Die Mitglieder der Protestbewegung sprachen dem 32-jährigen Parteichef am Donnerstag bei einer Abstimmung auf der parteieigenen Internetplattform mit 80 Prozent das Vertrauen aus. 56.127 Anhänger beteiligten sich zwischen 10 und 20 Uhr an der Abstimmung, die Di Maio selber nach der Wahlpleite ausgerufen hatte. Die Fünf-Sterne-Bewegung erhielt bei der Europawahl am Sonntag nur 17,1 Prozent der Stimmen - etwa halb so viel wie der Koalitionspartner Lega- und 6,2 Millionen Stimmen weniger als bei den Parlamentswahlen 2018.Parteiinterne KritikParteiinterne Kritiker Di Maios behaupteten, er bekleide zu viele Rollen in der Regierung. Der 32-Jährige ist nicht nur Parteichef und stellvertretender Ministerpräsident, sondern auch Industrie- und Arbeitsminister der Regierung. Wegen seiner vielfältigen Verpflichtungen habe Di Maio der Partei und dem Wahlkampf zu wenig Zeit gewidmet - zugunsten des koalitionsinternen Partners Lega. Hinzu sei die Bewegung zu wenig auf lokaler Ebene präsent. Dies bezeuge auch das enttäuschende Resultat der Fünf-Sterne-Bewegung bei Kommunalwahlen, die am Sonntag in 3.654 italienischen Gemeinden stattfanden.Abwahl erschien eher unwahrscheinlichTrotz heftiger Attacken schien es von Anfang an unwahrscheinlich, dass Di Maio die Parteiführung verliert. Die Schwergewichte der Gruppierung, unter anderem Parteigründer Beppe Grillo, Justizminister Alfonso Bonafede und die Turiner Bürgermeisterin Chiara Appendino, bekräftigten ihr Vertrauen in den jungen Parteichef. Di Maio ist der Ansicht, die Gruppierung solle ihre Allianz mit der Lega weiterführen. Die Bewegung müsse noch mehrere im Koalitionsvertrag enthaltene Schwerpunkte umsetzen, behauptet Di Maio.Ein Votum gegen Di Maio hätte vermutlich eine größere Krise in der Populisten-Allianz ausgelöst, die am Samstag genau ein Jahr im Amt ist. Die beiden grundverschiedenen Parteien sind seit Wochen im Streit und können sich nicht auf gemeinsame Projekte einigen wie zum Beispiel auf wichtige Infrastrukturvorhaben. Di Maio schaffte es zuletzt nicht, dem dominanten Innenminister Salvini die Stirn zu bieten, der mit seinem harten Kurs gegen Migranten beliebt beim Volk ist.apa/stol