Die radiale Oppositionsgruppierung Rechter Sektor teilte aber mit, die Abmachung zum Gewaltverzicht nicht anzuerkennen.Wieder Tote?Regierungsgegner und Behörden warfen sich am Donnerstagmorgen gegenseitig vor, wieder gezielt aufeinander zu schießen. Dabei seien am Donnerstag mindestens 23 Einsatzkräfte verletzt worden, teilte das Innenministerium mit.Der Internetsender espreso.tv berichtete, zwei Demonstranten seien am Morgen getötet worden.Radikale Kräfte auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) nahmen nach eigenen Angaben einen Scharfschützen der Polizei gefangen. Protestierer stürmten den Oktoberpalast, ein Kulturzentrum.Über dem Maidan standen wieder schwarze Rauchsäulen von brennenden Reifenbergen. Sirenen von Dutzenden Krankenwagen heulten. Unbestätigten Berichten zufolge liefen Dutzende Mitglieder der Einheiten des Innenministeriums zu den Regierungsgegnern über.dpa