Freitag, 10. Mai 2019

Zwei neue Themenausstellungen im Südtiroler Landesmuseum Schloss Tirol

Die Ausstellung „Mythen der Diktaturen. Kunst in Faschismus und Nationalsozialismus“, die bis zum 30. Juni geöffnet bleibt, widmet sich einem besonders schwierigen und komplexen Kapitel der Kunst-, Kultur- und Politikgeschichte – den Jahren der beiden Faschismen Mussolinis und Hitlers. Hitlers und Mussolinis Unrechtsherrschaft wurde ganz maßgeblich von Künstlern und Künstlerinnen mit Bildern und Narrativen bedient, auch in Südtirol, in Nord- und Osttirol und im Trentino.

Franz Eichhorst, Soldatenrast am Feuer, auf dem Marsch nach Stalingrad, 1942, Matrei in Osttirol, Heimatmuseum Medaria, Foto: Johannes Plattner, Innsbruck
Franz Eichhorst, Soldatenrast am Feuer, auf dem Marsch nach Stalingrad, 1942, Matrei in Osttirol, Heimatmuseum Medaria, Foto: Johannes Plattner, Innsbruck

Nur einige wenige stemmten sich dagegen, und ihre Werke wurden als „entartet“ verfemt. Die Ausstellung bietet völlig neue Einblicke in die lokalen Kreisläufe systemischer Kunstpolitik. Propaganda war maßgeblich von Mythen genährt, welche in den Maximen der Faschismen zum Ausdruck kamen. In der Herabwürdigung der „entarteten Kunst“ wurde die Ausgrenzung des Unerwünschten radikalisiert. Die Ausstellung und ihr Katalog greifen dieses Oppositionspaar auch als deutliche ästhetische Differenz auf.

Die zweite Ausstellung „Optionskoffer. Die Geschichte der Familie Brugnoli/Bruggnaller“

befasst sich mit dem Ereignis der Option, die sich 2019 zum 80. Mal jährt. Die Ausstellung auf der obersten Plattform des Bergfrieds, im „Turm der Erinnerungen“, die bis zum 8. Dezember zu sehen ist, zeigt die Geschichte der Familie des Josef Brugnoli/Bruggnaller und der Maria Tetter, die 1940 aus Bozen nach Innsbruck zog. Die erhaltenen Dokumente erzählen minuziös die einzelnen Etappen von Auswanderung und Einbürgerung, dem Zwischendepot der Möbel, der Namensänderung, der Wohnungszuweisung an diversen Orten, wirtschaftlichen Nöten, Krankheiten und Todesfall. Die im Original beigestellten Dokumente aus dem Tiroler Landesarchiv machen die Geschichte nachvollziehbar und holen deren Aktualität in die Gegenwart.

Zwei zeitgenössische künstlerische Interventionen von Julia Frank reagieren auf die Themen der Ausstellungen.

Das Vermittlungsteam von Schloss Tirol bietet zu beiden Ausstellungen pädagogische Formate für Schulklassen an. „Wir Familie Brugnoli“ nennt sich das partizipative Vermittlungsformat für die Options-Ausstellung in der die Schülerinnen und Schüler nach einer Einführung in die Geschichte der Zwischenkriegs- und Kriegszeit in Südtirol in die Rolle der Optantenfamilie Brugnoli (Bruggnaller) und der Personen schlüpfen, denen sie auf den Etappen von der Auswanderung zur Einbürgerung begegnen. Im Vermittlungsformat zur Ausstellung „Mythen der Diktaturen“ tauchen die Jugendlichen in einem dialogischen Rundgang durch die Ausstellung in die Bildstrategien der Faschismen und der darin behaupteten Wahrheitsansprüche, Emotionen und Stimmungen ein. Mögliche Parallelen zur Gegenwart bzw. die heutigen Bildstrategien werden in einer anschließenden breit angelegten Diskussionsrunde erörtert. Infos und Anmeldung unter 0473 861540 oder [email protected].

Am heutigen Freitag, 10. Mai um 15 Uhr findet auf Schloss Tirol anlässlich der Ausstellung „Mythen der Diktaturen. Kunst in Faschismus und Nationalsozialismus“ eine Diskussionsrunde mit dem Titel „Wie können wir die Kunst der Faschismen ausstellen?“ statt. Zum Thema diskutieren die Kunsthistorikerin Rosanna Demattè, der Künstler Hans Knapp und die beiden Kuratoren der Ausstellung – der Kunsthistoriker Carl Kraus und der Historiker Hannes Obermair. Es moderiert die Journalistin Nina Schröder. Der Eintritt ist frei.

stol