Ehemalige Mitglieder, die ihre Gefängnisstrafen verbüßt haben, wollen die frühere Terror-Organisation Gamaa Islamija (Islamische Gruppe) neu beleben, berichtete die Kairoer Tageszeitung „Al-Masry Al-Youm“ am Montag. Tarik al-Somor, der am Mordanschlag auf den ägyptischen Präsidenten Anwar al-Sadat (1918-1981) beteiligt war, kündigte demnach an, dass die Vollversammlung der Gamaa demnächst zusammentreten und neue Führungsgremien wählen werde, um ein neues Programm für die Organisation auszuarbeiten.Wie Al-Somor weiter sagte, hätten die Gamaa-Mitglieder in der Zeit ihrer oft jahrzehntelangen Gefängnishaft der Gewalt abgeschworen. Er und sein Cousin Abud al-Somor waren erst Ende letzter Woche aus dem Zuchthaus entlassen worden. Sie hatten ihre 20-jährige Gefängnisstrafe bereits vor sieben Jahren abgesessen, waren aber vom Regime des am 11. Februar gestürzten Präsidenten Husni Mubarak weiter in der Haft festgehalten worden. Die beiden Cousins spielten in der Verschwörung gegen Sadat eine eher untergeordnete Rolle. Die fünf Hauptattentäter, unter ihnen der Todesschütze Chalid Islambuli, wurden nach der Tat gefasst und später hingerichtet.Die alte Gamaa Islamija wird von der Europäischen Union (EU) und den USA als Terrororganisation betrachtet. Auf ihr Konto gingen in den 1990er-Jahren zahlreiche Terroranschläge in Ägypten, unter anderem gegen westliche Touristen. Ein Terrorkommando der Organisation erschoss im November 1997 in Luxor 58 Urlauber – unter ihnen 36 Schweizer und vier Deutsche – und mehrere Polizisten.Die Gründung und Zulassung von Parteien war in der Mubarak-Zeit nahezu unmöglich. Der nun regierende Militärrat kündigte in der Vorwoche an, dass bald ein neues Parteiengesetz geschaffen werde. apa/dpa