Montag, 12. Dezember 2016

Wortlos aber ausdrucksstark ins Neue Jahr

Die Familie Flöz, international bekannt durch Ihre Theaterstücke mit Masken und ohne Worte, wird am Silvesterabend im Bozner Waltherhaus ihr Erfolgsstück „Hotel Paradiso“ zeigen.

Die Darsteller des Stückes sprechen kein Wort und verziehen keine Miene – nur Geräusche werden erzeugt. Trotzdem werden die Zuschauer in eine Geschichte hineingezogen, die berührt: mit Komik, mit Tragik, mit wortloser Poesie. „Am Ende könnte man schwören, die Darsteller hätten gesprochen, gelacht und geweint“, heißt es in einer Kritik der „Süddeutschen Zeitung“ zum Stück „Hotel Paradiso“.

Bizarres geschieht im traditionsreichen "Hotel Paradiso", dem kleinen, von der Seniorchefin mühsam zusammengehaltenen Familienbetrieb in den Bergen. Eine Heilquelle verspricht Linderung seelischer und körperlicher Nöte und über der Eingangstür glänzen vier Sterne. Doch das Hotel hat seine besten Zeiten zweifellos hinter sich. Die Inhaberfamilie trauert diesen Zeiten ebenso hinterher wie dem Patriarchen, der aus einem Bilderrahmen auf seine Erben herabblickt und auch schon mal des Nachts durch die Hotelhalle spukt. Der Sohn des Hauses träumt von der großen Liebe, während er sich mit seiner Schwester einen erbitterten Kampf um die Führung des Hotels liefert. Das Dienstmädchen versucht verzweifelt das Herz des Sohnes des Hauses zu stehlen, doch das Einzige, was ihr zu stehlen gelingt, sind die Sachen der Gäste. Der Koch arbeitet am liebsten mit seiner Säge, welche er jedoch nicht nur für Schweinehälften verwendet und als der erste Tote auftaucht, geraten alle, Personal und Gäste, in einen Strudel bitterböser Ereignisse. Zwischen schwindelerregenden Höhenzügen öffnen sich dunkle, bodenlose Abgründe, denen niemand entkommt. Der Niedergang des Hotels scheint besiegelt, denn Leichen sind in jedem Fall schlecht fürs Geschäft. Dieses Stück voll von schwarzem Humor, stürmischen Gefühlen und einem Hauch Melancholie bringt die Zuschauer nicht nur zum Lachen, sondern auch zum Staunen. Es ist kaum zu glauben, welche Persönlichkeit jede der starren Masken hervorbringt.

Die Familie Flöz ist ein Ensemble, das aus den verschiedenen Fachbereichen der Folkwang-Hochschule Essen hervorgegangen ist. Mittlerweile verfügt das Ensemble über einen internationalen Pool von Theaterschaffenden aus zehn Nationen. Die Mitglieder um das Kernteam rund um Hajo Schüler und Michael Vogel wechseln ständig und werden für jedes Projekt neu zusammengestellt. Da es keine feste Truppe gibt, muss sich jedes Ensemble nicht nur das Stück, sondern auch seine Arbeitsmethode im Laufe des Probenprozesses selbst entwickeln. Der Prozess von der Entwicklung einer Maske, über die spielerische Erprobung, bis hin zur Symbiose Spieler/Maske ist im wahrsten Sinne maßgebend für das Resultat. Der maskierte Schauspieler „schreibt“ die Szene gewissermaßen mit seinem Körper in die Luft. Wirklich stumm scheinen die Darsteller nicht: Ihre Äußerungen sind zwar nicht für die Ohren, durchaus aber für die Augen wahrnehmbar und so wird ein Theaterabend, an dem kein einziges Wort gesprochen wird zu einem überaus sinnlichen Erlebnis. 

Termin: 31.12.2016, 20 Uhr, Bozen, Waltherhaus

Karten: in allen Athesia Buchhandlungen, online unter ticketone.it oder im Südtiroler Kulturinstitut. Infos unter 0471 313800, im Internet: www.kulturinstitut.org

Unterstützt wird das Gastspiel von der Südtiroler Landesregierung, Abteilung Deutsche Kultur.

stol