Trotz tiefgreifender Veränderungen im Gesundheitssystem und dem Ausbau wohnortnaher Betreuungsangebote durch Gemeinschaftshäuser und Sozialdienste wird ein Großteil der Pflegebedürftigen in Südtirol weiterhin im eigenen Zuhause versorgt. Diese Betreuung wird in erster Linie von Familienangehörigen übernommen.<BR /><BR /><i><b>Bevor Sie weiterlesen, stimmen Sie ab:</b></i><BR /><BR /> <div class="embed-box"><div data-pinpoll-id="481323" data-version="v2"></div></div> <BR /><BR />Dabei handelt es sich um eine meist stille und häufig als selbstverständlich angesehene Leistung: die Pflege eines nahestehenden Menschen. Angesichts des demografischen Wandels und der steigenden Lebenserwartung gewinnt dieser Bereich zunehmend an Bedeutung und stellt das bestehende System vor wachsende Herausforderungen.<h3> Gesetzesinitiative mit Einschränkungen</h3>In jüngster Zeit ist das Thema pflegender Angehöriger auch auf gesetzlicher Ebene erneut in den Fokus gerückt. Auf nationaler Ebene liegt ein Gesetzesentwurf vor, der erstmals einen umfassenden rechtlichen Rahmen für diese Personengruppe schaffen soll. Ziel ist es, Voraussetzungen für eine anerkannte arbeitsrechtliche Tätigkeit zu definieren.<BR /><BR /><i><b>Das sagt der ASGB-Chef Tony Tschenett im STOL-Podcast zum Pflegesystem in Südtirol – hören Sie rein:</b></i><BR /><BR /> <video-jw video-id="DV8AZhtG"></video-jw> <BR /><BR />Kritik gibt es jedoch an den vorgesehenen Zugangskriterien: Diese seien so restriktiv ausgestaltet, dass ein Großteil der pflegenden Angehörigen von den geplanten Regelungen ausgeschlossen werde. Da die Pflege überwiegend von Frauen geleistet wird, hat dies häufig weitreichende Folgen für deren Erwerbsbiografien – etwa durch erzwungene Teilzeitarbeit oder den vollständigen Ausstieg aus dem Berufsleben. Dies wirkt sich wiederum negativ auf die spätere Rentenhöhe aus.<h3> Diskussion um geeignete Modelle</h3>Auch auf Landesebene wird über mögliche Lösungsansätze diskutiert. Das vielfach thematisierte sogenannte Burgenländer Modell wurde von Landesrätin Rosmarie Pamer als nicht geeignet bewertet. Vor diesem Hintergrund wächst der Druck, alternative Wege zu finden, um die bestehende gesetzliche Lücke zu schließen und die familiäre Pflege strukturell aufzuwerten.<h3> „Bestehende Angebote reichen nicht aus“</h3>In Südtirol existieren bereits verschiedene Unterstützungsmaßnahmen für pflegende Angehörige, darunter Pflegegeld, Hauspflegedienste und Entlastungsangebote. Dennoch berichten Betroffene, dass diese Hilfen in der Praxis oft nicht ausreichen.<BR /><BR />Gefordert werden insbesondere mehr gesellschaftliche Anerkennung, bessere psychologische Unterstützung, transparente Informationen sowie Möglichkeiten zur Entlastung im Pflegealltag. Ebenso wichtig sei das Gefühl, mit der Verantwortung nicht allein gelassen zu werden.<h3> Forderung nach rechtlicher Anerkennung</h3>Vor diesem Hintergrund wird verstärkt gefordert, die Tätigkeit pflegender Angehöriger als eigenständige arbeitsrechtliche Leistung anzuerkennen. Sie dürfe nicht länger als kostenlose und selbstverständliche Ressource betrachtet werden, sondern müsse als tragende Säule des Wohlfahrtsstaates gelten.<BR /><BR />Eine solche Anerkennung würde nicht nur den Pflegenden zugutekommen, sondern auch die Lebensqualität der Pflegebedürftigen verbessern, die Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems stärken und den sozialen Zusammenhalt fördern.<h3> Appell an die Politik</h3>Die ASGB-Rentner richten daher einen klaren Appell an die Landespolitik sowie an die Parlamentarier in Rom. Sie fordern, sich für eine gesetzliche Anerkennung des sozialen und wirtschaftlichen Wertes der familiären Pflege einzusetzen und damit die Grundlage für eine langfristig tragfähige Lösung zu schaffen.