Dienstag, 19. April 2016

13 Bürgermeister-Kandidaten, ein Schlagabtausch: Das Fazit

Wer soll der nächste Bozner Bürgermeister werden - und warum? Wofür stehen die einzelnen Kandidaten und was wollen sie in der Landeshauptstadt bewirken? Um all diese Fragen zu klären, holte das Tagblatt "Dolomiten" alle 13 Kandidaten in eine Runde - und lud interessierte Bürger zur Podiumsdiskussion am Dienstagabend.

Wer wird neuer Bürgermeister von Bozen? 13 Kandidaten bewerben sich um den wichtigsten politischen Stuhl in der Stadt. Gewählt wird am 8. Mai.
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Wer wird neuer Bürgermeister von Bozen? 13 Kandidaten bewerben sich um den wichtigsten politischen Stuhl in der Stadt. Gewählt wird am 8. Mai.

Nicht mehr lange - und in Bozen wird wieder gewählt. An Auswahl fehlt es den Bürgern auch diesmal gewiss nicht, denn sie können zwischen nicht weniger als 13 Bürgermeister-Kandidaten und 17 Listen auswählen (STOL hat berichtet). Ganz schön viele und 4 mehr, als noch bei der letzten Wahl. Da kann eine Entscheidung schon mal schwierig werden.

Die Kandidaten im Überblick:

Christoph Baur (SVP);
Cristian Kollmann (Süd-Tiroler Freiheit);
Norbert Lantschner (Grüne-Projekt Bozen, Rifondazione comunista);
Anna Pitarelli (Neue Welle Bozen);
Renzo Caramaschi (PD, "Die Linke", "Civica Con Caramaschi"); 
Elena Artioli ("Bürgermeisterin Artioli");
Mario Tagnin ("Uniti per Bolzano", Lega); 
Maurizio Puglisi Ghizzi (Casapound); 
Giorgio Holzmann ("Alleanza per Bolzano"); 
Angelo Gennaccaro ("Io sto con Bolzano"); 
Caterina Pifano (M5S); 
Vanja Zappetti ("I love my town"); 
Franco Murano (Pensionisten).

Im Rahmen von "Leser bewegen Bozen" ermöglichte das Tagblatt "Dolomiten" am Dienstagabend allen interessierten Bürgern die Möglichkeit, sich ein Bild von jedem einzelnen zu machen. Die "Dolomiten" organisierten eine Podiumsdiskussion mit allen 13 Bürgermeisterkandidaten am Dienstagabend. STOL begleitete die Veranstaltung im Liveticker. 

Hier geht es zum Liveticker

21:07

Wir, liebe Leser, bedanken uns auch für Ihr Interesse. Danke, dass Sie den Liveticker auf STOL gewählt haben, um sich über die politische Zukunft der Landeshauptstadt zu informieren. Südtirol Online wird den Wahlkampf und die Wahl am 8. Mai natürlich weiterhin begleiten und ausführlich darüber berichten. Wir freuen uns, wenn Sie wieder bei uns vorbeischauen. Für heute hoffen wir, Sie hatten einen spannenden, unterhaltsamen und nicht zuletzt informativen Abend! 

21:03

Somit ist die Schlussrunde beendet. Chefredakteur Toni Ebner bedankt sich bei den Kandidaten - und vor allem beim Publikum für die gezeigte Fairness. "Nun sind die Wähler gefragt", sagt er und beendet die Veranstaltung.

21:02

Elena Artioli (Bürgermeisterin Artioli Sindaca): Artioli hat sich ihre wichtigsten Ideen notiert und nennt nur Stichpunkte - darunter: Unnütze Bürokratie abschaffen. Einfachere und billigere Müllentsorgung. Gemeindeeigene Bauten vermieten. Mensen für Schulen und Kindergärten verbessern. Virgl als Erholungszone. Und Nein zur Jenesiener Seilbahn auf der Talfer.

21:01

Christoph Baur von der SVP meint, dass man ihn wählen soll, da er den Bozner Bürgern zuhöre und mit ihnen gemeinsam ein Programm und eine Vision für die Stadt entwickeln will. „Ich bin mit meiner Erfahrung und mit dem, was ich im Leben gelernt habe, imstande, das zu tun.“ Er sei für eine starke Regierung und möchte, dass Bozen in kürzester Zeit auch wirklich zur Landeshauptstadt werde.

20:59

Renzo Caramaschi (Mitte Links): „Ich habe die Erfahrung und den Willen. Bozen kann noch verbessert werden. Unser Programm steht für Entwicklung." Er nennt das Bahnhofareal und Bozen Süd. Auch die Transparenz solle groß geschrieben werden. Zudem werde er sich einen bessere Draht zwischen Stadt und Land einsetzen.

20:59

Giorgio Holzmann (Alleanza per Bolzano) betont, dass er als Bürgermeister die großen Probleme, die Bozen hat, beseitigen wird. Es gebe vieles zu tun, für die Jugend und vor allem für die Senioren in Bozen. Vor allem aber braucht es mehr Sicherheit in Bozen, so Holzmann.

20:57

Cristian Kollmann (Süd-Tiroler Freiheit): Bozen als deutschere Stadt – das ist die Ausrichtung der Süd-Tiroler Freiheit. „Wir treten an jene Stelle, wo die Südtiroler Volkspartei total versagt und offenbar will, dass Bozen immer italienischer wird.“ „Wir vertreten als einzige Bewegung die deutschen Bozner.“

20:57

Norbert Lantschner (Grüne und Projekt Bozen, Rifondazione Comunista) sagt, man sollte ihn zum Bürgermeister von Bozen wählen, da er für eine nachhaltige Politik stehe. Die Bürger sollten daran denken, welche Zukunft die Bozner für sich und für ihre Kinder möchten. Es brauche einen intakten Lebensraum. Das biete er und seine Bewegung. Er nannte die Themem Flughafen und Autobahn, die die Lebensqualität in Bozen gefährden würden, so Lantschner.

20:55

Franco Murano (Pensionistenpartei): „Wir haben unser Programm auf die Senioren und die Jungen ausgerichtet. Die Jugend ist schwächer als die ältere Generation.“ Die Viertel müssten aufgewertet werden. Die Abgaben auf Müll, Licht und Gas müssten gesenkt werden.

20:54

Caterina Pifano vom Movimento 5 Stelle meinte, dass man sie zur Bürgermeisterin von Bozen wählen sollte, weil sie für Ehrlichkeit und Kohärenz stehe. „Wir haben ein komplexes Wahlprogramm, das die Stadt Bozen nachhaltig verbessern und demokratischer machen wird.“

20:52

Anna Pitarelli (Anna Pitarelli Neue Welle Bozen): Ich möchte mich weiterhin für die Stadt einsetzen. Ich habe den Mut, Entscheidungen zu treffen. Es braucht Erneuerung. Und: Die Politik muss bürgernahe sein. Ich stehe euch zur Verfügung. Ich stelle meine Kompetenzen in euren Dienst.

20:52

Maurizio Puglisi Ghizzi (Casapound) sagte, dass man ihn zum Bürgermeister von Bozen wählen sollte, da er ein Programm hat, das alle Themenbereiche – von der Einwanderung, über die Sicherheit und den Sport – abdecke. „Wir bieten zudem eine sozialere Politik, als das bisher der Fall gewesen ist.“

20:50

Mario Tagnin (Il Centrodestra/Uniti per Bolzano/Lega Nord): Wählen Sie mich, weil ich im Stande bin, die Stadt Bozen zu renovieren. Ich kann hart arbeiten, ich kann entscheiden. Ich bin gewohnt, auf alle Meinungen zu hören. Aber dann kann ich auch entscheiden – im Interesse der Stadt. „Nur wer nicht arbeitet, macht keine Fehler.“

20:50

Vanja Zappetti (I love my town) sagt, dass man ihn wählen soll, wenn man eine neue Art der Politik in Bozen möchte. Er setze auf das Medium Internet, habe klare Ideen, wie die Verwaltung aussehe und was die globale Vernetzung anbelange.
 

20:48

Schlussrunde! Jeder Kandidat darf jetzt noch sagen, warum die Bürger ihn wählen sollten. Kurz und knapp, die Redezeit ist auf eine Minute begrenzt.

20:46

Thema: Gemeindewohnungen – wieder ist Baur gefragt. „Bozen hat 600 bis 700 Wohnungen und kassiert pro Jahr 1000 Euro“, sagt er. Er wittert eine „Ungerechtigkeit sondergleichen“. Generell habe man heute viel zu wenig über die Missstände in Bozen gesprochen – auch über jene in der Verwaltung. „Von der Verwaltung der Immobilien weiß ich leider zu wenig“, gesteht er. In den letzten Wochen habe er sehr viele Menschen, Interessensverbände getroffen, die immer wieder mit der Gemeindeverwaltung in Kontakt kämen. „Und die haben alle, ausnahmslos alle, das Problem der Gemeindeverwaltung aufgeworfen. Niemand meinte: Die Verwaltung läuft gut so.“ Das Problem der Gemeindeverwaltung in Bozen sei: Viele Beamten hätten selbst begonnen, Politik zu machen. Sie hätten die politische Ausrichtung für Bozen festlegen wollen. „Das geht nicht.“ Der Verwaltungsapparat müsse für die Bürger da sein. Der Apparat dürfe die Impulse der Bürger nicht ersticken.

20:45

Caterina Pifano hat die Politiker in Bozen im Laufe der Diskussion Schauspieler genannt. Ein Zuschauer wollte wissen, was sie denn dann von Beppe Grillo, Vorsitzender ihrer Bewegung Movimento 5 Stelle, halte, der der „größte Schauspieler und Clown unter den Politikern in Italien“ sei. Sie sei realistisch, sagte Pifano. Grillo habe seinen Beruf, das Schauspielern nie aufgegeben. Sie sei auch der Meinung, dass die Politik in Rom ein großer römischer Zirkus sei. Aber es gehe hier darum, Politik für die Stadt Bozen zu machen, eine seriöse Politik. Denn vor allem die Jugend sei müde von der bisherigen Politik.

20:39

Ein Anrainer des Bozner Flugplatzes fragte den SVP-Kandidaten Christoph Baur, wie er denn glaube, die Entwicklung der Stadtteile zu gestalten, die vom Risikoplan des Flugplatzes betroffen sind und wie er sich vorstelle, die Lebensqualität in diesen Gebieten zu verbessern. „Ich kann heute noch nicht sagen, wie ich beim Referendum am 12. Juni abstimmen werde“, entgegnete Baur. Die Tatsache, dass der Flughafen einer Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen wird, stimme ihn positiv. „Wenn hier klare und verbindliche Auflagen gesetzt werden, dann wäre ich ruhiger, wenn das Land den Flughafen übernehmen und nicht Private“, so Baur. Denn: „Auch bei einem Nein wird auf dem Flughafen weiter geflogen.“ Was den Risikoplan anbelangt, so sei er einer der ersten gewesen, die diesen auf das Tapet gebracht haben, sagte der SVP-Kandidat. „Ich bin überzeugt, dass dieser Risikoplan, der von der Flugsicherheitsbehörde ENAC vorgeschrieben wurde, sehr streng formuliert ist.“ Man könnte in der Lage sein, diesen Risikoplan abzuschwächen. „Dafür würde ich mich einsetzen.“

20:34

Ein weiterer Bürger fragt: Wie geht’s mit den Flüchtlingen weiter?
Zappetti: Als Verwaltung finden wir uns in einem Ausnahmezustand wieder. Die Stadt Bozen muss mit dem Land, mit Italien und Europa zusammenarbeiten. Man müsse die Flüchtlingsproblematik getrennt von der Sicherheitsproblematik sehen. „Bozen ist keine unsichere Stadt“, stellt er klar.
Tagnin: „Bozen hat schon genug Flüchtlinge.“ Derzeit lebten in Südtirol 1.100 Flüchtlinge. Was die Gesamteinwohnerzahl Südtirols anbelangt, so komme Bozen auf ein Fünftel der Einwohner. Zugleich komme die Landeshauptstadt aber auf rund 3 Fünftel der Flüchtlinge. Er plädiert dafür, dass Flüchtlinge freiwillige Arbeiten verrichten sollten. Graffitis von Mauern entfernen. Straßen putzen. „Dass sie im Park herumlungern, geht nicht.“
Caramaschi: Die Gemeinde hat in Sachen Flüchtlingspolitik keine Kompetenz. Das Land entscheide alleine. „Das Land verlangt noch 1000 Plätze. Das ist nicht so viel.“ Er erinnert daran, dass das Bundesland Tirol bereits 6000 Flüchtlinge aufgenommen habe. Land und Gemeinden müssten zusammenarbeiten.
Baur: „Ich muss gestehen, dass ich keinen kompletten Überblick über die Situation in Südtirol habe. Mir fehlen die Daten.“ Er wisse, dass viele Flüchtlinge in Bozen unter der Brücke schlafen. Doch müssten die Menschen menschenwürdig behandelt werden. „Sonst haben wir tatsächlich irgendwann ein Sicherheitsproblem. Dann ist es aber ein hausgemachtes.“ Und: „Eine starke Stadtregierung ist sehr wohl in der Lage mit der Landesregierung zu verhandeln – über die Verteilung der Flüchtlinge im ganzen Land.“ Ansonsten könnte es für Bozen tatsächlich zu viel werden.

20:31

Auf die Frage, wie viel sie an Gehalt verdienen würde, wenn sie Bürgermeisterin würde, meinte Caterina Pifano von Movimento 5 Stelle, dass nicht das Gehalt eines einzelnen Bürgermeisters das Problem sei, sondern die Gehälter aller Politiker in ganz Italien. Zudem habe ihre Bewegung nicht nur die Gehälter als Wahlkampfprogramm, sondern viele Themen mehr, die die Stadt Bozen voranbringen werden.

20:20

Redakteur Fink fragt eine weitere Bürgerin: Sie bittet den Kandidaten Maurizio Puglisi Ghizzi, einen Teil seiner Antwort zu wiederholen, sie habe nichts gehört. Also wiederholt Puglisi Ghizzi seine Antworten. Und holt aus: "Unsere Bewegung steht für Integration." Er habe von Kursen gehört, in denen Wirtschaftsflüchtlingen Knödel drehen lernten. Das sei nicht die Integration, von der er spreche. Ihm selbst schmeckten Knödel gut.

20:16

Ein Zuschauer meinte in Richtung Christoph Baur von der SVP, ob er sich vorstellen kann, den Proporz und die Sprachgruppenzugehörigkeit aufzuheben, obwohl sie das Fundament der Südtiroler Gesellschaft bilden. „Ich kann nicht als Bürgermeister der Stadt Bozen den Proporz abschaffen“, so Baur. Das habe er so sicher nie gesagt, so der SVP-Kandidat. Es könne gut sein, dass der Proporz irgendwann abgeschafft werde, so Baur. „Aber dann sicher nicht von mir. Diese Frage stellt sich nicht im Moment.“

20:12

Tagnin: Es ist wichtig, dass sich die Jugend unterhalten kann. Es kann aber nicht sein, betrunkene Leute am Obstplatz herumlungern. Tagnin empfiehlt Einrichtungen für "Happy Hour" nahe der Talfer, die bis zu einer festgelegten Uhrzeit geöffnet bleiben könnten. "Das würde weniger stören." Ansonsten rät er zum Einsatz von Videokameras für mehr Sicherheit.

20:09

Caramaschi: Der Bürgermeister ist kein Sheriff. Wir müssen die Beziehungen zwischen Polizei und Stadt stärken. Wir haben ein zeitgenössisches Kulturzentrum für die Jugend im Programm. "Wo die Leute ihre Stadtviertel leben, gibt's keine Kriminalität."

20:08

Er habe absolutes Verständnis für das Problem, sagt Baur. "Ich weiß nicht, woran es liegt, dass die Nachtruhe am Obstplatz nicht mit Polizei gewährleistet wird", gesteht er. Der Jugend seien die Plätzen zum Feiern abhanden gekommen. Also: mehr Feier-Gelegenheiten für die Jugend und dann mit aller Strenge dafür sorgen, dass am Obstplatz ab einer bestimmten Zeit Ruhe herrscht.

20:05

"Dolomiten"-Redakteur Michael Fink übernimmt. Er fängt die Fragen der Zuschauer ein. Ein Bürger meldet sich zu Wort. Es geht ums heiße Thema Obstmarkt. Dort herrsche keine Ruhe mehr. Stadtverwaltung und Stadtpolizei machten diesbezüglich gar nichts. Erst Michele Penta, kommissarischer Verwalter, habe die besorgten Bürger angehört. "Leider kommt nun einer von ihnen ran", sagt er. "Was werden Sie machen, um den Obstplatz lebenswerter zu machen?", fragt er also. Die Frage geht an Baur, Caramaschi und Tagnin.

20:02

Auf die Frage an Elena Artioli (Bürgermeisterin Artioli Sindaca), ob sie mit dem Pferd zur Diskussionsrunde gekommen sei, betonte sie, dass das leider nicht möglich war. Das Pferd als Wahlkampf-Maskottchen habe sie deshalb, da ihre Tochter eine Springreiterin sei. Zudem, so Artioli, würden Pferde Glück bringen. Der Slogan, die Eiserne Bürgermeisterin, sei ihr mitten in der Nacht, um 3 Uhr Früh eingefallen. Artioli ist derzeit Landtagsabgeordnete, betont aber, dass man als Bürgermeisterin von Bozen aber weniger verdiene. Wie viel man verdient, weiß sie aber nicht. 11.000 Euro sind, wie sie Holzmann aufklärt. Im Landtag sind es 12.000. Wenn sie Bürgermeisterin von Bozen wird, würde sie freiwillig aus dem Landtag ausscheiden, so Artioli.

19:57

Seit 39 Jahren ist Christoph Baur verheiratet. Beruflich ist das Verwaltungsrecht seit vielen Jahren seine Heimat. „Ihr Vater war ein Urgestein der SVP. Die haben ein bisschen länger gebraucht, um zur SVP zu finden. Warum so spät die Rückkehr in die Heimat?“, fragt Ebner. „Ich hätte mir auch nicht erwartet, dass ich in die SVP eintreten werde. Das war nicht Thema. Ich war lange Zeit in keiner Partei, war auch nicht mehr politisch interessiert. Und dann kam von Herrn Steger die überraschende Frage. Ich habe am fünften Tag ‚Ja‘ gesagt. Aber, dass ich ‚Ja‘ sage, wusste ich schon am ersten Tag.“ Warum, hakt Ebner nach. „Weil es wichtig ist. Es ist wichtig in Bozen ein Angebot zu machen, das von allen Schematas und Mustern frei ist. Mein Leben war nicht sehr geradlinig – ich glaube, das hilft mir jetzt.“ Dass man sich den Italienern gegenüber geöffnet habe, habe für Kritik gesorgt, meint Ebner. Werden konservative SVP-Wähler deshalb das Kreuzchen bei der Süd-Tiroler Freiheit machen? „Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass es keine Regierung gibt. Damit es dazu nicht kommt, müssen wir uns der Stadt ganz anders nähern. Ich kann nicht als Bürgermeister von Bozen auftreten wollen, wenn ich mich nicht an die Bürger italienischer Muttersprache wende. Das wäre lächerlich", sagt Bauer, auch mit Blick auf Kollmann. Der Saal klatscht Beifall.

19:52

Renzo Caramaschi ist der Bürgermeisterkandidat für Mitte Links. Er ist seit 44 Jahren verheiratet, hat eine Tochter. Der Vater seines Neffen ist Däne und spielt Geige im Haydn-Orchester. Wäre für Sie eine große Koalition denkbar, fragt Ebner? Können Sie diese Frage nach dem 8. Mai stellen, antwortet Caramaschi mit einer Gegenfrage. Heute sei es zu früh. Ausschließen würde er es aber nicht. „Man muss schauen mit wem.“ Würden Sie jemanden als Koalitionspartner ausschließen? Caramaschi schaut in die Runde. Er zeigt auf Kollmann.

19:50

Giorgio Holzmann (Alleanza per Bolzano), ein altbekannter Politiker, will es dieses Mal wissen. Er habe schon vieles gemacht – vom Landtag über das Parlament in Rom. Nun will er nach Bozen zurückkehren und Gemeindepolitik machen, da er damit angefangen habe und das gut könne, sagte er. Zudem wolle er etwas für seine Heimatstadt tun, die momentan nicht so gut dastehe, so Holzmann. Angesprochen auf die Sicherheit in der Stadt, so meinte er, dass es einiges zu tun gebe.

19:48

Fisch sei ihr Lieblingsgericht, sagt Caterina Pifano (Movimento 5 Stelle), auf die Frage von Chefredakteur Toni Ebner, was sie denn am liebsten koche. Die Wirtschafts-Lehrerin betont, dass es wichtig sei, dass Bozen eine neue Richtung brauche. So, wie es derzeit laufe, sei der völlig falsch Weg, sagt Pifano. Und :Man werde auch weiterhin Nein zu dem geplanten Kaufhaus-Projekt sagen. Ob Beppe Grillo nach Bozen kommen wird, um Wahlkampf zu machen, wisse sie noch nicht. Jedenfalls dürfe Politik nicht nur mehr Show sein. „Wir haben Show genug“, sagt sie.

19:47

Cristian Kollmann (Süd-Tiroler Freiheit) ist verheiratet – mit einem Mann. Die „Dolomiten“ hätten nicht über seine Partnerschaft mit einem Mann berichtet, kritisiert er. Ebner klärt auf: „Wir in der ‚Dolomiten‘ haben eine Richtlinie: Wir finden sexuelle Neigungen fallen unter Privacy. Deshalb haben wir nicht berichtet.“
Kollmann sagte es in seinem Vorstellungsvideo klar und deutlich: Seine Liste möchte Bozen wieder deutscher machen. Was genau ist in der Landeshauptstadt zu italienisch, fragt Ebner? Kollmann holt aus: Bozen sei viel zu italienisch, man denke sogar den ethnischen Proporz abzuschaffen. Und: Faschistische Denkmäler seien eine Demütigung, sagt er. Damit würden Südtiroler immer an den Faschismus erinnert.

19:45

Norbert Lantschner (Grüne und Projekt Bozen, Rifondazione Comunista) betont, dass er in einer „sehr lebendigen Familie“ lebe, in der es nicht nur Kinder, sondern auch Hunde und Katzen gebe. Lantschner ist zur Zeit Freiberufler und Techniker – ist nach wie vor bekannt als „Klimahaus-Papst“. Dass seine Partei, die Grünen, als Nein-Sager-Partei gilt, mag sein, aber das sei sie nicht, so Lantschner. „Die Grünen stellen das Gemeinwohl in den Vordergrund, und so kann es kommen, dass manches Mal auch ein Nein herauskommt.“ Ihm sei jedenfalls die Nachhaltigkeit der Politik wichtig.

19:45

Maurizio Puglisi Ghizzi von Casapound wird von Chefredakteur Toni Ebner über das Siegesdenkmal gefragt und ob er denn wisse, was da auf diesem Denkmal überhaupt steht. Er weiß es nicht. Giorgio Holzmann von Alleanza per Bolzano hilft aus. Puglisi sagt, es sei ein historisches Monument. Jedes Monument hat seine Geschichte. Das, was da geschrieben steht, ist in der damaligen Zeit zu sehen, meint er. Heute kann jeder lesen, was da steht und sich seine Meinung bilden. Aber die Geschichte kann man nicht löschen und ändern.
 

19:41

Franco Murano ist der Kandidat der Pensionistenpartei. Seit 1970 lebt er in Bozen. Was zieht einen Sportliebhaber in die Politik, fragt Ebner. Sportorganisationen müssten auf die Bilanzen schauen, sagt Murano. Das wäre auch für die Politik und Bozen nicht verkehrt, meint er.

19:36

Mittlerweile ist im Saal fast kein Platz mehr frei. Nur in den letzten Reihen gibt's noch einige wenige Sitzmöglichkeiten.

19:34

"Eigentlich müssten wir Anna Pitarelli dankbar sein: Ohne ihr Verhalten in der letzten Legislatur, säßen wir nun nicht hier“, eröffnet Ebner das Gespräch mit Pitarelli. Lachen. „Ich sehe diese Wahl als Chance“, sagt Pitarelli. Heute sei die Politikverdrossenheit groß. Habe man daran nicht auch Schuld, wenn man Regierungen stürze, fragt Ebner. Pitarelli kann dem nicht zustimmen.

19:27

Auf die Frage von Ebner, ob Unitalia in die Liste passt, meint Tagnin, auch Unitalia sei nicht mehr dieselbe, wie noch vor ein paar Jahren.

19:25

Tagnin sagt, er habe nicht viel Zeit für Hobbies. Aber wenn er Zeit habe, dann verbringe er diese am liebsten im Garten. Blumen, pflanze er. Und auch alle Kräuter, die fürs Kochen notwendig sind. Kann die Mama besser kochen, fragt Ebner. Nein, sagt Tagnin. Lachen im Saal.

19:23

Jetzt geht's zur Fragerunde. Toni Ebner hakt gleich bei Vanja Zappetti nach. Ich bin Privatunternehmer, sagt er. Aber auch Politikwissenschaftler und Historiker. Zappetti liebt die Musik. Auf seiner Liste finden sich viele Musiker, aber auch viele andere Berufsgruppen.

19:21

In ihrem Vorstellungsvideo stellt Elena Artioli, Kandidatin von Bürgermeisterin Artioli Sindaca, gleich klar: „Ich liebe Bozen.“ Sie wolle, dass Bozen „wieder sauber und ordentlich“ werde. Artioli ist für eine Umfahrung, aber gegen zu viele Flüchtlinge. "Ich nehme nie ein Blatt vor den Mund", sagt sie.

19:20

Christoph Baur sagt in seinem Vorstellungsvideo, er wolle in einer Stadt leben, in der man klar sage, wenn „Dinge nicht passen“, in der man aber nicht hetze. Die Stadt müsse Dinge anpacken, die zu erledigen sind, sagt er. Der Anwalt ist Bürgermeister-Kandidat der SVP.

19:18

Der Kandidat von Mitte-Links heißt Renzo Caramaschi. Der 70-Jährige sagt in seinem Vorstellungsvideo, er sei für den „politischen Wahlkampf etwas zu jung“. Kraft für die Aufgaben eines Bürgermeisters habe er aber genug. Caramaschi liebt die Berge. Als wichtigsten Programmpunkt nennt er die Wirtschaftsentwicklung.

19:18

Angelo Gennaccaro konnte leider nicht kommen. Sein Video ist trotzdem da. Er ist Bürgermeister-Kandidat der Liste Io sto con Bolzano. Eine junge, interethnische Liste, erklärt Gennaccaro im Vorstellungsvideo. Man wolle Realpolitik machen, sich auch um „kleine Sachen“ kümmern. Der Liste gehe es vor allem um Dialog mit den Bürgern, Dezentralisierung der Gemeindedienste und Digitalisierung.

19:16

„Wir lieben Bozen“, sagt Giorgio Holzmann von der Liste Alleanza per Bolzano im Vorstellungsvideo. Doch die Landeshauptstadt sei den vergangenen 10 Jahren sich selbst überlassen worden. Dabei gebe es so viele Möglichkeiten, Bozen weiterzuentwickeln. Auch der Virgl müsse aufgewertet werden. „Bozen hat mehr verdient.“

19:15

Cristian Kollmann kandidiert für die Süd-Tiroler Freiheit in Bozen. Man möchte „vor allem den deutschsprachigen Boznern eine patriotische Alternative bieten“, sagt er in seinem Vorstellungsvideo. Die SVP lasse die Volkstumspolitik verkümmern. „Hier wollen wir einhaken.“ Zweisprachigkeit müsse garantiert werden – „auch im mündlichen Bereich“.

19:14

Norbert Lantschner ist ein bekanntes Gesicht. Früher war er Direktor der KlimaHaus Agentur, heute ist der Bürgermeister-Kandidat der Grünen und Projekt Bozen sowie der Rifondazione Comunista. Das Klima lässt Lantschner dennoch nicht ganz los: Er möchte sich in Bozen für ein besseres Klima einsetzen – zwischen den Menschen und zwischen Mensch und Natur. Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit sind ihm besonders wichtig.

19:12

Seine Liste sei wohl die schwächste auf der politischen Bühne, sagt Franco Murano im Vorstellungsvideo. Er ist Bürgermeister-Kandidat für die Pensionisten-Partei. Die Liste bestehe aus Arbeitern und Pensionierten. Einsetzen wolle man sich jedoch nicht nur für das ältere Semester – sondern auch für die Jugend.

19:11

„Ich möchte für das, was ich als wichtig erachte, kämpfen“, erklärt Caterina Pifano, die Bürgermeister-Kandidatin für Movimento 5 Stelle. „Bozen soll wieder aufblühen“, sagt sie in ihrem Vorstellungsvideo. Sie ist gegen hohe Politikergehälter und für eine sichere Stadt – dank Überwachungskameras.

19:10

Ihr Gesicht kennt Bozen durch René Benkos Projekt. Doch Anna Pitarelliwill mehr. Sie will Bozens Bürgermeisterin werden. Ihre Liste nennt sich Anna Pitarelli – Neue Welle Bozen. In ihrem Vorstellungsvideo sagt Pitarelli, sie wolle sich weiterhin für den Aufschwung einsetzen. „Bozen braucht mehr Sicherheit und muss sich entwickeln können.“

19:10

Maurizio Puglisi Ghizzi ist der Bürgermeister-Kandidat von Casapound. Seine Liste wolle sich für die Schwachen in der Gesellschaft einsetzen, sagt er in seinem Video. Sicherheit – auch ein großes Thema von Puglisi Ghizzi. Unterkünfte, in denen sich nur Wirtschaftsmigraten aufhalten, sollten geschlossen werden, meint er.

19:09

Arzt und verheiratet ist er seit rund 20 Jahren. Seine Erfahrung in der Politik ist da begrenzter: Von 2010 bis 2015 saß Mario Tagnin schon einmal im Bozner Gemeinderat. Heute ist er einer der Bürgermeister-Kandidaten für Mitte-Rechts. Er wolle sich für Sicherheit, Ordnung und die Lösung des Verkehrsproblems einsetzen, sagt er in seinem Vorstellungsvideo.

19:08

Der Erste in der Runde ist Vanja Zappetti. In seinem Vorstellungsvideo stellt er sich mit „Buona sera, guten Abend“ vor. Zappetti ist Bürgermeister-Kandidat der Liste I love my town. Die Liste sei neu, innovativ, zeitgemäß. Die Beteiligung der Bürger sei dabei besonders wichtig.

19:07

Jeder Kandidat wird mit einem Video vorgestellt. Dann wird der Kandidat von Chefredakteur Toni Ebner auf die Bühne gerufen.

19:06

"Das ganze Land ist gespannt, was hier in Bozen laufen wird, bei den Wahlen", meint Toni Ebner. Er erklärt den Ablauf. Gestartet wird mit dem Einzug der "Gladiatoren", wie Ebner sagt. Dem Einzug der 12 Bürgermeister-Kandidaten.

19:04

Statt den angekündigten 13 Kandidaten sind heute Abend 12 vor Ort, sagt der Chefredakteur der "Dolomiten". Angelo Gennaccaro von der Liste Io sto con Bolzano konnte nicht kommen.

19:03

"Guten Abend, liebe Boznerinnen und Bozner. Es freut mich, dass sie so zahlreich hier her gekommen sind." Toni Ebner eröffnet den Abend.

19:01

"Dolomiten"-Chefredakteur Toni Ebner begrüßt die Gäste, schüttelt Hände. Die ehemalige Volksanwältin Burgi Volgger ist zur Veranstaltung gekommen. Auch Caterina Pifano, Bürgermeister-Kandidatin von Movimento 5 Stelle, ist schon für die Podiumsdiskussion bereit.

stol

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