Samstag, 30. Juli 2016

70 Jahre Pariser Vertrag - Kritik an Sonderzeitung von "Land Südtirol"

Mit der Unterzeichnung des Pariser Vertrags wurde vor 70 Jahren der Grundstein für die Südtirol-Autonomie gelegt. Die aus diesem Anlass von der Landesregierung publizierte Sonderzeitung "Land Südtirol" sorgt für Kritik in Reihen der Opposition.

In der Sonderausgabe von "Land Südtirol" wird der Weg der Südtirol-Autonomie aufgezeigt
Badge Local
In der Sonderausgabe von "Land Südtirol" wird der Weg der Südtirol-Autonomie aufgezeigt - Foto: © LPA

"Bis auf wenige Ausnahmen ist die Sonderzeitung "Land Südtirol" der Landesregierung zum 70-jährigen Jubiläum des Pariser Vertrages eine Ansammlung von Sprechblasen, in der wichtige historische Ereignisse einfach ausgeblendet werden", kritisiert Andreas Pöder, der Landtagsabgeordnete der BürgerUnion.

"In der Sonderzeitung wird die Entwicklung der Südtirol-Autonomie von der Unterzeichnung des Gruber-Degasperi-Abkommens im Jahr 1946 bis heute auszugsweise beschrieben und vor allem werden die der heutigen Landesregierung wichtigen Eckpunkte wie mehrsprachige Schule beleuchtet. Historische Meilensteine wie die Feuernacht 1961 und die Kundgebung auf Schloss Sigmundskron 1957 kommen schlichtweg nicht mit einem Wort vor", so Pöder.

"Wenn sich die Landesregierung und Landeshauptmann Arno Kompatscher in ihrer Sonderzeitungallein auf den Pariser Vertrag beschränkt hätten, wäre das noch nachvollziehbar, aber nachdem eine solche Zeitung natürlich die Entwicklung vom Vertrag bis zur heutigen Autonomie auch nachzeichnen muss, so kann man mit die wichtigsten Einschnitte auf dem Weg zum zweiten Autonomiestatut und zur Umsetzung des Pariser Vertrages nicht einfach weglassen", so Pöder weiter.

"Auch für die Entwicklung der Autonomie und die Umsetzung des Buchstabens des Pariser Vertrages wichtige historische Südtiroler Persönlichkeiten, wie Alfons Benedikter, als Mit-Entwickler des Autonomiestatuts und Vater der Landesraumordnung und des Umweltschutzes in Südtirol oder auch Peter Brugger werden mit keinem Wort erwähnt, Benedikter nur nebenbei in einem kurzen Gastkommentar, aber nicht in den Artikeln zur Entwicklung des Autonomiestatuts oder zur Raumordnung und zum Umweltschutz."
 
"Wenn man schon über die Geschichte der Autonomie schreibt und redet und dann noch sich selbst mi tdieser Geschichte in Verbindung bringen will wie dies Kompatscher und Co. tun, dann sollte man wenigstens die wichtigen Eckpunkte der jüngeren Geschichte Südtirols würdigen oder zumindest nicht einfach verschweigen", meint der Abgeordnete der Bürgerunion

Die Sonderausgabe von "Land Südtirol" zum Pariser Vertrag finden Sie unter nachfolgendem Link:  https://www.scribd.com/document/319646719/Pariser-Vertrag-70Jahre-Das-Land-Sudtirol-0716

Heimatbund: Verschweigen macht Geschichte auch nicht besser

"Über die Auswahl der Autorinnen und Autoren mag man streiten, aber Fakt ist, dass auch die Landeshauptmänner Karl Eckert und Alois Pupp etwas für unser Land getan haben", meint Roland Lang, Obmann des Südtiroler Heimatbundes. Alles auf Silvius Magnago und Luis Durnwalder zu konzentrieren, so wie es Landeshauptmann Kompatscher in seinem Vorwort geschrieben habe, sei politisch kurzsichtig und falsch. Besonders Alfons Benedikter, aber auch Peter Brugger, Hans Dietl, um nur einige Politiker beim Namen zu nennen, hätten wesentlich dazu beigetragen, dass das Land halbwegs stabil in die heutige Zeit geleitet wurde, so Lang.

Warum die Feuernacht und die Aktionen der Freiheitskämpfer verschwiegen wird, sei eine Frage, die sich der historisch bewanderte Leser stellen müsses. Nicht nur die schweren Menschenrechtsverletzungen durch Folterungen, Urteile in Abwesenheit, usw. würden unerwähnt bleiben, auch der Meuchelmord an Luis Amplatz und die Machenschaften des Geheimdienstes passen laut Lang anscheinend nicht in die gezinkte Landesgeschichte.

Wohl absichtlich seien auch nicht die Übergriffe italienischer Partisanen nach Kriegsende erwähnt worden. So wie etwa das Massaker von Gröden, bei dem fünf Bürger des Tales nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ihr Leben lassen mussten. Im Friedhof von St. Christina erinnern ihre Gräber an die Morde, während die Täter nie zur Rechenschaft gezogen wurden.

"Hat man Angst vor der Wahrheit oder muss man sich, 70 Jahre nach dem Pariser Vertrag, immer noch verstecken, wenn man eine objektive Geschichtsschreibung forcieren will? Das Verschweigen gewisser Tatsachen macht die Geschichte oder die Erinnerung an manche Vorkommnisse auch nicht besser", schließt Lang.

stol