<b>Frau Ambrosi, Sie sind der Meinung, dass das Projekt „Life Ursus“ überdacht werden muss. Welche Lösung halten Sie für umsetzbar?</b><BR /> Alessia Ambrosi: Beim Bären-Ansiedlungsprojekt geht es um ein Programm, das ohne Volksabstimmung durchgeführt, der Bevölkerung im Trentino aufgezwungen wurde und die Steuerzahler Millionen von Euro gekostet hat. Wir haben im Trentino dadurch mehr Probleme als Vorteile. Ein klares Beispiel ist der Tod des jungen Joggers Andrea Papi. Derzeit gibt es zu viele Bären, und ihre Zahl muss drastisch reduziert werden.<BR /><BR /><b> Tierschützer teilen Ihre Ansicht nicht...</b><BR />Ambrosi: Niemand will gegenüber den Bären sadistisch handeln. Es ist klar, dass die erste Wahl die Umsiedlung sein sollte, dann die Sterilisation und erst als letzte Lösung die Keulung. Wir müssen uns auch von ähnlichen, benachbarten Gebieten helfen lassen. Ich denke an unser Nachbarland Österreich. Die Tiroler Landesregierung hat eine Woche vor dem Tod Andrea Papis ein Gesetz verabschiedet, das die Zusammenarbeit mit den Jägern und, falls erforderlich, die selektive Tötung von Großraubtieren vorsieht.<BR /><BR /><b> Sie stehen in Kontakt mit der Bevölkerung der Trentiner Täler. Ist die Angst vor den Bären wirklich so groß? Haben Sie negative Auswirkungen auf den Tourismus festgestellt?</b><BR />Ambrosi: „Die Ängste sind weit verbreitet, und die ersten Stornierungen von Urlaubern sind leider schon eingetroffen. Die Situation im Trentino ist außer Kontrolle, und ich fordere die Südtiroler Behörden, solange es noch an der Zeit ist, auf, hart durchzugreifen. Ansonsten wird sich die Situation auch in Südtirol verschlimmern. Ein Bär wandert außerdem Hunderte von Kilometern von einem Gebiet zum anderen, sodass es schwierig ist, ihn aufzuspüren und einzufangen.<BR /><BR /><b> Was erwarten Sie sich von dem für den 25. Mai geplanten Urteil des regionalen Verwaltungsgerichts, (TAR) in Trient, die Frage der Bären-Erlegung betreffend?</b><BR />Ambrosi: Ich hoffe, dass unsere Gemeinden die Möglichkeit erhalten, in Frieden und Sicherheit zu leben. Familien mit Kindern sollten beim Wandern in unseren Wälder keine Angst haben. Im Trentino wird der Wald noch so erlebt, wie er einst war, wir betrachten ihn als unser Zuhause.<BR /><BR /><b> Hatten Sie bisher Verbindung zu Umweltminister Pichetto Fratin, und was erwarten Sie konkret von ihm?</b><BR />Ambrosi: Ich stehe mit allen für diese Angelegenheit zuständigen Regierungsmitgliedern in Kontakt. Die Anfrage an den Minister in Sachen Großraubtiere war das erste, was wir gemeinsam mit unseren Kollegen aus Südtirol vorgelegt und behandelt haben, gerade weil wir dem Thema große Aufmerksamkeit schenken. Ich erwarte, dass die Regierung auf der Seite der Bevölkerung steht.<BR /><BR /><b> Glauben Sie, dass ein Referendum in dieser Phase helfen könnte?</b><BR />Ambrosi: Man sollte keine Angst vor der Meinung des Volkes haben. Ein Referendum, warum nicht? Das könnte eine Idee sein. Das hätte man allerdings bereits vor Beginn des Wiederansiedlungsprojekts „Life Ursus“ in die Wege leiten sollen.<BR /><BR /><b>Stehen Sie im Austausch mit Tierschützern?</b><BR />Ambrosi: Es ist schwierig, mit ihnen in einen Dialog zu treten, weil sie dazu neigen, Bären und Wölfe zu vermenschlichen. Ich frage mich: Haben Rehe, Hirsche, Schafe, Hunde, und andere Tiere, die ständig von Wölfen und Bären gerissen werden, weniger Rechte als Bären?<BR /><BR /><b> Was wird jetzt Ihrer Ansicht nach in dieser Angelegenheit geschehen?</b><BR />Ambrosi: Ich hoffe, dass die Provinz Trentino so schnell wie möglich die Verordnung zur Erlegung der Problembären anwenden kann, für die sie die volle Zuständigkeit hat. Sicherlich müssen wir das Tabu der Großraubtiere überwinden. Ich frage mich abschließend: Ist es im Trentino überhaupt noch angebracht, Wölfe und Bären als gefährdete Tiere zu betrachten? Auch auf europäischer Ebene muss die Gesetzgebung sicherlich überarbeitet werden.