Donnerstag, 09. Juni 2016

Achammer: „Zeitgeschichte ist Herzensanliegen“

Wenig bis gar nichts wissen Südtirols Oberschüler über die Regionalgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts. So laute eine gängige Meinung, hat es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz des deutschen Bildungsressorts geheißen. Diesem Vorurteil haben Landesrat Achammer und Mitarbeiter widersprochen und neue Ansätze des zeithistorischen Unterrichts an Südtirols Oberschulen vorgestellt.

Philipp Achammer und Peter Höllrigl über den zeithistorischen Unterricht an Südtirols Oberschulen. - Foto: DLife
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Philipp Achammer und Peter Höllrigl über den zeithistorischen Unterricht an Südtirols Oberschulen. - Foto: DLife

„Die Zeitgeschichte ist mir ein Herzensanliegen“, betonte Bildungslandesrat Philipp Achamer am Donnerstag auf einer Pressekonferenz zum zeitgeschichtlichen Unterricht an Südtirols Oberschulen.

Achammer und Schulamtsleiter Peter Höllrigl unterstrichen, dass am Vorurteil - Südtirols Oberschüler wüssten wenig bis gar nichts über die Zeitgeschichte ihrer Heimat - wenig bis gar nichts dran sei.

Zeithistorischer Unterricht analysiert

2014 wurde der Geschichtsunterricht von 137 Klassen in 27 verschiedenen Oberschulen evaluiert. Das Ergebnis spreche eine klare Sprache, stellte der Bildungslandesrat fest, nur in 12 Klassen endete der Geschichtsunterricht mit dem 2. Weltkrieg, alle anderen Klassen hätten auch jüngere Dynamiken vermittelt bekommen.

Die 2010 von der Landesregierung verabschiedete Rahmenrichtlinien für die Gymnasien in Südtirol sehe vor allem für die Abschlussklasse der Oberschule eine Fokussierung auf zeithistorische Themen bis zu den aktuellsten Geschehnissen vor, so Achammer weiter.

Zukünftige Initiativen

Seit dem Schuljahr 2014/15 werden die Rahmenrichtlinien umgesetzt. Chronologische Abfolgen seien dabei genauso von Bedeutung, wie Längsschnitte oder Vergleiche: „Nicht nur die Kenntnis der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart ist von Bedeutung“, unterstrich der Bildungslandesrat.

Gerade auch mit Blick auf den zurzeit tagenden Autonomiekonvent sei ein verstärktes Heranführen der Schüler an die Südtiroler Autonomiegeschichte wichtig – dafür habe man das Konzept eines Autonomieworkshops entwickelt, der die Klassen damit vertraut machen solle, welche Relevanz die Südtirolautonomie im realen Leben habe, so Philipp Achammer.

Der Landesrat warf damit auch einen Blick auf die zukünftige Gestaltung des zeithistorischen Lehrplans, in dem nun auch vermehrt Themen aus der politischen Bildung einfließen sollen.

Kein reines Rezitieren von Zahlen

Schulamtsleiter Peter Höllrigl stellte fest, dass bereits heute der zeithistorische Unterricht in Südtirol differenziert und multiperspektivisch sei. In Zukunft solle noch pointierter der Frage nachgegangen werden, wie sich weltweite Entwicklungen auf Südtirol niederschlügen.

Das Erlernen des Recherchierens, Präsentierens und das Aufzeigen von Zusammenhängen, so Höllrigl, gehöre zu den wichtigsten Lerninhalten, das reine Rezitieren von Zahlen und Fakten habe mit einem zeitgemäßen Geschichtsunterricht nichts zu tun.

Die Kunst des Geschichteunterrichts sei es, historische Inhalte, z.B. Nationalsozialismus und Faschismus, mit konkreten Südtiroler Lebenswelten zu verbinden, etwa über die Geschichte der Eltern und Großeltern, so der Schulamtsleiter.

Der „Historypool“

Walter Pichler vom Bereich Innovation und Beratung im Deutschen Bildungsressort stellte einige neue fachdidaktische Ansätze vor, darunter den „Historypool“ – eine digitale Plattform von und für Geschichtelehrer, auf dem beispielsweise Zeitzeugeninterviews zur Option abgerufen werden können.

Südtirols Schüler sind erfolgreich

Rudolf Meraner, Leiter des Bereichs Innovation und Bildung, stellte abschließend weitere Maßnahmen der Themenkreise „Kultur, Zeitgeschichte, Autonomiegeschichte und politische Bildung“ vor und verwies auf das breite Fortbildungsangebot in diesem Bereich.

Die Prämierung zweier Südtiroler Schulklassen im Bereich der politischen Bildung durch die Bundeszentrale für politische Bildung zeige, dass Südtirols Schüler nicht nur auf einem guten Weg seien, sondern bei entsprechenden Wettbewerben erfolgreich abschnitten.

Die Schülerinnen der Fachschule für Hauwirtschaft und Ernährung „Frankenberg“ - Gewinnerinnen des Wettbewerbes für politische Bildung - trafen unlängst die Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin.

stol/aw

stol