Mit knapp 4 Hektar Äpfel- und Weingütern in schönster Überetscher Lage ist Wolfgang Resch immer ziemlich ausgelastet, ganz speziell im Herbst bei der Ernte. Den landwirtschaftlichen Betrieb hat er nach seiner Rückkehr von Zürich nach St. Pauls vom Vater übernommen, zugleich ein eigenes Wohnheim für sich und seine Familie verwirklicht.<BR /><BR /> Dort lebt er seit mittlerweile 8 Jahren zusammen mit seiner Frau Sarah Siller, ihres Zeichens Juristin, und dem Nachwuchs namens Johannes, Matthäus und Theresa. Im Vereinsleben des Dorfes St. Pauls bringt sich der 41-Jährige beim örtlichen Fußballverein ein, seit 2016 in der Funktion des Präsidenten. Bauer, F<BR /><BR />amilienleben, Verein – so weit alles normal und ziemlich typisch. Wäre da nicht diese außergewöhnliche Tätigkeit für den europäischen Fußballverband UEFA, dieser Aufgabe geht Wolfgang Resch mit akribischer Genauigkeit und großer Hingabe nach.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="974536_image" /></div> <BR /><BR />Als Medienbeauftragter der UEFA, präziser „Venue Media Manager“, war er am vergangenen Mittwoch im über 81.000 Plätze umfassenden Signal Iduna Park in Dortmund tätig, wobei er nur am Rande das Spitzenspiel der Gruppe zwischen Dortmund und dem französischen Serienmeister Paris Saint Germain mitverfolgte. Vielmehr galt sein Hauptaugenmerk der punktgenauen Abwicklung der vielen Interviews für die akkreditierten Fernsehstationen. <h3> Eine lange Aufgabenliste</h3>„Während des Spiels ist die ruhigste Phase für mich, danach geht es darum, zwischen Zeitdruck und Emotionen Reporter und Spieler oder Trainer zusammenzubringen. Die Arbeit fürs Spiel beginnt für mich aber schon mehrere Tage vorher“, skizziert der UEFA-Mitarbeiter seinen Job. Bereitwillig zeigt er eine umfangreiche Aufgabenliste, sie umfasst Dutzende Punkte und reicht von der Bearbeitung von Medienanfragen über die Abstimmung mit den Vereinen (etwa Pressekonferenzen, Vorbereitungen für das Spiel) bis hin zu den vertraglich festgesetzten Punkten auf der weltgrößten Bühne im Clubfußball. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="974539_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Im Gespann mit 3 weiteren UEFA-Mitarbeitern bildet Wolfgang Resch bei Spielen der Champions League gewissermaßen das Scharnier in punkto Kommunikation zwischen den TV-Stationen und den beteiligten Vereinen. „Wenn Sky Austria nach Spielende gerne mit Marcel Sabitzer ein Interview führen möchte oder Canal+ mit dem französischen Ausnahmespieler Kylian Mbappé, dann bin ich gefragt und muss das managen“, beschreibt er eine seiner Hauptaufgaben an einem aktuellen Beispiel. <BR /><BR />Am Mittwoch in Dortmund war das Interesse riesig für das finale Gruppenspiel: Insgesamt waren nach dem Spiel 14 TV-Stationen mit Interviews zu bedienen; natürlich aus Frankreich und Deutschland, aber auch Brasilien, Mexiko, Italien, Österreich und der Nahe Osten waren vertreten. <h3> Von YB Bern bis Inter Mailand</h3>In der Regel fliegt Wolfgang Resch 2 Tage vor dem Spiel in die Stadt des gastgebenden Vereins und am Tag danach wieder zurück nach Bozen. Seit 2018 geht er dieser freiberuflichen Tätigkeit für die UEFA nach, bisher wurde er Schalke 04, Salzburg, LASK Linz, Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen, YB Bern und heuer wieder Borussia Dortmund zugewiesen, für ein Spiel betreute er zudem Inter Mailand.<BR /><BR /> Es muss nicht zwangsläufig immer Champions League sein, sondern es kann auch mal Spiele der UEFA Europa League oder der UEFA Conference League treffen. Unterm Strich beschäftigt die UEFA für diese internationalen Clubbewerbe rund derartige 40 „Venue Media Manager“, praktischerweise ist Wolfgang Resch dem geografischen Raum Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien zugewiesen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="974542_image" /></div> <BR /><BR />Wie kommt man bloß zu so einem Job, dürften sich viele Fußballbegeisterte fragen. Die Antwort liegt gewissermaßen im erstaunlichen Curriculum des Paulsners, denn schließlich war er schon von 2007 bis 2008 für die Fußball-EM tätig und arbeitete danach 7 Jahre lang für den Weltfußballverband FIFA – hauptberuflich. <h3> Sportreporter der „Dolomiten“</h3>Damals betreute er im Medien- und Kommunikationsbereich weltweit Turniere, so etwa die Weltmeisterschaften in Südafrika und Brasilien oder zahlreiche kleinere Turniere auf globaler Ebene wie Klub-WM oder U-20-WM. <BR /><BR />Erstmals richtig Bekanntschaft mit der Welt der internationalen Sport-Events hatte er bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin gemacht, danach folgten weitere Stationen bei Großveranstaltungen wie bei den Asienspielen in Doha 2006. „Man lernt sehr viele Menschen und andere Kulturen kennen, aber letztlich war der Ruf der Heimat stärker als alles andere“, erklärt der ehemalige Weltbummler, der seine ersten beruflichen Erfahrungen als Sportreporter bei den „Dolomiten“ machte und überdies viele Jahre den Skiweltcup in Gröden betreute, seine Entscheidung, im Jahre 2015 den Job bei der FIFA zu quittieren. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="974545_image" /></div> <BR /><BR />Den Eingang zum Weinkeller seines Hauses, wie er in einem Überetscher Hof nicht fehlen darf, hat Wolfgang Resch mit Erinnerungstafeln und einer Vitrine geschmückt. Dort finden sich Schnappschüsse von besonderen Momenten, Akkreditierungen, Pokale, Maskottchen, Leibchen, Souvenirs und natürlich signierte Fußbälle. Cristiano Ronaldo, Lionel Messi, Sepp Blatter und Franz Beckenbauer ist Resch unter anderem begegnet, ebenso zu sehen sind Eindrücke aus exotischen Ländern oder Aufnahmen von ehemaligen Weggefährten. <BR /><BR />Kein Wunder, dass er sich im Laufe der Jahre mehrere Sprachen angeeignet hat, denn neben Deutsch, Italienisch und Englisch kann sich der 41-Jährige auch in Französisch und Spanisch verständigen. <h3> Comeback nach schwerem Unfall</h3>Ein vom ehemaligen FIFA-Präsidenten Sepp Blatter signiertes Schreiben vom Januar 2010 hält Wolfgang Resch besonders hoch in Ehren. „Nach einem schweren Skiunfall in der Schweiz lag ich mehrere Tage im Koma, es war ein kleines Wunder, wie ich das alles überstanden habe. Sepp Blatter hat sich persönlich um mein Befinden erkundigt und mir dann diese aufbauenden Zeilen zukommen lassen“, verweist er auf einen Brief in der Vitrine und blickt so auf die schwerste Lebensphase zurück.<BR /><BR /> „Dass die FIFA an mich geglaubt und an mir festgehalten hat, war eine riesige Motivation für die Therapie. Auf den Tag genau 4 Monate nach dem Unfall stieg ich ins Flugzeug zur WM nach Südafrika“, erinnert sich Resch, der trotz des langen Ausfalls sogar im Finale in der Medienbetreuung eingesetzt wurde.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="974548_image" /></div> <BR /><BR />Als Herzensclub neben dem FC St. Pauls bezeichnet er den FC Liverpool. „Ich bin ein Fan der ehemaligen Liverpool-Vereinsikone Bill Shankly, einem Fußballverrückten, der durch sein Engagement im Verein die Leute glücklich machen wollte“, sagt Wolfgang Resch. Nicht umsonst wurde Shankly eine lebensgroße Skulptur vor der Liverpool-Heimstätte an der Anfield Road, wo die Zuschauer regelmäßig mit aller Inbrunst die Vereinshymne „You’ll Never Walk Alone“ anstimmen. Gänsehaut pur für alle Fußballfans. <BR /><BR />Ein klein bisschen Fußballverrücktheit à la Shankly versprüht freilich auch Wolfgang Resch, der als Vereinspräsident des FC St. Pauls bereits eine Reihe von Akzenten setzte. <BR /><BR />Würde er nicht all die besonderen Momente aufbewahrt haben und für einmal über seine aktuelle Tätigkeit für die UEFA erzählen, so würde man dieses kuriose „Doppelleben“ angesichts seiner Unaufgeregtheit und seiner Bodenständigkeit kaum für möglich halten. Es sind wohl exakt derartige Eigenschaften, die sie auch bei der UEFA zu schätzen wissen.<BR />