Die CSU hat ihren Parteichef mit großer Mehrheit bestätigt, aber die Dinge in Bayern stehen für die Christsozialen dann doch nicht so gut, wie das Ergebnis nahe der 100-Prozent-Marke vermuten lassen würde.<BR /><BR />Was nämlich die Umfragen im Vorfeld der Landtagswahlen angeht, so steht die einst erfolgsverwöhnte Partei nicht gut da, jedenfalls für ihre Verhältnisse. Keines der großen Meinungsforschungsinstitute spricht ihr ein paar Tage vor der Entscheidung 40 Prozent zu, alle Prognosen bewegen sich in den Dreißigern. Das tut weh in der Erinnerung an Zeiten, in denen 50 Prozent und mehr zur sicheren Ausstattung gehört hatten. <h3> Das ging gründlich schief</h3>Außerdem geht ein weißer Elefant durch die Halle. Es ist die Affäre um den Koalitionspartner Hubert Aiwanger, den Chef der Freien Wähler, den die linke Opposition zusammen mit einer ebensolchen Tageszeitung abschießen wollte, damit die CSU allein dastehen sollte und Söder die Grünen als Partner nehmen müsste. Das ist gründlich schiefgegangen, doch nicht zum Vorteil der CSU.<BR /><BR />Die Freien Wähler haben nämlich durch den Skandal einen unerwarteten Zuspruch erhalten, und man geht nicht fehl anzunehmen, dass es sich dabei um viele Stimmern handelt, die dem angeprangerten Aiwanger aus Trotz zugute kommen, in der typisch bayerischen Reaktion eines „jetzt erst recht“. Söder scheint das auch so zu sehen, denn er warnt in seiner großen Rede eindringlich vor „Leihstimmen“ für die Freien Wähler, die vielleicht abgegeben würden, um diese vor einem Untergang zu retten. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="945847_image" /></div> <BR /><BR />In einer anderen Sache aber zeigte die CSU alte Tugenden. Bei der Wahl zum Parteivorsitzenden, also der Bestätigung Söders in diesem Amt, bekam er 96,6 Prozent der Stimmen, sein bestes Ergebnis und eine große Überraschung. Denn eines ist sicher: Der Anteil der Delegierten, der Parteimitglieder oder der Wähler der CSU ist bei weitem nicht so groß wie bei dieser Wahl abgebildet. Manche wählen die CSU trotz Söder, und beim Parteitag zeigte sich wieder einmal die Fähigkeit der CSU, gerade in schlechten und stürmischen Zeiten Geschlossenheit zu beweisen.<BR /><BR />Außerdem muss sie ihren Junior-Partner nicht fürchten. Zwar sind ursprünglich so gut wie alle Stimmen der Freien Wähler aus dem Reservoir der CSU gekommen, doch heute dürfte Aiwanger mit seinen Leuten noch eine andere Quelle anstechen: nämlich die wachsende Zahl der Nichtwähler, für deren Parteienverdrossenheit er eine annehmbare Alternative zu bilden scheint.<BR />