„Die hart errungene Absicherung für die deutsche und ladinische Minderheit und der Kampf um Eigenständigkeit haben ein Südtirol ermöglicht, in dem verschiedene Sprachgruppen friedlich zusammenleben und in dem aus einem Nebeneinander zunehmend ein Miteinander wird“, so SVP-Obmann Richard Theiner.Am Podium diskutierten Landeshauptmann Luis Durnwalder, Altobmann und Senator Roland Riz, Kammerabgeordneter und Völkerrechtler Karl Zeller, der ehemalige österreichische Botschafter Ludwig Steiner und der Journalist Florian Kronbichler. Den Abend moderierte die langjährige RAI-Korrespondentin in Rom, Oktavia Brugger.Stocker: Es braucht ein Innehalten Ein Innehalten darüber sei nötig, welche Überlegungen es vor 40 und vor 20 Jahren gab, welche Sorgen und Hoffnungen sich bewahrheitet haben, welche Perspektiven es gab und gibt, merkte SVP-Obmann Richard Theiner eingangs an.Obmannstellvertreterin Martha Stocker, auf deren Initiative die Veranstaltung organisiert wurde, unterstrich das Ringen um Selbstständigkeit, das dem Jahre 1992 vorausgegangen sei.Steiner: Südtiroler waren manchmal ein bisschen ungeduldigBotschafter Ludwig Steiner erinnerte an die große Herausforderung, sich auf dem internationalen Parkett Unterstützung für das Südtirol-Anliegen zu sichern.Österreich sei aber zu jeder Zeit zu Südtirol gestanden, auch wenn die Südtiroler in vielen Belangen „ein bissl ungeduldig“ gewesen seien. Schlussendlich sei die Autonomie ein Werk der Südtiroler selbst, wobei sich Österreich mit guten Ratschlägen eingebracht habe.Riz: Die Zeit hat gedrängt Dass man die Streitbeilegungserklärung möglichst schnell unter Dach und Fach bringen müsse, dessen sei er sich im Jahre 1992 bewusst gewesen, erklärte der damalige SVP-Obmann Roland Riz.Nur 22 Tage nach der entscheidenden SVP-Landesversammlung in Meran hätten sich durch den Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Giulio Andreotti die Voraussetzungen für Südtirol wesentlich verschlechtert.Zwanzig Jahre nach Abgabe der Streitbeilegung sei es an der Zeit, die Autonomie weiterzuentwickeln. „Ziele haben und dafür kämpfen“ sei nun wichtiger denn je, betonte Riz.Durnwalder: Unsere Kompetenzen haben wir hart errungen Auch Landeshauptmann Luis Durnwalder unterstrich die Bedeutung der internationalen Absicherung der Südtirol-Autonomie durch die Streitbeilegungserklärung und bezeichnete das Jahr 1992 als ein Jahr des Abschlusses und des Neubeginns.„Im Rahmen der dynamischen Autonomie haben wir in den Folgejahren zahlreiche Kompetenzen hart errungen“, so Durnwalder „Je näher wir unserem Ziel kommen, desto weniger Aufgaben bleiben übrig, dafür sind diese umso schwieriger zu bewältigen.“Im Rahmen der Vollautonomie wolle die Südtiroler Volkspartei nun weitere Zuständigkeiten nach Südtirol holen.Zeller: Südtirol-Anliegen gehen nur dann durch, wenn auch Rom einen Nutzen hat Der Kammerabgeordnete und Verfassungsrechtler Karl Zeller ging im Besonderen auf das aktuelle Verhältnis zur römischen Regierung ein: „Gut begründete Anliegen für Südtirol können heute nur dann vorangebracht werden, wenn auch die Regierung einen Nutzen daraus zieht“, erklärte Zeller.Kronbichler: Autonomiegefühl ist in Südtirol schwach ausgeprägt In Südtirol sei das Autonomiegefühl nur sehr schwach ausgebildet, bemängelte Journalist Florian Kronbichler. „Wer sich heute zur Autonomie bekennt, gilt vielfach als ‚Verzichtler’“, so Kronbichler, der für mehr Autonomiegeist und Autonomiepatriotismus plädierte.„Die Autonomie ist eine Erfolgsgeschichte“, wiederholte SVP-Obmann Richard Theiner zum Abschluss der Veranstaltung. Auch viele Italiener würden sich heute zur Autonomie bekennen und sich als Südtiroler italienischer Muttersprache bezeichnen.Daher gehe es nun darum, den Weg in Richtung Vollautonomie mit vereinten Kräften zu beschreiten.