Donnerstag, 09. Juli 2020

Abfertigung: Ende der Warterei

Die lange Warterei auf die Abfertigung – bis zu 2 Jahren plus 3 Monate Bearbeitungszeit – sollte bald für weit über 1000 öffentlich Bedienstete ein Ende haben. Dies berichtet das Tagblatt „Dolomiten“ am Donnerstag.

Statt jahrelanger Warterei auf die  Abfertigung können öffentlich Bedienstete seit 1. Juli bei bestimmten Banken einen Vorschuss beantragen, um schneller zum zustehenden Geld zu kommen.
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Statt jahrelanger Warterei auf die Abfertigung können öffentlich Bedienstete seit 1. Juli bei bestimmten Banken einen Vorschuss beantragen, um schneller zum zustehenden Geld zu kommen. - Foto: © LPA/Maja Clara
Seit 1. Juli ist es möglich, dass öffentlich Bedienstete, die in Pension gehen, bei der Bank einen Vorschuss von maximal 45.000 Euro bekommen.

„Jetzt muss das Land mit hiesigen Banken Konventionen abschließen“, fordert ASGB-Chef Tony Tschenett.

„Bereits 2019 auf den Weg gebracht“

In diesen Corona-Zeiten ist diese Neuerung bei den Abfertigungen bisher unbemerkt geblieben. „Bereits 2019 hatte das Vizepremier Salvini auf den Weg gebracht. Allerdings fehlte bis dato ein entsprechendes Dekret. Nach einem Urteil des Rechnungshofes, dass der Staat diese Norm anzuwenden hat, wurde am 15. Juni dieses Dekret endlich erlassen, und die öffentlich Bediensteten können diese neue Möglichkeit seit 1. Juli beanspruchen“, führt Tschenett aus. In Südtirol seien es weit über Tausend öffentlich Angestellte, die auf die Abfertigung warten.

Am Mittwoch war der Vorschuss auf die Abfertigung Thema bei der Sitzung der Gewerkschaften und der öffentlichen Delegation zum bereichsübergreifenden Vertrag (BÜKV). „Aber nur für wenige Minuten, da hier noch bei der öffentlichen Delegation Informationsbedarf besteht. Aber es wurde uns bestätigt, dass im Gesundheitsbetrieb bereits ein Fall behandelt worden ist“, sagt Horst Pescolderung (ASGB).

Die Vorgehensweise, um einen Vorschuss beantragen

Die Vorgehensweise, um einen Vorschuss beantragen zu können, sei laut Pescolderung folgende. „Beantragen können ihn Bedienstete, die mit der Fornero-Reform in Pension gehen. Das heißt, 41 Jahre und 10 Monate Arbeitsleben für Frauen und 42 Jahre und 10 Monate für Männer. In die Regelung fallen auch alle jene, die 67 sind und die Altersrente bekommen, sowie alle jene, die mit der Quote 100 in Pension gehen können“, erklärt Pescolderung.

Bevor man zur Bank gehen kann, muss der Antragsteller selbst beim NISF/INPS oder über ein Patronat eine Bestätigung anfordern, wonach er beim öffentlichen Arbeitgeber – Land, Gemeinde, Sanitätsbetrieb, Altersheime usw. – gearbeitet, Anrecht auf die Abfertigung hat und der Betrag ausgezahlt werden kann. Dafür hat das INPS bis zu 90 Tage Zeit.

„Nur mit dieser Bestätigung kann der Antragsteller zur Bank gehen. Allerdings sind die Banken in Südtirol, die auf der Vorschuss-Liste stehen, sehr spärlich gesät“, sagt Pescolderung. Er habe bis jetzt nur ein Institut aus dem Veltlin auf der Liste gefunden, das auch in Südtirol präsent ist. „Hier braucht es noch Nachschub. Das Land muss mit den einheimischen Bankinstituten noch Konventionen abschließen“, sagen sowohl Tschenett als auch Pescolderung.

Bei der Bank seien dann noch eine Reihe von persönlichen Daten abzuliefern, um den Darlehensvertrag zu bekommen. „Sobald dieser unterzeichnet ist, muss die Bank den Vorschuss innerhalb 15 Tagen auszahlen“, so Pescolderung.

Nicht zum Nulltarif

Aber den Vorschuss gibt es nicht zum Nulltarif. „Wer ihn beansprucht, dem werden 50 Prozent der Zinsen über die Besteuerung der Abfertigung verrechnet und die restlichen 50 Prozent sind so an die Bank zu zahlen. Aber das ist günstiger als 2 Jahre auf die Abfertigung zu warten“, meint Tschenett. Die Bankenvereinigung ABI sei noch dabei, den genauen Zinssatz zu quantifizieren. „Er soll aber unter 2 Prozent liegen“, so Pescolderung.

lu