Bei der Volkszählung von 1910 war noch die Wortform „italienisch-ladinisch“ gebraucht worden. Es wurde den österreichischen Behörden zu spät bewusst, dass Ladinien geradezu ein Grenzwall Deutschtirols gegen das italienische Gebiet hin war. <BR /><BR />Die Italiener dagegen zählten 1921 die Ladiner gesondert. Bei der ersten italienischen Volkszählung 1921 bekannten sich in Ladinien 17.406 Personen zum Ladinertum, 435 als Deutsche und 4308 als Italiener. <BR /><BR />1923 wurde Ladinien zerrissen, indem Souramont zur Provinz Belluno und Gröden, Gadertal und Fassa zur Provinz Trient kamen. 1927 wurde das Gebiet der Ladiner bei der Schaffung der eigenen Provinz Bozen noch einmal geteilt, sodass seitdem Ladinien zu 3 Provinzen gehört: Ampezzo und Buchenstein zur Provinz Belluno, Fassa zur Provinz Trient, Gröden und Gadertal zur Provinz Bozen.<BR /><BR />Schon 1905 war die Einigung sämtlicher Ladiner Tirols angestrebt worden. Der erste Ladiner-Verein, der damals in Innsbruck gegründet wurde, setzte sich zur Aufgabe: „Der Verein bezweckt die nationale Einigung sämtlicher in Tirol lebenden Ladiner.“ Der Ausgang des Ersten Weltkrieges machte jedes Einigungsbestreben unmöglich. <BR /><BR />Unzählige Male forderten die Ladiner die Wiedervereinigung ihrer Gebiete. Am 14. Juli 1946 demonstrierten 3000 Ladiner am Jëuf de Sela/Sellajoch für dieses Ziel – erfolglos. Und obwohl in einem Referendum am 28./29. Oktober 2007 78,86 Prozent der Bevölkerung der 3 Brixner-tirolischen ladinischen Gemeinden in der Provinz Belluno (Souramont) für die Angliederung ihrer Gemeinden an Südtirol stimmten, geschah nichts. <BR /><BR />Seit 2000 Jahren gib es in den Dolomitentäler die ladinische Bevölkerung. Sie sind die eigentlichen Ur-Tiroler, haben ihre Kultur und Sprache gegen den Germanisierungsdruck von Norden und Romanisierungs – und Italienisierungsversuche von Süden her erfolgreich verteidigt und sind heute in Gefahr, noch mehr als schon bisher an den Rand der gesamttirolischen Entwicklung gedrängt zu werden.<BR /><BR />Insgesamt gibt es derzeit etwa 38.000 Menschen, davon annähernd 30.000 mit ladinischer Muttersprache. Bekannt ist das Symbol die „ladinische Hand“ als Hinweis auf die 5 ladinischen Täler, die charakterisiert sind durch das religiöse Leben im Gadertal, durch die Holzschnitzkunst im Gröden, die Fassaner Fasnacht, das Kriegsgeschehen mit seinen Folgen in Buchenstein und Ampezzo mit dem ältesten Dokument, dem Statut von Cadore aus dem Jahre 1464.<BR /><BR />Dass die Ladiner Tiroler sind und sich auch als solche fühlen, haben sie in der Geschichte reichlich oft und mitunter mit vielen Opfern bewiesen: Viele Jahrhunderte lang gehörte Dolomiten-Ladinien zu Österreich, 1809 kämpften die Ladiner mit Andreas Hofer gegen die Franzosen, im Ersten Weltkrieg bluteten ladinische Soldaten an allen Fronten für Österreich-Ungarn und verteidigten an der Dolomitenfront mit unermesslichen Opfern die engere Heimat.<BR /><BR />Die Ladiner stellten nach dem Krieg in der Person von Alois „Vijo“ Pupp einen Südtiroler Landeshauptmann (1956 bis 1960). Die alten Bräuche und die melancholischen Dolomitensagen erzählen noch heute von den uralten Zeiten und einer kulturreichen und wechselvollen Geschichte.