Montag, 23. Oktober 2017

10 Jahre Pflegesicherung: Bilanz und Ausblick

11.799 Empfänger von Pflegegeld werden zu Hause gepflegt, 4200 in Heimen. Mit der direkten Auszahlung an die Heime wurden bürokratische Hürden abgebaut.

Blickten gemeinsam auf 10 Jahre Pflegesicherung zurück: die Landesräte Martha Stocker und Richard Theiner.
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Blickten gemeinsam auf 10 Jahre Pflegesicherung zurück: die Landesräte Martha Stocker und Richard Theiner. - Foto: © LPA

10 Jahre sind vergangen, seit die Pflegesicherung in Südtirol gesetzlich eingeführt wurde. Diesen Anlass nutzen die Landesräte Richard Theiner und Martha Stocker, um an die Anfänge zu erinnern und einen Blick in die Zukunft zu werfen.

„Dass eine Pflegesicherung eingeführt werden sollte, darüber war man sich schnell einig. Es ging dann aber lange darum, wie sie aussehen, wie sie finanziert werden sollte“, erinnerte Landesrat Richard Theiner, im Jahr 2007 zuständig für den Gesundheits- und Sozialbereich, an die Anfänge. Schließlich habe man gewusst, dass diese Entscheidung auch auf die Finanzhaushalte der Folgejahre erhebliche Auswirkungen haben wird. „Heute können wir aber sagen: Die Pflegesicherung ist eine wesentliche Säule unseres Sozialsystems“, zeigte er sich zufrieden.

Ausbildung der Pflegekräfte soll geändert werden

Entschieden hat man sich für ein steuerfinanziertes System und für einen Vorrang der Geldleistungen gegenüber den Sachleistungen. Mit diesem System sollte unter anderem die Pflege zu Hause gestärkt werden, was einen längeren Verbleibt pflegebedürftiger Menschen in ihrer gewohnten Umgebung ermöglicht. Heute werden 11.799 Menschen, die diese Unterstützung bekommen, zu Hause gepflegt, rund 4200, die in einem Alten- oder Pflegeheim, erklärte Soziallandesrätin Stocker.

„Familienangehörige leisten Unermessliches“, gab Stocker in diesem Zusammenhang zu bedenken und kündigte an, dass es für sie in Zukunft mehr Möglichkeiten geben soll, sich kurze Auszeiten zu nehmen.

Eine weitere Schraube, an der gedreht werden soll, ist die Ausbildung der Pflegekräfte. „Sie sind aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken, wir müssen ihre Ausbildung stärker unterstützen, damit die Qualität der Betreuung gesichert ist“, hielt Stocker fest. Gerade weil sich die Rahmenbedingungen in diesem Bereich stark verändern, sei es wichtig gewesen, ein System zu schaffen, das die Möglichkeit der Anpassung bietet, um den Anforderungen sowohl der Betreuten als auch der Betreuenden gerecht zu werden, waren sich Theiner und Stocker einig. 

2014 wurde ein für die Alten- und Pflegeheime wichtiger Aspekt der Finanzierung umgestellt: Seither erhält ein Heim für jeden pflegebedürftigen Bewohner unabhängig von der Pflegestufe direkt den Pauschalbetrag von 59 Euro pro Tag.

„Mit dieser Entscheidung wurden viele bürokratische Hürden überwunden“, bedankte sich auch der Präsident des Verbandes der Seniorenwohnheime, Moritz Schwienbacher. Eine weitere Schraube an der gedreht wurde, sind die Kontrollen durch Pflegeeinstufungsteams zu Hause.

Keine unangemeldeten Kontrollen mehr

Wurden bis zum Jahr 2017 unangemeldete Kontrollen durchgeführt, so gibt es diese mittlerweile nicht mehr. Die Einstufungen gelten seither für 3 Jahre, dann werden sie erneut vorgenommen. „Von dieser Praxis ausgenommen sind Menschen mit fortgeschrittenen Krankheiten. Ihnen wollen wir weitere Kontrollen ersparen, die für sie eine unnötige Belastung darstellen würden“, erklärte Stocker. Auch für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit von Kindern wurde ein eigenes Team aufgebaut.

Gesundheits- und Soziallandesrätin Stocker betonte auch die wichtige Rolle, die in diesem System der Prävention zukommt. „Es ist wichtig, dass alte Menschen möglichst lange selbständig leben können, dass sie fit bleiben“, sagte sie - auch mit Blick auf den demographischen Wandel. Diese Fitness verbessere vor allem die Lebensqualität eines jeden Einzelnen, entlaste zudem aber auch das Sozial- und Gesundheitssystem finanziell. Derzeit liegen die Monatsbeiträge zwischen 558,50 Euro für Pflegestufe 1 und 1800 Euro für Pflegestufe 4. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt rund 202 Millionen Euro ausgezahlt.

stol

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