Seinem Curriculum zufolge müsste Zeno Oberkofler eigentlich auf die 40 oder 50 zugehen. Tatsächlich wird der groß gewachsene Bozner am 21. Dezember aber gerade mal 25. Er schafft es, einer Vielzahl von Ausbildungen und gesellschaftspolitischen Einsätzen nachzugehen, wirkt dabei auch noch locker und inspiriert.<BR /><BR /> „Ich habe mich schon in der Oberschule für Umweltthemen und Politik engagiert, so einiges davon habe ich sicherlich auch von meinen Eltern mitbekommen“, begründet er den Ursprung seines Wertespektrums. Denn gerade seine Überzeugungen haben den in einem 2-sprachigen Elternhaus aufgewachsenen Burschen immer wieder beflügelt, voranzugehen und andere für seine Sache zu begeistern: zunächst als Klassensprecher, dann als Co-Sprecher der Jungen Grünen, schließlich als Stadtviertelrat in Bozen, aber vor allem als Antreiber der „Fridays for Future“-Szene in Südtirol. Zusammen mit Majda Brecelj ist er Sprecher des lokalen Ablegers der globalen Organisation, die mit Greta Thunbergs Schulstreik ihren Anfang nahm. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="766139_image" /></div> <BR /><BR /><b>Zwischen Euphorie und Ernüchterung</b><BR /><BR />An die 4000 Leute beteiligten sich vor über 3 Jahren an der ersten großen Klimademo in Südtirol, die Initialzündung dazu stammte von Zeno selbst, indem er den italienischen Schülerbeirat dafür gewinnen konnte.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="766142_image" /></div> <BR /><BR /> „Wir rechneten mit einigen Hundert Beteiligten, waren dann überwältigt vom riesigen Echo aus ganz Südtirol“, blickt er zurück. Zugleich räumt er aber ein, wie sich nachher Ernüchterung breitmachte, denn beim Aufbruch in ein klimaneutrales Zeitalter kommt man kaum vom Fleck. Zeno nennt ein Beispiel: „Leider ist es eine Tatsache, dass es in Südtirol seit 10 Jahren einen Klimaplan gibt, aber sämtliche Ziele verfehlt worden sind. Dabei werden wir uns selbst beim Erreichen des 1,5-Grad-Ziels mit zunehmenden Katastrophen auseinandersetzen müssen.“ Bei seinen Erläuterungen beruft er sich auf die neuesten Daten des IPCC-Weltklimarat-Reports und auf die Expertise des Klimaforschers Marc Zebisch. Je länger man sich mit dem jungen Bozner über seine Ansichten unterhält, desto klarer treten seine Positionen zutage: „Die Herausforderungen sind immens, aber mit Wischi-Waschi ist uns nicht mehr länger geholfen“, meint er. <BR /><BR /><b>Bewusstseinsbildung an vielen Fronten</b><BR /><BR />Und so treibt er die Aktivitäten der hiesigen „Fridays for Future“-Bewegung zusammen mit der 10-köpfigen Kerngruppe weiter voran, gibt Vorträge an Schulen, organisiert Workshops, vernetzt sich mit Gleichgesinnten. Letzthin betrieb er zusammen mit mehreren Mitstreitern im VBB-Stück „Anthropos, Tyrann (Ödipus)“ auch auf der Theaterbühne Bewusstseinsbildung.<BR /><BR />Immer wieder betont Zeno, wie wichtig ihm neben den Überzeugungen auch die Gruppendynamik und der Spaßfaktor sind. Nur so hätten sich etwa für die Landtagswahlen 2018 für die Grünen 10 Jugendkandidaten finden können. Mit seinen damals 20 Jahren war Zeno der jüngste Kandidat der Liste und holte respektable 409 Stimmen. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="766145_image" /></div> <BR /><BR />Zeno will aber gewiss nicht den Superhero spielen, er schlägt durchaus auch Zweifel und nachdenkliche Zwischentöne an. „Es gab nach den ersten Demos auch mal eine Phase, in der ich mich zurücknehmen und mein Tun hinterfragen musste“, gibt er zu bedenken. <BR /><BR />Der Aktivismus beschert eben auch Frustrationen und Erfahrungen von Ohnmacht. Und: „Mein Rettungsanker ist die Musik, da kann ich in völlig andere Rollen schlüpfen.“ In der Tat spielt die Musik die eigentliche Hauptrolle in Zenos mitunter turbulentem Leben. Er ist ausgebildeter Geiger, hat nach seinem Diplom am Bozner Konservatorium im Vorjahr das Biennium in Cesena abgeschlossen. Er spielt in mehreren Orchestern, Quartetten und Ensembles, ist langjähriges Mitglied des Jugendsymphonieorchesters, tritt als Konzertmeister in Erscheinung.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="766148_image" /></div> <BR /><BR />Als wäre das nicht genug, geht er derzeit auch noch einem Studium der Volkswirtschaftslehre in Ferrara nach und hat überdies ein Biennium in Viola am Konservatorium in Cesena drangehängt. Sein Ziel war es immer, Orchestermusiker zu werden. Mittlerweile sagt er: „Ich möchte gerne meine Ausbildungen abschließen und danach alle Tätigkeiten miteinander verbinden und weiterführen.“ Und so verbindet Zeno zwei Pole, die man in Anlehnung einer bekannten Literaturepoche sehr wohl betiteln könnte als Sturm und Klang.<BR />