Heuer waren an die 2.000 Teilnehmer, davon etwa 1.500 Schützen und Marketenderinnen, der gemeinsamen Einladung des Südtiroler Schützenbundes und des Südtiroler Heimatbundes gefolgt. Österreich war durch den Abgeordneten zum österreichischen Nationalrat Werner Neubauer vertreten. Aus der hiesigen Politik waren die Abgeordneten zum Südtiroler Landtag Martha Stocker, Tamara Oberhofer, Pius Leitner, Bernhard Zimmerhofer, Sven Knoll und Myriam Atz-Tammerle gekommen. Auch der Eppaner Bürgermeister Wilfried Trettl war anwesend. Nach der Frontabschreitung in der Paulsnerstraße durch Landeskommandant Elmar Thaler (SSB), Roland Lang (SHB), Mjr. Christian Meischl (BTSK), LKdt. Paolo Dalprà (WTSB) erfolgte der Abmarsch und der Einzug in die Pfarrkirche von St. Pauls.Dort zelebrierte Pater Reinald Romaner OFM die heilige Messe in Gedenken an all jene, die für die Freiheit der Heimat ihr Leben lassen mussten. Pater Romaner sagte, dass der Verstorbenen zu gedenken auch Heimatpflege sei. Tugenden wie Aufrichtigkeit, Standhaftigkeit und Ehrlichkeit seihen Tugenden die zur Heimatliebe dazugehören.Der zweite Teil der Gedenkfeier fand anschließend im Paulsner Friedhof statt. Eingangs begrüßte dort Roland Lang, der Obmann des Südtiroler Heimatbundes, alle Anwesenden und wies auf die friedliche Abstimmung in Schottland hin. Auch Italien müsse Südtirol dieses Recht zugestehen.Gedenkrede von Kerschbaumer Weggefährten Es folgte die Gedenkrede von Heinrich Oberleiter, einem ehemaligen Weggefährten von Sepp Kerschbaumer, der selbst an den Anschlägen in den 1960er beteiligt war. Da es bis heute Haftbefehle der italienischen Justiz gegen Oberleiter gibt, kann er - 50 Jahre nach den Anschlägen –immer noch nicht nach Südtirol einreisen. Die Rede musste deshalb von Benjamin Rauchenbichler, einem jungen Schützen der SK Steinhaus im Ahrntal verlesen werden."Im Alter von nur 20 Jahren schloss sich Heinrich Oberleiter dem Südtiroler Freiheitskampf gegen die Willkür des italienischen Staates an. Er wurde bekannt als einer der "Pusterer Buam". In fragwürdigen Schauprozessen, an denen der italienische Staat bis heute unnachgiebig festhält, wurde er zu langjährigen Haftstrafen verurteilt", erklärt der Südtiroler Schützebund. Zunächst erzählte Oberleiter von seiner spektakuläre Flucht nach Österreich im Dezember 1963. „Wer hätte damals gedacht, dass diese Flucht womöglich ein endgültiger Abschied von meiner Heimat werden sollte?! Und wer konnte damals schon ahnen, mit welch unglaublichen persönlichen Opfern dieser Freiheitskampf letztendlich verbunden sein würde?“, so Oberleiter."Nicht links, nicht rechts"Im Gegensatz zu Untergrundkämpfern wie den Brigate Rosse oder zur RAF ging es den Südtiroler Aktivisten nie darum, die Rechtsstaatlichkeit anzugreifen, so Oberleiter. Man lasse sich auch heute nicht in rechts oder links einordnen, denn man habe damals einzig und allein für die Heimat gekämpft. „Es ging um Tirol.“Oberleiter schloss seine patriotische Rede mit einem klaren Auftrag an alle Anwesenden: „Jetzt müsst ihr die Zukunft unserer Heimat Südtirol in die Hand nehmen! Heute braucht es natürlich keine Gewaltanschläge mehr, um unserem Ziel näherzukommen. Heute habt ihr andere Möglichkeiten und Chancen. Aber tun müsst ihr etwas! Lasst euch nicht einlullen vom Wohlstand! Ruht euch nicht aus auf dem, was Südtirol bisher erreicht hat! Jetzt seid ihr dran! Jetzt müsst ihr für die Freiheit kämpfen! Jetzt müsst ihr euch für die Einheit Tirols einsetzen!“"Mit Italien untergehen"Es folgten die Schlussworte des Landeskommandanten Elmar Thaler. Dieser verwies darauf, dass so lange man zu Italien gehöre, auch mit Italien untergehen werde. Da helfe auch keine Autonomie und auch keine Europaregion Tirol, die man in Brüssel nicht ernst nehme.„Wir sind die Stimme jener, die vor uns für die Heimat eingestanden sind, für sie gelitten haben und für sie gestorben sind. Tun wir also alles dafür, dass 100 Jahre nach dem ersten Weltkrieg, mit friedlichen Mitteln wieder zurechtgerückt wird, was italienische Habgier damals heraufbeschworen hat und mehr als einer Million Menschen im Krieg und leider auch einigen im Freiheitskampf der 1960er Jahre – auf beiden Seiten – das Leben gekostet hat“, sagte Thaler.Musikalisch umrahmt wurde die gesamte Feier von der Musikkapelle Frangart. Die Ehrensalve feuerte die Schützenkompanie "Sepp Kerschbaumer" Eppan ab. Zur Kranzniederlegung erklang die Weise des "Guten Kameraden".Abgeschlossen wurde die würdige Gedenkfeier traditionsgemäß mit der Tiroler Landes- und der Österreichischen Bundeshymne.