Dienstag, 23. Februar 2016

Wikileaks: Auch Berlusconi wurde belauscht

Das Ausmaß des US-Lauschangriffs auf europäische Regierungen ist Medienberichten zufolge noch größer als gedacht. Wie die römische Tageszeitung „La Repubblica“ am Dienstag unter Berufung auf neue Dokumente der Enthüllungsplattform Wikileaks meldete, war auch die Regierung des bis November 2011 in Italien amtierenden Silvio Berlusconi von den Lauschangriffen betroffen.

Auch Silvio Berlusconi wurde ein Opfer der Lauschangriffe der NSA.
Auch Silvio Berlusconi wurde ein Opfer der Lauschangriffe der NSA. - Foto: © LaPresse

Laut Wikileaks wurden nicht nur Telefone Berlusconis, sondern auch jene seines Beraters Valentino Valentini und des Experten für die nationale Sicherheit, Bruno Archi, belauscht. Unter anderem sollen Gespräche zwischen Berlusconi und dem israelischen Premier Benjamin Netanyahu aufgezeichnet worden sein. Die Aufnahmen seien auf den US-Geheimdienst NSA zurückzuführen.

Die Enthüllungen sorgten in Italien für Eklat. Berlusconis rechtskonservative Partei Forza Italia rief Premier Matteo Renzi auf, Erklärungen von den USA zu verlangen und eine Untersuchungskommission zum Fall einzurichten.

Laut der Forza Italia könnten die USA einen Komplott gegen Berlusconi geschmiedet haben, was den damaligen Premier im Herbst 2011 am Höhepunkt der Euro-Krise zum Rücktritt gezwungen hatte.

Die Forza Italia bezieht sich unter anderem auf Auszüge aus dem Essay des früheren US-Finanzministers Timothy Geithner „Stresstest“.

Darin erzählt Geithner, dass einige EU-Funktionäre auf dem Höhepunkt einer dramatischen Wirtschaftskrise, die den Euro an den Rand des Abgrunds geführt hatte, zu ihm Kontakt aufgenommen und ihm einen Plan zum Sturz der Regierung Berlusconi vorgeschlagen hatten.

Geithner erzählte, er habe den Vorschlag abgelehnt und dagegen einen Pakt mit EZB-Präsident Mario Draghi zur Rettung des Euro und der globalen Wirtschaft abgeschlossen. Berlusconi sei jedoch trotzdem zum Rücktritt gezwungen worden.

apa

stol