Samstag, 30. März 2019

20.000 bei Demo gegen umstrittenen Familienkongress

Aus Protest gegen einen von konservativen christlichen Gruppen organisierten Weltfamilienkongress sind am Samstag in Verona Tausende Menschen auf die Straße gegangen, darunter auch viele Südtiroler. Die Polizei sprach am Nachmittag von rund 20.000 Teilnehmern.

In Verona beteiligten sich auch zahlreiche Teilnehmer aus Südtirol an der Demo. - Foto: AP
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In Verona beteiligten sich auch zahlreiche Teilnehmer aus Südtirol an der Demo. - Foto: AP

Zu der Kundgebung hatten feministische Organisationen, Gewerkschaften und linke Gruppierungen aufgerufen. Demonstranten waren aus ganz Italien angereist; an den umliegenden Parkplätzen wurden 140 Busse gezählt.

Vatikan hält sich fern

Das am Freitag begonnene internationale Treffen gilt als Sammelpunkt erzkonservativer Christen und rechter Politiker, die sich gegen Abtreibung und Homo-Ehe positionieren. Am Samstag sprach dort auch die deutsche Adelige Gloria von Thurn und Taxis. Außerdem wurde ein Auftritt des italienischen Innenministers und Chefs der rechten Partei Lega, Matteo Salvini, erwartet. Salvini hatte allerdings schon vor der Tagung gesagt, „gesellschaftliche Errungenschaften“ der vergangenen Jahre sollten in Italien nicht zurückgedreht werden. Er sprach sich damit gegen eine Verschärfung des Abtreibungs- oder Scheidungsrechts aus. Es gehe ihm vielmehr darum, wie man italienischen Familien helfen könne.

Hinter dem Treffen, das jedes Jahr in einem anderen Land stattfindet, steht ein christlich-fundamentalistisches Netzwerk evangelikaler Prägung aus den USA. Der Vatikan hält sich von dem Kongress in Verona fern. Papst Franziskus bekräftigte am Samstag auf seiner Reise nach Marokko laut Nachrichtenagentur Ansa die Worte des Kardinalstaatssekretärs Petro Parolin, das Treffen sei von der Sache her korrekt, aber von der Methode her verkehrt.

SVP-Frauenbewegung besorgt

Mit einem besorgten Blick verfolgt auch die SVP-Frauenbewegung den „World Congress of Families“, der sich ausschließlich für die „traditionelle Ehe und Familie“ ausspricht. „Dieses Stelldichein konservativer und rechter Kräfte ist nicht nur widersprüchlich und unglaubwürdig, sondern verbreitet noch dazu rückständige, ewiggestrige und intolerante Vorstellungen von Frau und Familie“, erklärt SVP-Landesfrauenreferentin Renate Gebhard. 

Mann, Frau und möglichst viele Kinder sind das Ideal, dass die „International Organisation for the Family“ mit Sitz in den USA bei ihrem jährlichen „World Congress of Families“ vertritt. „Es gibt wohl kaum eine Organisation, die noch rückständigere Ideen vertritt“, erklärt die SVP-Landesfrauenreferentin Renate Gebhard, die den Kongress mit einem besorgniserregenden Blick verfolgt. „Unsere Gesellschaft hat nur dann Zukunft, wenn wir uns den neuen und vielfältigen Formen der Familie nicht verschließen und erworbene Frauenrechte nicht leichtfertig aufgeben“, so Gebhard.

Gezielt Familien fördern

Die SVP-Parlamentarierin zeigt sich davon überzeugt, dass die Einführung eines Abtreibungsverbotes und die alleinige Förderung der „natürlichen Familie mit Ehemann, Frau und Kindern“ in Bezug auf das Ziel die Geburtenrate anzuheben, keinen Erfolg bringen werde. „Es braucht hingegen gezielte Maßnahmen, um Familien zu fördern“, so Gebhard, „dann werden sich auch wieder mehr junge Paare für mehr Kinder entscheiden.“ Dabei brauche man nicht sprichwörtlich das warme Wasser neu erfinden, sondern könne viel von anderen Ländern lernen. „Es reicht ein Blick in unseren Nachbarstaat Frankreich, der erfolgreich auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzt“, betont Renate Gebhard. „Junge Eltern wollen heute berechtigterweise beides unter einen Hut bringen: Kinder und Karriere.“ Dies zeige auch eine Studie, die am gestrigen Donnerstag in Österreich vorgestellt wurde. 

Die SVP-Frauenbewegung warnt abschließend eindrücklich davor, lang und hart erworbene Rechte der Frauen leichtfertig aufs Spiel zu setzen.

Demos 

Wie berichtet werden zur Demo in Verona auch zahlreiche Teilnehmer aus Südtirol erwartet. Mehrere Parteien, Gewerkschaften und andere Organisationen haben zum Widerstand aufgerufen. Sie wehren sich, dass hart erkämpfte Rechte angezweifelt werden und nur mehr die traditionelle Familie gelten soll.

stol

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