Die Südtiroler Autorenvereinigung hat bereits vorgelegt und 2024 eine Broschüre mit Honorar-Empfehlungen veröffentlicht. Während die Höhe der Vergütung bislang oft vom Verhandlungsgeschick des Autors abhing, will die Vereinigung mit dem Leitfaden klare Orientierung für Veranstalter und Künstler schaffen. <BR /><BR />Die Botschaft der SAAV ist klar: „Ein Honorar ohne Betrag ist wie ein Geburtstag ohne Datum.“ – Ziel sei Fair Pay. Konkret legt die Broschüre Untergrenzen für Honorare fest, die nicht unterschritten werden sollten – von Einzellesungen über Moderationen bis hin zu Schulveranstaltungen oder literarischen Laboratorien. <BR /><BR />Für den Bereich Theater verweist die Vereinigung auf das detaillierte Dossier des Deutschen Verbandes der Theaterautoren in Berlin, um die Wertigkeit dieser Arbeit sichtbar zu machen. Parallel dazu setzt sich auch der 2021 gegründete Verband beruflich darstellender Künstler in Südtirol (Perfas) für faire Bezahlung im Theater-, Film- und Musikbereich ein.<h3> Fair-Pay-Prozess seit 2022 im Gange</h3>Bereits Anfang 2022 brachte Landesrat Achammer – unter Einbindung von Perfas, des Südtiroler Künstlerbundes und der Kulturverwaltung – einen Beschlussantrag ein, der sowohl den Künstler-Solidarfonds auf den Weg brachte als auch den Fair-Pay-Prozess im Kulturbereich in Gang setzte. <BR /><BR />Nach intensiven Gesprächen mit verschiedenen Kulturorganisationen wurden die Weichen für ein Fair-Pay-Siegel gestellt, das am gestrigen Montag in Bozen vorgestellt wurde. <BR /><BR /> Doch was steckt dahinter? Welche Ziele werden damit verfolgt? Und warum weicht man von der Bezeichnung „Siegel“ und spricht von einem „Fair-Pay-Logo“? Darüber haben wir mit Kulturlandesrat Philipp Achammer gesprochen. <BR /><BR /><b>Herr Landesrat, Südtirols Kulturlandschaft hat sich in den vergangenen Jahren rasant erholt. Wie beurteilen sie die aktuelle Situation?</b><BR /><BR />Philipp Achammer: Wir haben beobachtet, dass sich die Kulturlandschaft in den Jahren nach Covid – einem der größten Einschnitte für die Kulturwelt – nicht nur erholt hat, sondern in einzelnen Bereichen sogar ein deutliches Wachstum verzeichnet werden konnte. Dies ist sicherlich auf das ausgeprägte Bedürfnis der Menschen nach kulturellen Inhalten in diesen unsicheren Zeiten zurückzuführen. <BR /><BR /><b>Das Thema „Fair Pay“ ist inzwischen in aller Munde – vom Bildungs- bis zum Gesundheitsbereich. Nun rückt auch die Kultur in den Fokus. Was bedeutet „Fair Pay“ in diesem Zusammenhang konkret für den Veranstalter und was für den Künstler selbst? <BR /></b><BR /> Achammer: Für Veranstalter bedeutet dies, dass bei der Planung und Abwicklung der Ausgaben einer Veranstaltung in erster Linie auf angemessene Honorare für Künstler geachtet werden muss. Für die Kulturschaffenden selbst bedeutet es, die eigene Arbeit adäquat einschätzen und eine entsprechende Entlohnung – auf der Grundlage von Tarifempfehlungen – gegenüber den Veranstaltern einfordern zu können. <BR /><BR /><b>Sie haben 2022 – in Abstimmung mit der Perfas, dem Kulturinstitut und der Kulturverwaltung – mit einem Beschlussantrag, den Fair-Pay-Prozess in den Kulturbereich in Bewegung gesetzt. Seitdem wird an der Umsetzung gearbeitet. Was ist in dieser Zeit bereits alles passiert? <BR /></b><BR />Achammer: Wir pflegen seitdem den regelmäßigen Austausch mit verschiedenen Kulturakteuren, allen voran Perfas, Südtiroler Autorinnen- und Autorenvereinigung, FAS und Künstlerbund. Wir haben daran gearbeitet, den Fair-Pay-Prozess weiterzuentwickeln und einzelne Organisationen haben bereits Tarifempfehlungen für Veranstalter ausgearbeitet. Für uns geht als öffentliche Hand nun darum, für den Fair-Pay-Prozess zu werben und ihn auch bei anderen öffentlichen Finanziers des Kulturbetriebs vorzustellen. Wichtig ist uns dabei, darauf zu verweisen, dass es bei Fair Pay um die adäquate Bezahlung einer Berufsgruppe geht, die davon im Wesentlichen alle ihre Beiträge, beispielsweise Vorsorgebeiträge, Versicherung usw., berappen muss. <BR /><BR /><b>Wie „fair“ war Südtirol bislang? Wo orten Sie den größten Aufholbedarf? <BR /></b><BR />Achammer: Hier gibt es sicherlich große Unterschiede. Tatsache ist, dass auch Veranstalter unter einem großen Kostendruck stehen. In diesem Sinne müssen wir sie dabei unterstützen, dass sie die angemessene künstlerische Bezahlung überhaupt berücksichtigen und priorisieren können. <BR /><BR /><b>Wer legt im Kulturbereich überhaupt fest, was „fair“ ist? <BR /></b><BR /> Achammer: Die einzige Möglichkeit, um „fair“ zu definieren ist ein intensiver Austausch zwischen Veranstaltern und den Interessensvertretungen, um entsprechende Mindesthonorare festzulegen. <BR /><BR /><b>Der Südtiroler Autorenvereinigung hat 2024 einen Leitfaden mit Bruttohonorar-Untergrenzen veröffentlicht. In Österreich geht man mit einem Fair-Pay-Rechner bereits noch einen Schritt weiter. Wie würde eine gerechte Vergütung in Südtirol dann künftig aussehen? <BR /></b><BR />Achammer: Uns geht es in erster Linie darum, verbindliche Honoraruntergrenzen festzulegen, um Kulturschaffende bei der Finanzierung ihrer Beiträge zu unterstützen. Besonders wichtig ist uns, dass überall dort, wo öffentliche Gelder fließen, auch angemessene Honorare gezahlt werden. <BR /><BR /><b>Am gestrigen Montag, den 22. September wurde nun das sogenannte „Fair-Pay-Siegel“ vorgestellt werden. Welcher Gedanke steckt hinter diesem Siegel? An wen ist das Fair-Pay-Siegel gerichtet? <BR /></b><BR />Achammer: Tatsächlich handelt es sich vielmehr um ein Fair-Pay-Logo als ein Siegel. Das Logo stellt ein Bekenntnis dar, das die Veranstalter, aber auch diverse Partner tragen, die sich zu diesem Prozess bekennen und die sich auch dazu verpflichten, einen eigenen Plan auszuarbeiten, wie man die Fair-Pay-Prinzipien erreicht. Durch dieses Logo sollen die Fair-Pay-Anliegen sichtbar gemacht werden. <BR /><BR /><b>Warum diese Herabstufung vom Siegel zum „Logo“? <BR /></b><BR />Achammer: Es handelt sich keineswegs um eine Herabstufung, es ist lediglich so, dass Fair Pay einen laufenden Prozess darstellt. Niemand kann von sich behaupten, zum aktuellen Zeitpunkt alle Fair-Pay-Prinzipien zu 100 % zu erfüllen. Daher ist uns wichtig, dass sich die verschiedenen Veranstalter auf den Weg in diese Richtung machen. <BR /><BR /><b>Was steht, ihrer Meinung nach, einer standardisierten Regelung im Weg? <BR /></b><BR />Achammer: Eine standardisierte Regelung gestaltet sich schwierig, weil es sich hierbei nicht um einen Bereich handelt, in dem klassische Verhandlungen zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden geführt werden. Es geht im Wesentlichen um eine Interessenvertretung durch die Künstlerinnen und Künstler selbst und deswegen sind Honorarempfehlungen von großer Wichtigkeit, da sie vor allem für öffentliche Geldgeber einen Richtwert darstellen und darauf geachtet werden kann, dass verpflichtende Untergrenzen eingehalten werden. <BR /><BR /><b>Wo sehen Sie die größten Herausforderungen im weiteren Prozess? <BR /></b><BR /> Achammer: Die größte Herausforderung im weiteren Prozess ist die Einbindung des Fair-Pay-Prozesses. Weiters muss in einigen Bereichen das Kulturbudget so erhöht werden, dass eine Annäherung an die Fair-Pay-Prinzipien überhaupt möglich ist. <BR /><BR /><b>Wie geht es im Fair Pay Prozess jetzt weiter? <BR /></b><BR />Achammer: Wir werden den Austausch zwischen den verschiedenen Interessensvertretungen weiterhin sorgfältig pflegen und die Honoraruntergrenzen für die verschiedenen Bereiche ausarbeiten. Anschließend können wir punktuell auf der Grundlage öffentlicher Förderungen nachrüsten, um die Fair-Pay-Zielsetzungen erreichen zu können.