Samstag, 18. September 2021

Afghanische Entschädigungsforderungen nach US-Eingeständnis

Der Tod von Zivilisten und Kindern bei einem US-Luftangriff in Kabul Ende August hat trotz einer Entschuldigung des US-Militärs in Afghanistan Wut und Entschädigungsforderungen ausgelöst. „Gut zu sehen, dass die Wahrheit vom Pentagon anerkannt wird“, twitterte die Vorsitzende der Unabhängigen Afghanischen Menschenrechtskommission, Shaharzad Akbar, auf Twitter. „Jetzt Wiedergutmachung und Gerechtigkeit“.

Menschenrechtskommissarin Akbar: Wiedergutmachung nach Drohnenangriff. - Foto: © APA/AFP / SAJJAD HUSSAIN

Das US-Militär hatte am Freitag eingeräumt, bei dem Drohnenangriff in der afghanischen Hauptstadt unschuldige Menschen statt Extremisten getötet zu haben.
Bis zu zehn Unschuldige, darunter bis zu sieben Kinder, seien ums Leben gekommen. Der Luftangriff sei ein „tragischer Fehler“ gewesen, sagte General Kenneth McKenzie, der das Kommando der US-Streitkräfte im Nahen Osten (Centcom) führt.

„Es wirkt so, als wollten die USA mit einer Entschuldigung alles abschließen“, sagte der prominente afghanische Fernsehmoderator Muslim Shirzad der Deutschen Presse-Agentur. Doch das allein könne den Schmerz der Hinterbliebenen nicht lindern. Er forderte die USA auf, Entschädigungen zu zahlen.

„Worte des Bedauerns reichen nicht aus“, sagte auch die stellvertretende Asien-Direktorin bei Human Rights Watch, Patricia Gossman. Es bedarf einer „gründlichen und unabhängigen Untersuchung“ des US-Drohnenangriffs. Dieses Vorgehen seitens der USA sei nicht neu, in den vergangenen 20 Jahren aber „völlig ungestraft“ geblieben.

Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan Mitte August hatten die USA und ihre internationalen Partner eine großangelegte Evakuierungsmission gestartet, um westliche Staatsbürger und schutzbedürftige Afghanen außer Landes zu bringen. Inmitten des Evakuierungseinsatzes wurden Ende August bei einer Terrorattacke des IS, der mit den Taliban verfeindet ist, vor dem Flughafen von Kabul Dutzende Afghanen und 13 US-Soldaten getötet.

Die USA reagierten daraufhin mit Luftangriffen und nahmen Kämpfer von Isis-K ins Visier, einem örtlichen Ableger des IS. In Kabul griff das US-Militär am 29. August mit einer Drohne ein Auto an, in dem die Amerikaner Isis-K-Anhänger vermuteten. Mittlerweile halte man es für unwahrscheinlich, dass das Fahrzeug und die getöteten Personen mit Isis-K in Verbindung gestanden wären. Medien hatten bereits kurz nach dem Luftanschlag berichtet, dass mehrere Zivilisten ums Leben gekommen seien.

In diesem Video geht STOL-Reporter Ivo Zorzi kurz auf die Hintergründe dieser dramatischen Afghanistan-Krise ein.

apa

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Hermann Zanier
19. September 2021 06:33
Die USA wären ein armes Land, wenn sie für alle angerichteten Schäden aufkommen würden. Überall wo sie eingesetzt sind, gibt es jede Menge Scherben und wenig Vorteilhaftes. Befriedung sieht anders aus. Das Seilbahn-unglück im Trentino blieb ungestraft, wobei die Flieger zwischen den Seilbahnkabeln tobten, bis sie eines erwischten.