Freitag, 04. September 2020

939 Kindergartenkinder vor Ausschluss

Für 939 Kindergartenkinder dürfte am Montag die Tür zum Kindergarten verschlossen bleiben. Das sind rund 5,9 Prozent der insgesamt 15.946 Kindergartenkinder. Sie weisen entweder keine oder eine unvollständige Impfbiografie auf. Noch scheint aber nicht aller Tage Abend, denn heute Früh gibt es noch eine letzte Aussprache zwischen Fachleuten des Gesundheitswesens und des Bildungssektors, wie das Tagblatt „Dolomiten“ berichtet.

Der Spaß hat eine Ende: Bisher hatte das Land eine Engelsgeduld mit unzureichend oder ungeimpften Kindern im Kindergarten. Ab Montag soll damit Schluss sein.
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Der Spaß hat eine Ende: Bisher hatte das Land eine Engelsgeduld mit unzureichend oder ungeimpften Kindern im Kindergarten. Ab Montag soll damit Schluss sein. - Foto: © shutterstock
Im Raum steht die Frage, ob alle 939 betroffenen Kindergartenkinder trotz Impf-Stopp in den Corona-Monaten davor oder danach auch tatsächlich die Möglichkeit hatten, sich impfen zu lassen. Diese Frage hat sowohl die Süd-Tiroler Freiheit als auch das Team K aufgeworfen.

Diese Zweifel räumt Generaldirektor des Sanitätsbetriebs, Florian Zerzer, aus. „Kinder, deren Impftermin von Amts wegen verschoben worden ist oder aber aus Krankheitsgründen – samt ärztlichem Zeugnis – nicht wahrgenommen werden konnte, haben einen neuen Termin bekommen“, sagt Generaldirektor Zerzer. Dieser Termin könne auch erst nach Beginn des Kindergartenjahres fixiert sein. Und bis zu diesem Impftermin sind Kinder zum Kindergartenbesuch zugelassen.

Fälle müssen unterschieden werden

Anders gelagert seien aber Fälle von Kindern, deren Eltern bereits vor der Corona-Epidemie Impftermine haben ungenutzt verstreichen lassen und sich auch danach nicht bemüht hätten, den Impf-Status ihres Kindes zu sanieren. Diesbezüglich nimmt der Landesregierungsbeschluss vom 14. Juli Bezug auf ein Gutachten der Anwaltschaft des Landes, wonach Eltern von Kindern, die eine Impfvormerkung hatten, aber die Impfpflicht nicht erfüllt haben, keine neue Impfvormerkung mehr einreichen können. Es sei denn, das Nicht-Impfen ist auf die Organisation des Impfdienstes oder auf in der Zwischenzeit aufgetretene Gesundheitsprobleme des Kindes zurückzuführen.

Höchster Anteil in ladinischen Kindergärten

Zu den nackten Zahlen: Den höchsten Anteil an ungeimpften bzw. nicht ausreichend geimpften Kindergartenkindern, die für das kommende Kindergartenjahr eingeschrieben wurden, weist der ladinische Kindergarten auf. Von insgesamt 708 Kindern fehlt 52 ein ausreichender Impfschutz. Das sind 7,3 Prozent.

In den deutschsprachigen Kindergärten wurde bei 825 Kindern von insgesamt 11.926 Knirpsen unzureichende Impfungen festgestellt. Das ist ein prozentueller Anteil von 6,9 Prozent. Die wenigsten Ausschlüsse müssen an den italienischen Kindergärten vorgenommen werden. Dort verfügen nur 62 Kinder von insgesamt 3312 Eingeschriebenen über eine löchrige oder fehlende Impfbiografie. Das sind nur 1,8 Prozent aller Kindergartenkinder.

Sofortiger Ausschluss bis Erfüllung der Impfpflicht

Auch heuer gilt: Der formelle Impfantrag beim Sanitätsbetrieb,
sprich die Vormerkung, ist eine provisorische Impfdokumentation bis zum festgelegten Impf-Termin. Wird dieser nicht wahrgenommen, bedeutet dies den sofortigen Ausschluss des Kindergartenkindes. Sollte das Kind am vorgemerkten Impftag krank sein, muss ein ärztliches Zeugnis vorgelegt werden. Nach dem Ausschluss eines Kindes wird dieses erst wieder zugelassen, sobald die Impfpflicht erfüllt ist.

Detail am Rande: Die öffentlichen Kinderhorte in Bozen, Brixen, Meran und Leifers müssen kein Kleinkind ausschließen, da dort bei der Einschreibung bereits die vollständige Impfdokumentation vorgelegt werden musste.

lu