<b>STOL: Herr Landesrat, was soll man sich unter einer digitalen Testphase vorstellen?</b><BR />Daniel Alfreider: Im September und Oktober werden am Grödner Joch und auf den Zufahrten sämtliche Fahrzeuge von Kameras erfasst und dadurch erhoben. Das erlaubt in der Folge eine Simulation zu verschiedenen Szenarien. Wir können nachvollziehen oder besser gesagt vorausblicken, was geschehen würde, wenn aufgrund der geplanten Einschränkungen beispielsweise 70 bis 80 Prozent der Fahrzeuge das Grödner Joch nicht mehr passieren.<BR /><BR /><b>STOL: Was könnte denn überhaupt passieren?</b><BR />Alfreider: Dass die Fahrzeuge bis zum Checkpoint fahren, dort erst wenden, um zurück ins Tal zu fahren und in den Orten nach Parkplätzen suchen oder dass sie stattdessen den Weg übers Sella Joch wählen. Das hätte entsprechende Auswirkungen auf die Ortschaften und auch auf die Ausweichrouten.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1348389_image" /></div> <BR /><BR /><b>STOL: Mit einer guten Informationskampagne und einer klaren Beschilderung sollte man das doch in den Griff bekommen, dann suchen die Fahrzeuge nicht den Weg aufs Grödner Joch, sondern machen zuvor an den Parkplätzen halt, beispielsweise in Plan de Gralba.</b><BR />Alfreider: Schön wär’s! Wir betreiben mit der Gemeinde Prags nun im vierten Sommer die Zufahrt zum Wildsee. Wir kommunizieren seit vier Jahren, dass die Zufahrt beschränkt ist und die Gäste zuvor die Parkplätze ansteuern sollen. Realität ist, dass wir täglich vier Mitarbeiter einsetzen müssen, um die Leute in den Autos zum Wenden und Weiterfahren zu bewegen. Die Lage wird völlig unterschätzt – und das wäre für das Projekt der Dolomitenpässe ein Super Gau.<BR /><BR /><b>STOL: Weil es auch in Gröden und im Gadertal zu Kolonnenbildungen kommen würde?</b><BR />Alfreider: Es wäre eine Katastrophe, wenn wir nach all den Vorbereitungen nach einer gefühlten halben Stunde zurückrudern müssten, weil die Verkehrsflüsse nicht funktionieren oder weil wir von den Gerichten dazu gezwungen werden.<BR /><BR /><b>STOL: Sie rechnen also auch mit Rekursen?</b><BR />Alfreider: Machen wir uns keine Illusionen, es wird Rekurse geben. Wenn wir alles solide vorbereiten und zuvor auf Herz und Nieren prüfen, haben wir gute Chancen, sonst nicht. Die Union Generela di Ladins dla Dolomites fordert, dass alle Bewohner der fünf ladinischen Talschaften fahrberechtigt sein sollen. Ich kann das absolut verstehen, aber umsetzbar ist das nicht. Aktuell ist vorgesehen, dass es für die Bewohner der UNESCO-Gemeinden freie Fahrt gibt. In dem Fall dürfte paradoxerweise ein Sextner übers Grödner Joch fahren, ein in Pontives in der Gemeinde Lajen ansässiger Grödner aber nicht. Unlogisch auf ersten Blick, aber vor Gericht dürfte eine derartige Regelung eher Bestand haben.<BR /><BR /><b>STOL: Kommt die Sperre dann im Sommer 2027.</b><BR />Alfreider: Um alle Zweifel auszuräumen: Die Gemeinden und das Land stehen hinter dem Projekt und ich natürlich auch. Der Weg ist vorgezeichnet und wir werden uns von diesem nicht abbringen lassen. Aber wir müssen sicher sein, alles im Griff zu haben, von der rechtlichen Lage bis hin zu nötigen baulichen Maßnahmen. Die Verkehrseinschränkung kommt, sobald wir alles im Griff haben und die Lösung nicht nach einer halben Stunde wieder zurückgenommen werden muss.<BR /><BR /><b>STOL: Sind bauliche Maßnahmen nötig?</b><BR />Alfreider: Das werden wir mit der digitalen Testphase klären. Es könnte sein, dass wir die Checkpoints weiter talwärts verschieben müssen. Wenn wir das tun, müssen wir zuvor die davon betroffene Bevölkerung einbeziehen. Ganz generell sollten wir das tun.