Samstag, 07. Mai 2016

Achammers Gipfelrede

Eine flammende Rede hat sich Philipp Achammer vorgenommen. Auf der SVP-Landesversammlung beschwört der Obmann Werte, Ideale, eine unverrückbare Grundhaltung. Es geht um die Zukunft, die Klammer, das große Ganze der Partei. Und dann doch wieder um die kleine, tägliche Politik. Mit vier Wahlen am Sonntag und dem Flughafen-Referendum, zu dem Achammer eine klare Linie vorgibt, für die er auch Pfiffe erntet.

Philipp Achammer bei seiner Rede im Meraner Kursaal - Foto: DLife
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Philipp Achammer bei seiner Rede im Meraner Kursaal - Foto: DLife

Gegen Ende seiner Rede projiziert der Obmann ein Foto an die große Wand im Meraner Kursaal: Berge, Sonnenschein, atemberaubendes Panorama. Das ist „unser Landl“, sagt Achammer. „Wenn ich auf einem Berg stehe und hinunterblicke, auf unser wunderschönes Landl, steigt in mir Stolz auf.“ Freude, Begeisterung. Es sei ein Privileg, für Südtirol zu arbeiten. Und am Ende gehe es doch darum, in der Politik. Nicht um die kleinen Rangeleien.

Achammer fordert mehr Klarheit

„Zugegeben: Auch ich habe mich gefragt, was die Ortsobmänner von ihrem Obmann hören wollen. Etwas, das Antrieb und Aufschwung gibt“, meinte Achammer zu Beginn seiner Rede an die „Freunde im Edelweiß“. Wenige Minuten später löst er auf: Klarheit, sei es, was nun erwartet werde. In Zeiten, die immer schneller und ungewisser werden, dürfe die „große SVP“ nicht mehr Fragen als Antworten aufwerfen. Werte. Ideale. Eine unverrückbare Grundhaltung. Das mache die SVP heute noch aus.

Allerdings – eine Sorge habe er schon: Er, sagt Achammer, sei besorgt, dass die „gemeinsame Klammer nicht mehr so gespürt wird, dass das ‚Gefühl SVP‘ nicht mehr so vorhanden ist“. Das neue Parteistatut und das neue Parteiprogramm, mit dem die Delegierten noch heute Meran verlassen sollen, soll in dieser Frage als Leitfaden dienen.

Wofür steht die SVP? Achammers 3 Punkte

Mit dem „Rundum-Lifting für eine rüstige Seniorin“, zitiert Achammer einen Zeitungsbericht zur SVP-Reform, soll wieder ganz klar gespürt werden, für was die SVP stehe: Die SVP als Partei der Autonomie. „Wir wissen, dass wir es sind, denen Südtirol seine Autonomie zu verdanken hat.“ Die SVP als Partei des einen Europas. „Wir werden es niemals gutheißen, dass aus Verbindendem wieder Trennendes werden könnte. Herr Sobotka, Grenzzäune treffen das, woran wir glauben.“ Die SVP als Partei der christlichen Werte. „Wer wirklich Hilfe braucht, dem muss geholfen werden. Wir werden nie Politik auf Kosten der Schwächsten machen, nie Politik, die mit den Ängsten der Menschen spielt.“

Achammer sagt Ja zum Flughafen – und erntet Pfiffe

Es sind die ganz großen Werte, die Achammer in seiner Grundsatzrede bemüht. Drei Mal verweist er auf Zitate von Silvius Magnago. Der Übergang von der Grundausrichtung der Partei zur täglichen Politik fällt etwas holprig aus. „Bewahren und entwickeln schließen sich nicht aus“, sagt Achammer, um dann auf den 12. Juni und das Flughafen-Referendum zu verweisen. „Unsere Antwort wird ein Ja sein“, sagt er. Es ist jener Abschnitt seiner Rede, für den der Obmann neben Applaus auch vereinzelt Pfiffe erntet.

Achammer sagt daraufhin: „In unserer Partei gibt es keine Maulkörbe.“ Und später: „Jede Meinung braucht ihren Platz. Ein ‚Drüberfahren wird es mit mir als Parteiobmann nicht geben.“ Achammer verlangt eine neue Streitkultur in der Partei – aber auch eine neue Handschlagqualität.

Umarmungen für Massl und Kompatscher

Handschlag samt Umarmung gibt’s für Manuel Massl, den scheidenden Landessekretär. Auch Landeshauptmann Arno Kompatscher wird vom Obmann umarmt, der scheue Christoph Baur zum Aufstehen animiert. „Christoph, steh auf und lass dir applaudieren“, sagt Achammer – schließlich wird am Sonntag in Bozen gewählt.

Als gegen Ende die Bergkulisse eingeblendet wird – „unser Landl!“ – wirkt der Obmann, von dem viele eine klarere, strengere Linie fordern, beinahe emotional. Ganz zum Schluss sagt er: „Es lebe Südtirol. Es lebe Tirol. Es lebe Europa. Es lebe die Südtiroler Volkspartei.“ Der Applaus hält lange an.

stol/pg

stol