Dienstag, 20. Oktober 2020

356 Millionen Kinder leben in extremer Armut

Schätzungsweise jedes 6. Kind - oder 356 Millionen weltweit - hat bereits vor der Corona-Pandemie in extremer Armut gelebt. Die wird sich laut einer neuen Analyse der Weltbankgruppe und UNICEF noch erheblich verschlimmern.

Die Armut ist mancherorts erdrückend.
Die Armut ist mancherorts erdrückend. - Foto: © APA (AFP/Symbolbild) / MOHAMMED HUWAIS
Die andauernde Covid-19-Krise wird sich weiterhin unverhältnismäßig stark auf Kinder, Frauen und Mädchen auswirken, heißt es darin. Von Armut sind vor allem Kinder in Afrika südlich der Sahara betroffen.

2 Drittel aller Kinder leben dort in Haushalten, die mit durchschnittlich 1,90 Dollar pro Tag oder weniger pro Person ums Überleben kämpfen. Dies repräsentiert das internationale Maß für extreme Armut. Fast ein Fünftel dieser Kinder lebt in Südasien.

Die Analyse zeigt außerdem, dass die Zahl der in extremer Armut lebenden Kinder zwischen 2013 und 2017 moderat um 29 Millionen zurückgegangen ist.

UNICEF und die Weltbankgruppe warnen jedoch davor, dass alle in den letzten Jahren erzielten Fortschritte besorgniserregend langsam, ungleich verteilt und aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie gefährdet sind.

Die Daten von Weltbank und UNICEF deuten darauf hin, dass die meisten Länder auf die Krise mit der Ausweitung von Sozialschutzprogrammen, insbesondere von Geldtransfers, reagiert haben. Bargeldtransfers bieten eine Plattform für längerfristige Investitionen in Humankapital.

Vor allem in Kombination mit anderen Maßnahmen zur Förderung der Entwicklung von Kindern und in Verbindung mit qualitativ hochwertigen sozialen Dienstleistungen haben Geldtransfers nachweislich sowohl die monetäre als auch die multidimensionale Armut bekämpft und die Gesundheit, die Ernährung sowie die kognitiven und nicht-kognitiven Leistungen von Kindern verbessert.

Viele der Reaktionen seien jedoch kurzfristig und nicht ausreichend, um auf den Umfang und die erwartete Langwierigkeit einer Erholung zu reagieren, betonten UNICEF und Weltbank. Es sei wichtiger denn je, dass Regierungen ihre Sozialschutzsysteme und -programme ausbauen und anpassen, um sich auf zukünftige wirtschaftliche Schocks vorzubereiten. Dazu gehören Innovationen für die finanzielle Nachhaltigkeit, die Stärkung der rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen, der Schutz des Humankapitals, die langfristige Ausweitung der Kinder- und Familienleistungen sowie Investitionen in familienfreundliche Politik, wie bezahlter Elternurlaub und eine hochwertige Kinderbetreuung für alle.

apa

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