Freitag, 09. April 2021

132-Kilovolt-Leitung: Hochspannung für Gröden

Olympia scheint möglich zu machen, woran viele schon nicht mehr zu glauben wagten: Zu den Winterspielen 2026, die auch Anpezo/Cortina d'Ampezzo als Austragungsort vorsehen, soll eine neue Hochspannungsleitung von Lajen nach Corvara die Energieversorgung in den Dolomiten garantieren.

Durch die neue Trasse entsteht eine Ringleitung: Diese würde die Versorgungssicherheit garantieren.
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Durch die neue Trasse entsteht eine Ringleitung: Diese würde die Versorgungssicherheit garantieren. - Foto: © Nasa/Unsplash
Die Pläne des staatlichen Stromnetzbetreibers Terna wurden gestern bei einer Videokonferenz mit Landeshauptmann Arno Kompatscher, Energielandesrat Giuliano Vettorato und den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden vorgestellt.



Die Terna will laut einer Presseaussendung 34 Millionen Euro investieren für die 23 Kilometer lange, unterirdisch verlegte 132-Kilovolt-Leitung von der Hauptkabine in Lajen bis zur Hauptkabine in Corvara. Dort endet bisher die Hochspannungsleitung aus Belluno. Mit dem Bau der neuen Leitung wäre es künftig möglich, auch bei einer Unterbrechung der Leitung aus dem Süden – was in den letzten Jahren bei Unwettern immer wieder auch für längere Zeit der Fall war, – die Versorgung in den Dolomiten zu garantieren, denn dadurch entstünde eine Ringleitung.

Die Terna-Techniker stellten einen groben Trassenvorschlag mit mehreren Varianten vor, der auf Studien und Lokalaugenscheinen beruht und nun in Gesprächen mit Land und Gemeinden konkretisiert werden soll. Noch im April sollen laut Terna die ersten Gespräche mit den Technikern beginnen, zum Ende des Sommers könnte die Projektierung angepackt werden. Auch soll die Trasse mit der Bevölkerung diskutiert werden.

Der Wolkensteiner Bürgermeister Roland Demetz wurde vor 3 Wochen von der Einladung zu der Videokonferenz überrascht, er hatte vorher nichts von den Plänen der Terna gewusst. Seine Gemeinde ist am meisten betroffen, verlaufen doch 10 der 23 Kilometer auf Wolkensteiner Gebiet. Demetz begrüßt die Pläne, vor allem, weil sie eine unterirdische Verlegung der Stromleitung vorsehen. Angesichts des Booms von Elektroautos werde es künftig sehr viel mehr Strom brauchen, sagt Demetz, deshalb mache die Leitung Sinn.

Allerdings müsse sehr genau geschaut werden, wo die Trasse verlaufe, denn sie habe unmittelbare Auswirkungen auf bestehende und künftige Infrastrukturen wie Umfahrungen, Abwasserleitungen, Skipisten, Radwege und auch auf den geplanten Neubau der Grödner Bahn. „Wir müssen wegbleiben von Häusern und Infrastrukturen“, sagt Demetz. Auch geologisch sei noch einiges abzuklären.

Die Leitung bis zu den Winterspielen 2026 fertigzustellen sieht Demetz als ehrgeiziges Unterfangen an. „Vielleicht ist es zu schaffen, dann muss man sich aber jetzt hineinknien“, sagt er. Auf ihn und seine Bürgermeisterkollegen kommt jedenfalls viel Arbeit zu.

Immer wieder Stromausfälle

Die Unwetter der letzten Jahre hatten immer wieder – auch länger andauernde – Stromausfälle vor allem im Gadertal zur Folge gehabt, wenn in Belluno umstürzende Bäume auf die Stromleitung fielen oder Windböen zu Ausfällen führten. So war es bei den starken Schneefällen im Dezember, und so war es auch am 27. Februar 2017 – mitten in den Faschingsferien –, als das gesamte Skigebiet Alta Badia lahmgelegt war und die Hoteliers zu Kunststücken bei der Verköstigung ihrer Gäste gezwungen waren. Betroffen von dem Stromausfall war damals auch Ampezzo gewesen – und ähnliches soll sich bei den Olympischen Winterspielen in 5 Jahren auf gar keinen Fall wiederholen.

sch