Montag, 17. August 2015

Abgang mit Lorbeeren und Neustart mit Fragezeichen

Neun Jahre und zehn Monate war Ewald Moroder Bürgermeister von St. Ulrich. Daran werden auch die Neuwahlen nichts ändern, denn Moroder tritt nicht mehr an - ebenso wenig wie sein Vize Armin Lardschneider. Damit fehlen der SVP in St. Ulrich drei Monate vor den Wahlen die zwei stärksten Köpfe.

Aus und vorbei: Ewald Moroder wird nicht mehr als Bürgermeister kandidieren. Foto: Twitter
Badge Local
Aus und vorbei: Ewald Moroder wird nicht mehr als Bürgermeister kandidieren. Foto: Twitter

Bei den letzten Gemeinderatswahlen hatte er 939 Stimmen auf sich vereinen können. Da die Wahlbeteiligung in der Gemeinde, in der nur die SVP angetreten war, aber das Quorum von 50 Prozent nicht erreicht hatte, bekam St. Ulrich eine kommissarische Verwaltung (STOL hat berichtet). Diese Zeit geht mit den Neuwahlen am 15. November zu Ende. 

Während die SVP letzthin als einzige Partei angetreten ist, fallen nun zwei gewichtige Zugpferde auf einmal weg. Für STOL blicken der ehemalige Bürgermeister Ewald Moroder zurück und der SVP-Ortsobmann Alexander Comploj in die Zukunft.

Südtirol Online: Sie treten bei den Neuwahlen nicht mehr an. Wann haben Sie sich zu der Entscheidung durchgerungen?

Ewald Moroder: Eigentlich habe ich die Entscheidung bereits vor einem Monat dem Ortsobmann mitgeteilt. Dieser bat mich dann, das Öffentlichmachen noch hinauszuzögern, bis die Ergebnisse der Umfrage (man hat via Papierbogen nach möglichen Kandidatennamen gefahndet, Anm. d. Red.) vorliegen. Obwohl ich dabei am besten abgeschnitten haben, hat das an meinem Entschluss nichts mehr geändert.

STOL: Ein Abgang mit Lorbeeren, also ...

Moroder: So könnte man es sagen. Und es freut mich, dass die Leute im Dorf auf mich zugehen und sagen, es sei schade. Doch es ist sehr viel besser selbst zu gehen, als gegangen zu werden. 

STOL: Muss die Gemeindepolitik nun gänzlich auf Sie verzichten?

Moroder: Ja. Die zwanzig Jahre waren eine schöne Zeit, aber auch ausreichend. Ich würde es wieder tun und das meiste auch genauso.

STOL: Was waren Ihre schönsten/schwierigsten Momente in der Zeit als Bürgermeister?

Moroder: Oh, da gibt es viele schöne Momente - die Neugestaltung und Erweiterung der Fußgängerzone, die Sanierung der alten Volksschule, das Schutzhaus Raschötz, den Umbau der Geschützen Werkstatt Locia... St. Ulrich ist einer der schönsten Orte Südtirols und darüber hinaus. Das liegt sicher auch an meinem Vorgänger und dem Ausschuss, in dem besonders in den vergangenen fünf Jahren ein super Klima geherrscht hat.

Persönlich hat es mich bereichert, vor allem den einfachen Menschen weiterhelfen zu können. Die Verwaltung soll man am letzten Glied messen - und das sind einerseits die Kinder und damit die Einrichtung einer Kindertagesstätte und anderseits die Senioren im Altersheim. Und dabei handelt es sich nicht um Wähler.

Getroffen hingehen haben mich die persönlichen Angriffe und Attacken vor den vergangenen Wahlen von Seiten gewisser Oppositionspolitiker. Die haben einfach weh getan. Doch lassen wir das.

STOL: Man sei baff, dass das Demokratie ist, haben Sie zu den Entwicklungen kurz nach den Gemeinderatswahlen gesagt, als ein Kommissär an Ihrer Stelle die Geschicke der Gemeinde übernommen hat. Welche Einstellung haben Sie nach dieser ersten Ernüchterung gewonnen?

Moroder: Nun, gerade wir als Gemeinde haben als erste das Null-Quorum bei Referenden eingeführt. Und dann stolpern wir bei einer Wahl genau an der 50-Prozent-Hürde... Ich muss dahingehend die Wähler in Schutz nehmen und jedem danken, der hingegangen ist. Sie wurden in der Sache von den Nichtwählern bestraft. 

STOL: Nun verliert die SVP St. Ulrich neben Ihnen auch den Vizebürgermeister Armin Lardschneider - und in drei Monaten stehen Neuwahlen an. Hinterlassen sie beide eine kopflose SVP?

Moroder: Dazu möchte ich mich zu dem Zeitpunkt nicht äußern (Es äußert sich der SVP-Obmann, siehe unten, Anm.d.Red.).

STOL: Sie machen Platz für die Neuen?

Moroder: So kann man es sehen.

STOL: Wie sieht Ihr jetziges berufliches Umfeld aus?

Moroder: Ich habe eine gute Arbeitsstelle bei der Sparkasse Bozen.

Bis zum September soll ein TOP-Team stehen

Mit der Botschaft, dass gleich zwei Zugpferde wegbrechen, beschäftigt man sich nun auch bei der SVP in St. Ulrich. "Mit Bedauern" nimmt man dort zur Kenntnis, dass Moroder nicht mehr für die SVP ins Rennen gehen wird. "Ganz so klar ist das bei dessen Vize Armin Lardschneider aber nicht", bemerkt Ortsobmann Alexander Comploj. 

Dieser habe zwar gesagt, dass er sich wegen seines Berufes nicht für den 24-Stunden-Job als Bürgermeister zur Verfügung stellen könne, doch die endgültige Entscheidung, wie und ob er für den Gemeinderat kandidiert, stehe noch aus. 

"Natürlich ist uns klar, dass die neuen Kandidaten von der großen Akzeptanz der alten Größen profitiert hätten, doch es gibt engagierte Leute im Ortsausschuss. Denen wird eine große Chance gegeben und wir möchten ihnen nicht jetzt schon das Wasser abgraben", so der SVP-Ortsobmann, der sich über die Kandidatennamen vorerst ausschweigt.

Im September soll es zu Vorwahlen kommen und bis dahin will Comploj "eine Top-Mannschaft aufstellen". 

stol/ker

 

stol