Dienstag, 17. August 2021

Afghanistan – So weit sind die NATO-Staaten mit der Evakuierung

Nach dem Siegeszug der Taliban fliegen westliche Staaten eilig Menschen aus der Afghanistan aus. Am Montagabend landete die erste Bundeswehrmaschine, mit der zunächst nur 7 Menschen ausgeflogen wurden. Am Dienstag folgte eine weitere. Italien hat rund 70 Botschaftsangehörige und frühere Mitarbeiter aus Afghanistan ausgeflogen. Wie weit sind andere NATO-Partner?

Am Flughafen in Kabul haben sich am Montag dramatische Szenen abgespielt. Verzweifelte Menschen versuchten alles, um einen Platz in einem der wenigen Flieger zu ergattern.
Am Flughafen in Kabul haben sich am Montag dramatische Szenen abgespielt. Verzweifelte Menschen versuchten alles, um einen Platz in einem der wenigen Flieger zu ergattern. - Foto: © APA/afp / WAKIL KOHSAR

Italien:

Italien hat rund 70 Botschaftsangehörige und frühere Mitarbeiter aus Afghanistan ausgeflogen. Am Montagnachmittag landete die Maschine der italienischen Luftwaffe auf dem Flughafen Fiumicino in Rom, wie das Außenministerium mitteilte. Als nächstes sollen auch Afghanen evakuiert werden, die früher mit dem italienischen Verteidigungs- und dem Außenministerium zusammengearbeitet haben. Dafür will das Militär eine Luftbrücke mit Transportflugzeugen vom Typ KC-767 einrichten, wie es am Montag hieß.



USA:

Das US-Militär hat seit Montag 700 bis 800 Menschen aus Kabul ausgeflogen, wie der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Dienstag dem Sender CNN sagte. Sobald Sicherheit und Ordnung am Flughafen komplett hergestellt seien, könne das US-Militär 5000 bis 9000 Menschen pro Tag ausfliegen. Es seien schätzungsweise noch 5000 bis 10.000 Amerikaner in und um Kabul. Sie sollten an den Flughafen kommen, um für die Evakuierung bereitzustehen. Mit Blick auf frühere afghanische Mitarbeiter des US-Militärs sagte Kirby, die Streitkräfte hätten bereits Plätze für 22.000 Afghanen vorbereitet. In Absprache mit dem Außenministerium seien auch mehr Plätze machbar. Die USA wollen auch Verbündeten bei der Evakuierung helfen.

Frankreich:

In der Nacht zum Dienstag startete in Kabul ein erster Airbus A400M mit rund 40 Menschen unterschiedlicher Nationalitäten, der zuvor mit Spezialkräften dort gelandet war, wie die französische Botschaft mitteilte. Der Airbus sei nach Abu Dhabi geflogen, sagte Verteidigungsministerin Florence Parly. Weitere Pendelflüge nach Kabul seien in Vorbereitung. Präsident Emmanuel Macron hatte am Vorabend die absolute Priorität betont, alle französischen Staatsangehörigen und ihre afghanischen Helfer außer Landes und in Sicherheit zu bringen. In den vergangenen Wochen seien bereits zahlreiche Franzosen evakuiert worden.

Großbritannien:

Nach Angaben der britischen Regierung wurden in den vergangenen Wochen bis Montagabend rund 150 Briten und 3300 afghanische Ortskräfte aus Afghanistan ausgeflogen. In den kommenden Tagen sollten Hunderte weitere Menschen per Flugzeug in Sicherheit gebracht werden, sagte Außenminister Dominic Raab in einem BBC-Interview. In London rechnet man zudem zeitnah mit einer Ankündigung von Premier Boris Johnson dazu, wie viele afghanische Flüchtlinge Großbritannien aufnehmen wird. Dem „Telegraph“ zufolge könnte ein ähnliches Programm aufgelegt wie 2015 für Asylsuchende aus Syrien: Damals nahmen die Briten rund 20.000 Syrer auf.

Türkei:

Die Türkei hat bisher mehr als 300 ihrer Staatsbürger ausgeflogen. Am Montag landete nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu eine Maschine der Turkish Airlines mit 324 Passagieren auf dem Flughafen Istanbul. Am Dienstag sollten 42 weitere Menschen folgen. Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, die Evakuierungen könnten noch 2 Tage andauern. Man sei bereit, Staatsbürger anderer Länder mit an Bord zu nehmen. Wie viele Türken sich zurzeit noch in Afghanistan aufhalten, war zunächst unklar.

Tschechien:

Ein zweiter Evakuierungsflug der tschechischen Armee aus Afghanistan hat Kabul am Dienstag verlassen. An Bord waren neben Botschafter Jiri Baloun und tschechischen Soldaten auch afghanische Ortskräfte mit ihren Familien, wie Verteidigungsminister Lubomir Metnar mitteilte. Insgesamt soll es sich um knapp 90 Personen handeln, darunter auch kleine Kinder. Bereits am Montag hatte ein erster Flug 46 Menschen nach Prag gebracht.

Hintergrund: Deshalb ist Afghanistan eine tickende Zeitbombe

In Afghanistan regieren seit Jahrzehnten Krieg, Gewalt und Terror das Tagesgeschehen. Doch das war nicht immer so. Vor 60 Jahren war das Land am Hindukusch sogar ein beliebtes Reiseziel für Touristen – heute regieren wieder die radikalislamischen Taliban das Land und verbreiten Angst und Schrecken. STOL-Reporter Ivo Zorzi geht kurz auf die Hintergründe dieser dramatischen Krise ein:

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apa/dpa