Die schlechte Nachricht besteht konkret darin, dass die beiden zuständigen Minister Giulio Tremonti (Finanzen) und Altero Matteoli (Verkehr) eine Weisung an die ANAS unterschrieben haben, in der die Eckpunkte der Ausschreibung fixiert sind. Damit dürfte die ANAS in Kürze die Ausschreibung einleiten. Möglichkeiten, den bereits ausgearbeiteten Textentwurf für die In-House-Gesellschaft – also eine rein öffentliche Gesellschaft – in ein Gesetz zu packen, ließ man in Rom dagegen verstreichen. So hätte man u. a. das Sparpaket dazu nutzen können. „Die Rückmeldungen aus Rom waren bis vor kurzem noch, dass es aus Zeitgründen nicht möglich gewesen sei, die Passage einzufügen“, erklärte dazu A22-Präsident Walter Pardatscher gegenüber der Tageszeitung „Dolomiten“.Man habe aber versichert, innerhalb August eine andere Möglichkeit zu finden. Nun allerdings signalisiert Rom mit der Anweisung an die ANAS ganz anderes. Passend dazu ließ auch der von der Regierung eingesetzte Koordinator für den Ausbau der Brennerachse, Mauro Fabris, die Spitze der Brennerautobahn AG wissen, die Chancen auf eine In-House-Lösung seien gering. Theoretisch sind auch mit der Anweisung an die ANAS noch keine unumkehrbaren Fakten geschaffen. Zudem lässt der Stichtag, an dem die Konzession verfällt (30. April 2014) zeitlich noch jede Menge Spielraum. Andererseits hat Rom u. a. mit entsprechenden Passagen im Stabilitätspakt finanzielle Einnahmen mit der Konzessionsvergabe gekoppelt. Und eben diese finanziellen Vorgaben setzen die Regierenden nun unter Zeitdruck. Im Sitz der Brennerautobahngesellschaft in Trient macht man sich jedenfalls bereits mit der neuen Situation vertraut.„Wir sind immer noch der Meinung, dass die In-House-Lösung eine tolle Sache ist, und dass auch mit dieser die festgeschriebenen finanziellen Verpflichtungen einhaltbar sind. Die Chancen für eine solche In-House-Gesellschaft sind nun allerdings gering, und so befassen wir uns gedanklich mit der Ausschreibung“, sagt Pardatscher.Man werde auf jede Situation, die sich ergebe, pflichtbewusst reagieren, versichert der Autobahn-Präsident. Und fügt hinzu: „Wir sind als Gesellschaft sehr gut aufgestellt und haben auch bei einer Ausschreibung unsere Chance. Aber leicht wird es nicht.“ih/D