Warum ist Politik immer noch weitgehend Männersache? Was steht Frauen, die sich politisch engagieren wollen, im Weg? Dieser Frage gehen die Public Management – Experten von Eurac Research schon seit Jahren nach. Weil sie dabei fehlende Netzwerke zwischen Frauen als ein entscheidendes Hindernis ausmachten, riefen sie eine Veranstaltungsreihe ins Leben, die solche Frauennetzwerke stärken und den Austausch fördern soll. Am 8. Juni waren Oktavia Brugger, ehemalige Rom-Korrespondentin und Kandidatin für das Europa-Parlament, und Maria Pernegger, Politik- und Medienanalytikerin der Agentur Media Affairs aus Österreich zu einem Gespräch geladen. „Ich glaube nicht, dass es unbedingt die besten Köpfe sind, die in den wichtigsten Positionen sind. Da ist ganz viel Netzwerk dahinter. […] Es gibt sehr viele Frauen, die die Kompetenz haben, denen es aber ein bisschen an Förderung fehlt.“ Wenn Maria Pernegger solche Aussagen trifft, dann auf der Basis eingehender Analyse: In mehreren Studien hat sie gesellschaftliche Rollenklischees, politische Strukturen und mediale Mechanismen offengelegt, die dazu beitragen, dass Frauen in der Politik – aber auch in anderen Positionen mit Macht und Einfluss – immer noch stark unterrepräsentiert sind.Oktavia Bruggers Perspektive dagegen ist die der Praxis: Als langjährige Korrespondentin in Rom hatte sie tiefen Einblick in die politischen Gepflogenheiten Italiens – auch in die der Ära Berlusconi, der die Ministerinnen seiner Regierung gern „meine Mädels“ nannte. Und als Brugger dann 2014 für das Europaparlament kandidierte, erlebte sie am eigenen Leib, welche mediale Behandlung politisch engagierte Frauen manchmal erfahren.Die Veranstaltungsreihe nennt sich "Frauen in Führungspositionen" und wird von Eurac Research und der Frauenorganisation des KVW ausgerichtet. Nächster Termin ist der 6. September 2017. Dann geht es gemäß dem Schwerpunktthema "Frauen, Politik, Medien" um Angela Merkel und Martin Schulz. Wer hat das Fernsehduell besser gemeistert und mehr Chancen, als Kanzler die Politik der Bundesrepublik Deutschland für die nächsten vier Jahre zu gestalten? Frau und Mann dürfen gespannt sein und sind wiederum herzlich eingeladen, an die Eurac Research nach Bozen zu kommen.Josef Bernhart, Eurac Research Bozen