Dienstag, 09. Juli 2019

Ab 2020 nur noch mit Injektor-Düse

„Der Beschluss ist nicht unumstritten, doch gibt es dazu keine Alternative“, sagt Landesrat Arnold Schuler. Um die Abdrift bei Pflanzenschutzmitteln in den Griff zu bekommen, wird ab kommendem Jahr die Verwendung von Injektor-Düsen bei Sprühgeräten für den gesamten Südtiroler Obstbau zur Pflicht. „Mit Strafen bis zu 10.000 Euro“, erklärt Schuler.

Um die Abdrift bei Pflanzenschutzmitteln in den Griff zu bekommen, wird ab kommendem Jahr die Verwendung von Injektor-Düsen bei Sprühgeräten für den gesamten Südtiroler Obstbau zur Pflicht.
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Um die Abdrift bei Pflanzenschutzmitteln in den Griff zu bekommen, wird ab kommendem Jahr die Verwendung von Injektor-Düsen bei Sprühgeräten für den gesamten Südtiroler Obstbau zur Pflicht. - Foto: © shutterstock

Der Unterschied liegt in den Tropfen, die bei Injektor-Düsen deutlich größer, somit schwerer und beträchtlich weniger anfällig sind, durch die Luft weitertransportiert zu werden. Die Landesregierung hat die Abdrift mit Leitlinien geregelt und ist weit über den staatlichen Aktionsplan hinausgegangen.

Pflanzenschutzmittel bestimmter Gefahrenklassen dürfen nicht innerhalb von 30 Metern Entfernung zu Schulen, Kindergärten oder Spielplätzen eingesetzt werden. Wird jedoch ein Sprühgerät mit abdriftmindernder Technik verwendet, gilt ein Sicherheitsabstand von 10 Metern. Auch eine 3-Meter-Hecke erlaubt es, den Sicherheitsabstand auf 10 Meter zu verringern. Seit diesem Jahr ist die Verwendung so genannter Injektor-Düsen im integrierten Obstbau Pflicht.

Die Verwendung der Injektor-Düsen wird ab 2020 Pflicht. - Foto: vs

„Trotzdem sorgt die Verfrachtung von Pflanzenschutzmitteln durch die Luft weiter für Debatten und hat Priorität“, so Schuler. Auf seinen Vorschlag hat die Landesregierung am Dienstag deshalb beschlossen, dass ab kommendem Jahr die Umstellung auf Injektor-Düsen für alle verpflichtend ist. „Also auch für Weinbau und biologischen Anbau“, sagt Schuler.

„Wir wissen, dass wir den Bauern weitere Maßnahmen abverlangen. Wir setzen damit einen weiteren, aktiven Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.“ Der Landesrat hebt hervor, dass die Wirkstoffe schon bei ihrer Zulassung auf Unbedenklichkeit für unbeteiligte Dritte geprüft werden:„Damit sind laut Vorsorgeprinzip in Europa zum Beispiel Passanten wie Wanderer oder Radfahrer bereits bisher geschützt."

In den letzten Jahren habe man eine Reihe von Maßnahmen getroffen, um die Abdrift zu reduzieren. Dennoch gehe man diesen zusätzlichen Schritt, der im Vorfeld mit den Vertretern aus dem Landwirtschaftssektor abgesprochen wurde, merkt Schuler an.

Der Unterschied liegt in den größeren Tropfen

Der Unterschied liegt in den Tropfen, die bei Injektor-Düsen deutlich größer, somit schwerer und beträchtlich weniger anfällig sind, durch die Luft weitertransportiert zu werden.

„Trotzdem ist die Wirksamkeit gegeben“, so Schuler. Strittig sei dies nur bei Mehrreihen-Systemen sowie bei Steillagen, die mit dem Traktor nicht befahrbar sind. „Deshalb gibt es hier ein Jahr Aufschub“, so Schuler. Dies mache aber nur wenige Prozent der Südtiroler Anbaufläche aus.

Auf die Bauern kommen Investitionen für die Umrüstung zu. Die neue Technik ist aufwändiger in der Ausbringung und intensiver in der Wartung. „Es ist aber im Interesse der Landwirtschaft, dass man ein Produkt dorthin spritzt, wo es hin soll: auf die Pflanze“, so Schuler. Die Strafen für Zuwiderhandlungen erreichen bis zu 10.000 Euro.

Nachgedacht hat die Landesregierung auch über weitere Maßnahmen zu einem späteren Zeitpunkt. Sie sollen den Wein- und Obstbau im Sinne der Qualität und Wirtschaftlichkeit auf angemessene Höhenlagen beschränken.

So schlägt die Südtiroler Landesregierung im Weinbau eine grundsätzliche Höhenbeschränkung auf 1100 Höhenmeter und einen Nachweis der erforderlichen Wasserverfügbarkeit durch die Vorlage der entsprechenden Wasserkonzession vor.

Auch Apfelanbau will sie eine Höhenbeschränkung einführen. Zudem soll, wie im Weinbau bereits praktiziert, eine agronomische Formel angewendet werden, mit der man geeignete Standorte für den Apfelanbau ermitteln kann.

D/bv / lpa

stol